Aufruf
Deutsche VWL braucht internationale Standards

„Wirtschaftstheorie“ und „Wirtschaftspolitik“ dürfen nicht getrennt bleiben. In einem Aufruf sprechen sich 188 Professoren und Forscher der Volkswirtschaftslehre für neue Standards und Strukturen ihres Faches aus. Warum die nicht wettbewerbsfähigen Strukturen in den deutschen Ökonomie-Fakultäten nicht zementiert werden dürfen.
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Mit Sorge verfolgen wir, 188 Professoren und Forscher der Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftswissenschaften, die Bestrebungen einiger unserer Kollegen, für eine Zementierung international nicht wettbewerbsfähiger Strukturen an deutschen VWL-Fakultäten zu argumentieren und den Blick der Öffentlichkeit auf den nützlichen Beitrag unserer Wissenschaft für die Lösung der drängenden Probleme zu verstellen. Dazu wird ein Zerrbild moderner ökonomischer Forschung gezeichnet.

In dem am 5. Mai dieses Jahres in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschienenen Aufruf „Rettet die Wirtschaftspolitik an den Universitäten!“ wird etwa der Vorwurf erhoben, dass „in der volkswirtschaftlichen Theorie die Tendenz“ vorherrsche, „aus jeweils gewählten Annahmen logische Schlussfolgerungen abzuleiten“, die „für die Analyse realweltlicher Wirtschaftspolitik wenig geeignet“ seien. Es wird weiter behauptet, dass „auch in anderen Ländern (. . .) immer mehr Ökonomen die Realitätsnähe ihrer Analysen dem Ziel formal-logischer Stringenz“ opferten und „sich aus der Wirklichkeit“ zurückzögen.

Daraus wird der Schluss gezogen, das Fach Volkswirtschaftslehre vernachlässige „zunehmend den Beitrag, den es zur Lösung praktischer wirtschaftspolitischer Probleme leisten könnte“. Deshalb, so der Aufruf, müssten „Professuren für Wirtschaftspolitik (. . .) unabdingbarer Bestandteil der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und Lehre bleiben“.

Mit diesem Aufruf wenden wir uns gegen das so gezeichnete Zerrbild der modernen Ökonomik als reiner Wirtschaftslogik. Mit diesem Aufruf wenden wir uns aber auch gegen die weitere und international nicht übliche Zementierung der nicht fruchtbaren Trennung an deutschen Fakultäten zwischen „Wirtschaftstheorie“ und „Wirtschaftspolitik“.

Stattdessen fordern wir den an internationalen Standards und Strukturen ausgerichteten Aus- und Umbau der volkswirtschaftlichen Fakultäten, um so deutschen Universitäten eine führende Stellung in der internationalen Forschung in voller Breite und mit hoher Qualität zu ermöglichen.

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