Arero-Fonds
Ein Mann, ein Buch, ein Fonds

Forschen war BWL-Professor Martin Weber nicht genug. Er schrieb einen Bestseller und schuf ein neues Finanzprodukt. Sein Arero-Fonds orientiert sich nicht an den orakelhaften Empfehlungen der Anlageberater. Er setzt auf ein Anlageverhältnis, das den Ausgleich von Rendite und Risiko sucht. Bisher verkauft sich sein Fonds dennoch schleppend.
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MANNHEIM. Wie soll der Fonds heißen? Arero? Nie gehört. Der Anlageberater der Deutschen Bank ist ratlos. Erst mit der Wertpapier-Kennnummer findet er ihn in seinem Computer. "Den darf ich Ihnen gar nicht empfehlen", gesteht er dann. Zwar stamme der Fonds von der Deutsche-Bank-Tochter DWS, dennoch dürfe er ihn nur "auf ausdrücklichen Kundenwunsch" hin verkaufen. So seien die Vorschriften aus Frankfurt.

Wenn Martin Weber, Finanz-Professor an der Uni Mannheim, solche Geschichten hört, dann wird ihm mal wieder deutlich, wie viel Arbeit noch vor ihm liegt. Wie schwer es ist, gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis umzusetzen.

Der 57-Jährige startete im Herbst 2008 ein Experiment - gemeinsam mit der Fondsgesellschaft DWS. Weber entwickelte einen Mischfonds, bei dessen Gestaltung die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Grundlagenforschung zu Kapitalmärkten und dem Verhalten von Anlegern mit einbezogen wurden. Das Ziel sind ein optimales Verhältnis von Rendite und Risiko sowie niedrige Gebühren.

Seit mehr als 25 Jahren erforscht Weber alle Facetten des menschlichen Geldanlage-Verhaltens und im Besonderen die systematischen Fehler. Seitdem weiß er, dass sich das Anlageverhalten mit psychologischen Erkenntnissen oft besser erklären lässt als mit der traditionellen Annahme des Homo oeconomicus, der alle Entscheidungen rational fällt.

Sein Forschungsgebiet bewegt sich dabei an der Schnittstelle zwischen Wirtschaftswissenschaft und Psychologie - seine Disziplin heißt verhaltensorientierte Kapitalmarktforschung. Zu den gesicherten Erkenntnissen dieses Forschungszweiges gehört, dass viele Anleger unter Selbstüberschätzung leiden, ihre Risiken zu wenig streuen und die Gebühren nicht genug im Blick haben.

Mit seinem eigenen Fonds will Weber all diese typischen Fehler vermeiden. Anders als bei den meisten Konkurrenzprodukten gibt es bei Arero keinen Fondsmanager, der ständig versucht, das Depot zu optimieren. Denn aktives Portfolio-Management, so ein Ergebnis der Finanzmarkt-Forschung, kostet vor allem Gebühren und bringt wenig bis gar nichts. Arero wird daher nur einmal pro Jahr umstrukturiert und gemanagt.

Weber weiß: Aktienrenditen sind zufällig - niemand kann sie voraussagen. Sein Fonds soll daher gar nicht erst versuchen, den Markt zu schlagen. Wichtiger als das ständige Anpassen der Anlagen an orakelhafte Vorhersagen ist ihm die Gesamtstrategie - also welcher Anteil in welche Art von Anlagen investiert wird. Der Fonds orientiert sich deshalb genau an dem Verhältnis, das laut Webers Studien in den letzten 30 Jahren den optimalen Ausgleich von Rendite und Risiko brachte: Investiert wird zu 60 Prozent in Aktien ("A") , zu 25 Prozent in Renten ("Re") und zu 15 Prozent in Rohstoffe ("Ro").

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