Axel Ockenfels berät Online-Auktionshaus
Der Ebay-Professor

Der mehrfach preisgekrönte Kölner Ökonom Axel Ockenfels berät das Internet-Aktionshaus Ebay. Das neue Bewertungssystem, das der Marktplatz im Frühsommer einführt und das die Gewichte zu Gunsten der Käufer verschiebt, hat er mit konzipiert.
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Normalerweise sprudelt es aus Axel Ockenfels nur so heraus, wenn man ihn auf seine Forschung anspricht. Bei einem Thema aber wird der mehrfach preisgekrönte Ökonomie-Professor aus Köln stets auffällig einsilbig – bei seiner Berater-Tätigkeit für Ebay. Seit Jahren forscht der 38-Jährige mit einem Team für das größte Online-Auktionshauses der Welt. Nur reden darf er darüber normalerweise nicht: Ockenfels musste umfangreiche Verschwiegenheitserklärungen unterschreiben, die üppige Strafzahlungen androhen.

Kein Wunder, berührt seine Forschung doch einen für Ebay geschäftskritischen Teil: das Bewertungssystem, bei dem sich Käufer und Verkäufer nach einer Auktion gegenseitig Noten geben. Ohne einen solchen Mechanismus, das hat Ockenfels mit Co-Autoren vor Jahren gezeigt, bricht der Handel auf anonymen elektronischen Marktplätzen schnell zusammen, weil keiner weiß, wem er vertrauen kann. Zum zweiten Mal trägt seine Forschung nun dazu bei, dass Ebay seine Regeln modifziert. Das Unternehmen hofft, damit wieder attraktiver zu werden für seine Kunden. Das ist bitter nötig, derzeit stagniert das Wachstum. Jüngst sank sogar die Zahl der Auktionen.

Ebay kündigte daher diese Woche ein neues Gebührenschema an – und ein modifiziertes Bewertungssystem. Ab Mai können Verkäufer keine negativen oder neutralen Bewertungen über Käufer mehr abgeben. Sie haben nur die Möglichkeit, ihre Kunden positiv oder gar nicht zu bewerten. Dies soll dafür sorgen, dass die Käufer die Anbieter ehrlicher bewerten.

Nachdem Ebay die Pläne offizell bekannt gegeben hat, darf auch Ockenfels sich dazu äußern: „Käufer und Verkäufer stellen mit ihren Bewertungen ein öffentliches Gut zur Verfügung“, erläutert der Professor. Einerseits würden alle Nutzer davon profitieren, weil sie die Vertrauenswürdigkeit der Geschäftspartner besser einschätzen können. Andererseits habe der einzelne Nutzer, der ein Urteil abgibt, oft keinen Vorteil.

Die Bereitschaft, beim Bewertungssystem mitzumachen, beruhe zum Teil auf Gegenseitigkeit. „Wer aber einen Verkäufer negativ bewertet, musste bislang mit Nachteilen rechnen“, so Ockenfels – ihn trifft oft eine ebenfalls negativ „Rache-Bewertung“. „Jetzt steigen für die Käufer die Anreize, die Wahrheit zu sagen“, so Ockenfels.

Ob das Kalkül aufgeht? „Käufer und Verkäufer müssen ein neues, kooperatives Gleichgewicht finden“, so beschreibt der Professor die Herausforderung. Gegen die Gebührenpläne gehen viele Verkäufer bereits auf die Barrikaden. Es wird zwar billiger, neue Artikel auf die E-Bay-Plattform zu stellen. Dafür steigen aber die Gebühren für abgeschlossene Geschäfte.

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