Arbeitslosigkeit und Inflation
Eine Kurve, viele Rätsel

Wie hängen Inflation und Arbeitslosigkeit zusammen? Ökonomen entdecken die lange tot geglaubte Phillips-Kurve neu. Lesen Sie, warum gerade moderne Notenbanker ihr besonders viel Aufmerksamkeit schenken.

Gäste sind die 6 625 Einwohner von Chatham gewohnt. Gestresste New Yorker, Segler und wohlsituierte Familien lieben den Ort an der Westküste der Halbinsel Cape Cod im Norden New Yorks. Doch als Chatham im Juni für einige Tage das Herz der internationalen Geldpolitik wurde, haben sich einige Bewohner verwundert die Augen gerieben.

Notenbanker und Ökonomen haben in der Urlaubsidylle Geburtstag gefeiert – den der so genannten Phillips-Kurve. Die ist jetzt 50 Jahre alt und dreht sich im Kern um die Frage, wie Inflation, Produktion und Beschäftigung zusammenhängen und welchen Einfluss die Geldpolitiker auf diese Größen haben.

Ihre ursprüngliche Version geht auf die Entdeckung des Neuseeländers Alban William Phillips im Jahr 1958 zurück. Phillips fiel auf, dass es einen Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit gibt – je höher die Geldentwertung, desto niedriger die Arbeitslosigkeit. Bis in die siebziger Jahre waren Makro-Ökonomen daher der Überzeugung: Geld- und Fiskalpolitiker können – wie auf einer Menükarte – die gewünschte Kombination aussuchen.

Diese traditionelle Phillips-Kurve haben Makro-Ökonomen zwar schon lange zu Grabe getragen. In den vergangenen Jahren allerdings hat sie – unter veränderten Vorzeichen – eine ungeahnte Renaissance erlebt, angetrieben vor allem durch neo-keynesianisch geprägte Makro-Ökonomen.

Während die traditionelle Phillips-Kurve von der klassischen Weltsicht mit vollständiger Information und flexiblen Preisen ausging, entwickeln die Neo-Keynesianer ihre Phillips-Kurve unter der folgenden Annahme: Geldpolitiker, Unternehmer und Konsumenten sind eben nicht perfekt informiert, und auch die Preise sind nicht völlig flexibel, sondern werden zum Beispiel nur einmal im Jahr aktualisiert. Diese neo-keynesianische Phillips-Kurve bildet die Realität besser ab und gehört heute zu den Standardwerkzeugen der Notenbanker.

Angesichts des auf ein Rekordniveau gestiegenen Ölpreises und der weltweit hohen Inflationsraten blicken die Geldpolitiker gespannt auf die Phillips-Kurve, bildet sie doch gerade die Auswirkungen der Preissteigerung auf Konjunktur und Beschäftigung ab, nach denen jetzt alle fragen.

Seite 1:

Eine Kurve, viele Rätsel

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%