Adamantios Diamantopoulos
Ein Grieche in Wien

Adamantios Diamantopoulos gehört im deutschsprachigen Raum zu den führenden Wissenschaftlern für internationales Marketing. Der 50-jährige Professor der Universität Wien forscht im Spannungsfeld zwischen Nationalismus und Globalisierung, ohne die lokalen Märkte zu vernachlässigen.
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WIEN. Zufälle gibt es und offenbar auch Vorsehung. Als Adamantios Diamantopoulos zum ersten Mal nach Wien kommt, ist er gerade einmal zehn Jahre alt und läuft an der Hand seiner Stiefmutter – einer gebürtigen Österreicherin – durch die Stadt.

36 Jahre später ist Diamantopoulos wieder auf dem Wiener Flughafen Schwechat angekommen. Dieses Mal mit großem Gepäck. Zwischen beiden Ereignissen liegen einige Jahre auf dem Gymnasium in Athen und Jahrzehnte an britischen Hochschulen.

Der heute 50-jährige gebürtige Athener leitet seit 2004 den Lehrstuhl für Internationales Marketing an der Universität Wien. Ziemlich erfolgreich, im Handelsblatt-Ranking der besten BWL-Hochschullehrer im deutschsprachigen Raum liegt er auf Platz vier seit Karrierebeginn und auf Platz drei der Forschungsleistung der vergangenen fünf Jahre.

Diamantopoulos verlässt früh seine Heimat. Griechenland ist klein und hat gerade einmal zehn Millionen Einwohner, die griechische Sprache wird nur dort gesprochen. Als Sohn eines Textilhändlers interessiert sich Diamantopoulos schon zu Schulzeiten für Wirtschaft, doch Betriebswirtschaft gibt es damals als Studienfach in Griechenland nicht. Also packt er seine Koffer, reist nach Großbritannien.

Diamantopoulos entdeckt die britische Insel und bald auch die Wissenschaft für sich. Nach dem Studium in Schottland folgen bald die ersten Professorenstellen mit Schwerpunkt Marketing. Erst in Wales, dann in Nordost-England. Der Grieche fühlt sich wohl auf der Insel, nimmt zusätzlich die britische Staatsbürgerschaft an.

Auch bei seinen Forschungen wird er ein Grenzgänger – im Spannungsfeld zwischen Nationalismus und Globalisierung. Er fragt sich, wie nationale, ethnische und religiöse Vorlieben die Kaufentscheidung und Markentreue von Konsumenten beeinflussen. Als prominentes Beispiel fällt ihm der Erfolg von Mecca-Cola in islamischen Ländern ein. Damit hätten die beiden weltweit führenden Markenhersteller Coca-Cola und Pepsico überhaupt nicht gerechnet. Für den Wiener Hochschullehrer steht fest, dass solch nationale Vorlieben in der Marketing-Forschung Einzug halten müssen. Andererseits dürften sich die Forscher aber auch nicht nur auf Käufergruppen in einzelnen Ländern konzentrieren, weil sich gleiche Käuferschichten über Ländergrenzen hinweg gebildet hätten.

Nach 20 Jahren will Diamantopoulos etwas Neues wagen. Seiner Forschung bleibt er treu, doch ein Ortswechsel reizt ihn. Der Kontakt mit den Wiener Kollegen ist gut, sein Deutsch ist zwar nicht perfekt, aber auch nicht das allerschlechteste, als das Angebot von der Uni Wien kommt. Die Uni steht für Grundlagenforschung, quantitatives wissenschaftliches Arbeiten, und den Lehrstuhl soll Diamantopoulos selbst erst aufbauen – das reizt ihn, das „war Greenfield-Arbeit damals“.

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