Anwendungsbeispiele des „Mechanism Designs“

Wie Ökonomie-Nobelpreisträger Leben retten

Bis gestern, 13 Uhr, kannte außerhalb von Ökonomenzirkeln so gut wie niemand die Namen Leonid Hurwicz, Eric Maskin und Roger Myerson. Die drei haben den Ökonomie-Nobelpreis 2007 erhalten. Ihre Forschung ist zwar abstrakt, aber sehr relevant. Zum Beispiel für die Frage, wie man Organspenden am besten verteilt.
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Auch für Nierentransplantationen ist das "Mechanism Design" wichtig - um genug Spenderorgane zu bekommen. Foto: dpa

Auch für Nierentransplantationen ist das "Mechanism Design" wichtig - um genug Spenderorgane zu bekommen. Foto: dpa

ost/noh/doh DÜSSELDORF. So abstrakt und theoretisch die Arbeiten zum „Mechanismus-Design“ der drei neuen Ökonomie-Nobelpreistrage auch sind – sie sind von enormer Relevanz für das wirkliche leben. „Sie haben für uns ein Gedankengerüst geschaffen, das es uns uns überhaupt erst ermöglicht, bestimmte Fragestellungen zu identifizieren und zu diskutieren“, betont der Kölner Ökonom Axel Ockenfels.

Denn inspiriert von den „Mechanismus-Designern“ versuchen immer mehr Ökonomen, das Spiel von Angebot und Nachfrage nicht nur zu analysieren, sondern es zu verändern. „Wir Ökonomen haben viele Jahre lang versucht, Märkte zu verstehen. Jetzt sollten wir sie auch reparieren können“, lautet das Credo des Harvard-Professors Al Roth, der seine Arbeit gern als „mikroökonomisches Engineering“ beschreibt.

So wie Ingenieure Autos oder Brücken entwerfen, entwickeln und verfeinern „Markt-Designer“ wie Roth und Ockenfels die Regeln, nach denen reale ökonomische Institutionen funktionieren – egal, ob es um Mobilfunk-Lizenzen, Start- und Landerechte auf Flughäfen oder Organspenden geht. So hat Roth zum Beispiel für die New Yorker Schulbehörde ein Verfahren für die Verteilung von Schülern entwickelt, durch das statt 30000 nur noch 3000 Schüler pro Jahr an eine High School kommen, auf die sie eigentlich nicht wollen.

„Märkte sind ein wunderbares Werkzeug, um Wohlfahrt zu schaffen", wissen moderne Markt-Designer wie Ockenfels. "Aber Märkte sind nicht per se gut. Die Details des Marktdesigns können wesentlich für ihr Funktionieren oder Scheitern sein." Ein Beispiel dafür sind Internet-Auktionen à la Ebay. In zahlreichen Experimenten haben Volkswirte herausgefunden: Wenn auf einem Markt anonyme Anbieter Waren verkaufen, die die Kunden nicht vorher prüfen kann, aber im Voraus bezahlen müssen, dann bricht der Markt sehr schnell zusammen. Das Risiko, vom Verkäufer übers Ohr gehauen zu werden, ist einfach zu groß. Marktdesigner, die Ebay und Co. beraten haben, wiesen den Ausweg: Mit einem Bewertungssystem, in dem ehrliche Käufer und Verkäufer Reputation aufbauen, lässt sich das Marktversagen überwinden.

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