20 Jahre European Economic Association
Riesenbaby der Ökonomie

Die European Economic Association hat in zwanzig Jahren viel bewegt - und einiges verbummelt. Viele europäische Ökonmen schauen bis heute nicht über ihren nationalen Tellerrand hinaus. In Deutschland ist dieses Phänomen besonders verbreitet.

"Ich habe nicht gedacht, dass die Idee, eine europäische Ökonomen-Vereinigung zu gründen, funktionieren würde“, erinnert sich Helmut Wagner, Makroökonom an der Fernuniversität Hagen. Zu etabliert schienen ihm Mitte der achtziger Jahre die traditionsreichen nationalen Ökonomen-Verbände wie der Verein für Socialpolitik. Die geplante European Economic Association (EEA), so dachte er damals, würde nicht die kritische Masse an Wissenschaftlern gewinnen können.

Weit gefehlt. Zur Jahrestagung des Verbands, die am heutigen Montag endet und bei der die Mitglieder das 20-jährige Bestehen der EEA feierten, waren so viele Ökonomen nach Wien gekommen, dass einige Vorlesungen in der Votivkirche stattfinden mussten. Die Universität selbst hatte keinen Raum, der groß genug gewesen wäre für die mehr als 1400 Besucher. „Hier ist der Ort, an dem man sich trifft“, beschreibt der Bonner Ökonom Martin Hellwig die Bedeutung der EEA-Tagung für die europäische Wirtschaftswissenschaft. Jüngere Wissenschaftler können es ohnehin kaum glauben, dass die Organisation erst 20 Jahre alt ist.

Von Selbstzufriedenheit allerdings ist beim EEA-Geburtstag in Wien nichts zu spüren. Zu bewusst ist Teilnehmern und Veranstaltern, dass die europäische Wirtschaftsforschung den Anschluss an die Weltspitze noch finden muss. „Es ist der EEA in den vergangenen zwanzig Jahren zwar gelungen, eine europäische Wissenschaftscommunity aufzubauen, aber der Abstand zu den USA hat sich seitdem nicht verringert“, bedauert Richard Portes, Chef des Londoner Centre for Economic Policy Research (CEPR).

Auch Jacques Drèze, der heute 77-jährige Gründungsvater der EEA, zieht eine wenig euphorische Bilanz: „Wir haben viele wichtige Ziele noch nicht erreicht“, sagte der belgische Ökonom. Auf internationaler Ebene seien Ökonomen aus Europa zu wenig sichtbar. In Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien würden immer noch mehr als zwei Drittel aller Forschungsergebnisse in nationalen Zeitschriften veröffentlicht – und damit unter Ausschluss der internationalen Forscher-Gemeinde. „Viele Ökonomen in Europa haben noch immer nicht akzeptiert, dass Englisch die Lingua franca unserer Disziplin ist“, so Drèze.

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