Bedrohte Landwirtschaft
Klimawandel bringt Süden Dürre und Missernten

Dank des Klimawandels können sich Nordstaaten auf gute Anbaubedingungen freuen. Verlierer sind die Entwicklungsländer: Ackerflächen und Trinkwasser werden knapp. US-Ökonomen fordern dazu auf, Verantwortung zu übernehmen.
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KölnWogende Weizenfelder an den Nordküsten Skandinaviens, Kakaoplantagen im mittleren Westen der USA - wenn sich die Vorhersagen zum Klimawandel bewahrheiten, könnte das in einigen Jahrzehnten Wirklichkeit sein. Die reichen Länder im Norden können sich auf bessere Anbaubedingungen dank des Klimawandels freuen - doch ausgerechnet auf die Ärmsten der Armen in den Entwicklungsländern kommen gleichzeitig noch mehr Dürre und schlechte Ernten zu.

Kein anderer Sektor der Wirtschaft wird weltweit so sehr vom Klimawandel umgekrempelt werden wie die Landwirtschaft, denn kein anderer ist so abhängig vom Wetter. Die Auswirkungen auf Märkte und Menschen werden dramatisch sein - zu diesem Schluss kommen Agrarökonomen in einer Reihe von Studien.

Der Klimawandel könnte dadurch zur großen sozialen Frage dieses Jahrhunderts werden - schließlich leben nach Schätzungen der Weltbank weltweit derzeit 2,5 Milliarden Menschen von der Landwirtschaft. „Diejenigen, die für ihr Überleben auf die Landwirtschaft angewiesen sind, sind am verletzlichsten durch die Folgen des Klimawandels“, betont Thomas W. Hertel, Agrarökonom an der amerikanischen Purdue University. „Gleichzeitig gehören sie zu den Allerärmsten der Welt.“

Ein spanisches Forscherteam um die Madrider Agrarökonomin Ana Iglesias hat in einer neuen Studie die Auswirkungen verschiedener Klimaszenarien auf die Landwirtschaft durchgerechnet. Selbst, wenn die internationale Klimapolitik das Ziel erreicht, den Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, sind die Folgen erheblich: Im südlichen Afrika sinkt die durchschnittliche Produktivität des Ackerlands bis 2080 um 14 Prozent, in Südostasien gar um 18 Prozent. Steigen dagegen die Temperaturen um vier Grad, klettern die Verluste auf 27 beziehungsweise 32 Prozent.

Der reiche Norden hingegen profitiert: In den USA steigt die Produktivität der Felder um sechs, in Nordeuropa gar um zwölf Prozent. Denn hier werden die Böden für immer kürzere Perioden zufrieren und können so länger für den Anbau genutzt werden.

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