Buchrezension
Kapitalismus braucht auch Krisen

Spekulation ist nicht von Übel, Krisen gehören zum Kapitalismus: Mit Vorurteilen räumt der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe in seinem verständlich geschriebenen Buch auf und erklärt die großen Zusammenhänge. Warum der historische Abriss lesenswert ist.
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DÜSSELDORF. Hat die Wirtschaftskrise gezeigt, dass die Spekulation von Übel ist? Werner Plumpe widerspricht. „Spekulation ist eine notwendige Voraussetzung dafür, dass es überhaupt zu wirtschaftlicher Entwicklung kommt und nicht nur zu einer Wiederholung des bereits Bekannten“, schreibt der Frankfurter Wirtschaftshistoriker.

In seinem Buch wendet er sich auch gegen die geläufige Ansicht, Krisen seien die Folge von politischen Fehlern. Sogar für die Große Depression sieht er eher „eine Verkettung unglücklicher Umstände“. Sein kurzer, klar und verständlich geschriebener historischer Abriss setzt schon in der vorindustriellen Zeit ein. Der Schwerpunkt liegt im 20. Jahrhundert.

Plumpes Stärke ist es, die großen Zusammenhänge deutlich zu machen, etwa die Rolle, die Überkapazitäten und der Zusammenbruch der internationalen Arbeitsteilung in der Zwischenkriegszeit gespielt haben. Als Grundthese klingt immer wieder durch: Krisen sind nicht Betriebsunfälle des Kapitalismus, sondern ein notwendiger Teil davon.

Die Große Depression der 30er-Jahre hatte zwar eine politische Katastrophe nach sich gezogen, allerdings war dies der historische Ausnahmefall. Die Regel lautete gerade für die Zeit des aufblühenden Kapitalismus, dass Verluste an Wohlstand nach Krisen meist sehr schnell wieder aufgeholt wurden. Letztlich verlaufen sie heute meist undramatischer.

Plumpes Fazit lautet: „Wirtschaftskrisen sind ... ein zentrales Moment des wirtschaftlichen Strukturwandels.“

Bibliographie:

Werner Plumpe
Wirtschaftskrisen. Geschichte und Gegenwart.
C.H. Beck, München 2010
128 Seiten, 8,95 Euro

Kommentare zu " Buchrezension: Kapitalismus braucht auch Krisen"

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  • Kapitalismus ist krise,net_worker in der wachstumsphase der zugrundeliegenden ausbeutung egal welcher art bodenschätze,Areitskraft geistig oder körperlich,nur das in der wachstumsphase es nicht bemerkt wird wie zügelos doch mit all dem umgegangen wird.also wenn dann der abgang kommt ist das geschrei gross,sihe über den grossen teich.die kongresswahlen haben gezeigt das es noch zeit braucht um zu verstehen das absolut kein systemrelevantes risiko beseitigt wurde,woher soll noch wachstum generiert werden,denke wir müssen den mars besiedeln unbedingt hier wird die luft dünner und das system kann sich keine krise mehr leisten was bleibt sind raubzüge eine andere art der umverteilung hauptsache wir sind die loooooser los.

  • Man kann stark an der These zweifeln dass der Kapitalismus Krisen *braucht*. Es ist ist vielmehr so, dass die Krise eine nicht zu eliminierende Eigenschaft des Kapitalismus ist. Wer mal eine neue Sicht auf diese Dinge bekommen will, kann sich mal das buch "Ohne Schulden läuft nichts" von Thomas Strobl zu Gemüte führen. Seine These kann man etwa so zusammenfassen, dass die investitionen der Unternehmen (meist durch Kredite finanziert) eine Wette auf die Zukunft sind. Wenn die Erwartungen in der Zukunft nicht eintreffen, verursacht durch äußere Ereignisse die man nicht beeinflussen kann (z.b. Subprime-Krise in den USA), dann kann das gesamte (Geld-)System ins wanken kommen und die Unternehmen und die beschäftigten leiden darunter.

    Der Kapitalismus braucht keine Krisen, sondern die Krise ist Systemimmanent im Kapitalismus enthalten.

  • "Kapitalismus braucht auch Krisen"... und nicht nur die. Der Kapitalismus braucht auch die bevölkerung, die für die Krisen zu zahlen hat. Die Krisen entstehen, weil bankenspekulationsexperimente scheitern und weil Produktionsüberkapazitäten zur Gewinnmaximierung geschaffen werden. Gleichzeitig muss aber die bevölkerung Gehalts- u. Lohneinbußen und Steuer- u. Sozialabgabenerhöhungen bei gleichzeitiger Arbeitszeitverlängerung u. Sozialleistungsverminderung hinnehmen. Durch Einsparung bei den Personalkosten und Preissteigerung können Gewinne maximiert werden. Selbst bei sinkendem Umsatz können die Zahlen immer schöner dargestellt werden. bis zur nächsten Krise, die durch Unterkonsum zustande kommt. banker, korrupte Politiker und Wirtschaftsbosse haben alle nichts dazugelernt. brauchen sie auch nicht, weil ihre Schmerzen bei einer Krise minimal sind. Die bevölkerung muss es ausbaden. Alles beim Alten!

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