Arbeitsmarkt
Harte Zeiten für Berufseinsteiger

Eine neue Studie hat den Karriereweg von mehr als 2.000 Vorstandschef ausgewertet. Das Fazit: Hochschulabsolventen, die in einer Rezession auf den Arbeitsmarkt kommen, verdienen noch Jahrzehnte später weniger Geld.
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LondonAus der gesamten Republik reisen sie in diesen Tagen nach Köln: Tausende Studenten und Hochschulabsolventen auf der Suche nach ihrem ersten Job. Noch bis zum morgigen Freitag präsentieren sich in der Kölner Messe rund 300 Unternehmen den Berufseinsteigern. Das Spektrum der potenziellen Arbeitgeber auf Deutschlands größtem Absolventenkongress reicht von der trendigen Modefirma Abercrombie&Fitch bis hin zum Panzerhersteller Rheinmetall. 25000 freie Stellen haben diese Firmen im Angebot.

Eine unbequeme Wahrheit allerdings wird in Köln niemand laut aussprechen: Momentan ist ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um in den Arbeitsmarkt einzusteigen – unabhängig davon, wie schnell man einen ersten Job findet.

Warum der Zufall regiert
Denn Beschäftigte, die ihr Berufsleben in einer Wirtschaftskrise beginnen, haben in der gesamten Karriere schlechtere Karten auf dem Arbeitsmarkt. Zu diesem Ergebnis kommen Arbeitsmarktforscher in einer ganzen Reihe von Studien.

Antoinette Schoar und Luo Zuo von der Sloan School of Management des MIT haben die Karrierewege von mehr als 2000 Vorstandschefs börsennotierter US-Unternehmen ausgewertet. In einer Datenbank haben sie detaillierte Informationen zur Ausbildung, Karrierebeginn, der Zahl der Jobwechsel und dem aktuellen Jahreseinkommen zusammengetragen.

Basisdaten Deutschland

Quelle: Information Research

Die Analyse dieser einzigartigen Datensammlung legt ein klares Muster offen: Führungskräfte, die in einer Rezession ihren ersten Job angenommen haben, stehen noch Jahrzehnte später schlechter da als Kollegen, die in wirtschaftlich normalen Zeiten ins Erwerbsleben eingestiegen sind: Die Opfer des Abschwungs verdienen weniger, leiten kleinere Unternehmen und haben in ihrer Berufskarriere weniger lukrative Jobangebote von außen bekommen.

Die Gehaltsunterschiede sind enorm: Firmenchefs, die ihren ersten Job in einer Wirtschaftskrise gefunden haben, streichen pro Jahr rund 17 Prozent weniger Geld ein, stellen die Forscher fest. Die niedrigere Bezahlung lasse sich nicht allein damit erklären, dass diese Manager kleinere Firmen führen, betonen Schoar und Zuo. Das Fazit der beiden Forscher ist daher eindeutig: „Die ökonomischen Bedingungen zu  Beginn der Karriere eines Managers haben einen dauerhaften Effekt auf seinen späteren Karriereweg.“

Dieses Phänomen gilt nicht nur für Führungskräfte, die es ganz an die Spitze eines Unternehmens schaffen – sämtliche Hochschulabsolventen sind davon betroffen. Dafür spricht eine Studie eines dreiköpfigen Forscherteams um Till von Wachter, Professor an der Columbia University in New York. Die Wissenschaftler nutzten Daten aus Kanada, mit denen sie die Erwerbsbiografien fast aller männlichen Hochschulabsolventen nachvollziehen konnten, die zwischen 1976 und 1995 ihr Examen machten.

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Hohe Einkommenseinbußen

Kommentare zu " Arbeitsmarkt: Harte Zeiten für Berufseinsteiger"

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  • Der Fachkräftemängel bezieht sich doch eher auf ein strukturelles Problem, bei dem der (angebliche) Mangel an Studienanfänger der "MINT-Fächer" langfristig zu Wettbewerbsnachteilen für deutsche Unternehmen führt.
    Bei dem im Artikel beschriebenen Problem geht es jedoch um konjunkturelle Schwankungen, dessen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, Karriereperspektiven und Gehaltsentwicklung von Akademikern (egal ob MINT-Fächer oder nicht). Somit lässt aus diesem Artikel kein Zusammenhang zum Fachkräftemangel ableiten...

  • nur eine weitere Fachkraft

    Gut dass nun eine Studie belegt was viele Hochqualifizierte schon am eigenen Leib Erfahren haben. Es hat auch nichts mit Arbeitsverweigerung zu tun wenn die Akzeptanz eines Einkommens unterhalb der Hygienegrenze als nicht akzeptabel eingestuft wird.
    .
    Wer diese Erkenntniss verweigert gehört definitif zu den unterqualifizierten, überbezahlten Ignoranten. Wovon es insbesondere in der Politik leider zu viele gibt.

  • Soviel zum Thema Fachkräftemangel!!!

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