Bildungsdebatte

„Den Fokus stärker auf die Lehrer richten“

Seit dem Pisa-Debakel geht es mit Deutschlands Bildungssystem langsam aufwärts. Doch noch immer gibt es große Leistungsunterschiede zwischen Schülern. Auf dem Munich Economic Summit forderten Experten ein Umdenken.
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Schon im Alter von zehn Jahren wird über die Karriere eines Schülers entschieden. Quelle: dpa

Schon im Alter von zehn Jahren wird über die Karriere eines Schülers entschieden.

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MünchenDer Widerspruch, meinte Kurt Biedenkopf, könne größer nicht sein: „Heute können Lehrlinge zum Teil weder die Grundrechenarten noch ihren Lebenslauf fehlerfrei aufschreiben - und das in einem Zeitalter, in dem wir in einer Wissensgesellschaft leben.“ Allerdings, gab der ehemalige sächsische Ministerpräsident zu, lebten wir auch in einer Ära der Beschleunigung. Das Bildungssystem müsse den Menschen daher vor allem die Fähigkeit vermitteln, in diesem immer schnelleren Wandel bestehen zu können.

Die Bildung der Deutschen und ihre Bedeutung für die Volkswirtschaft war das Thema des elften Munich Economic Summit - und Biedenkopf einer der prominenten Gäste. Rund 160 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten auf Einladung des Münchener Forschernetzwerks CESifo und der BMW Stiftung Herbert Quandt zwei Tage lang in München über „Bildung und Ausbildung - die größte Hoffnung Europas“.

Das Fazit: Seit den für Deutschland ernüchternden ersten Pisa-Ergebnissen vor mehr als zehn Jahren entwickelt sich die Bildungspolitik in der Tendenz in die richtige Richtung. Damals sei eine „echte Schockwelle durch die Gesellschaft gegangen“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Allerdings sind die Fortschritte klein und langsam. „Ein Teil der Schulabgänger ist heute weniger gut ausgebildet“, berichtete Margret Suckale, Vorstandsmitglied des Chemiekonzerns BASF. „Das bemerken wir an den Bewerbern für einen Ausbildungsplatz.“

Große Firmen wie BASF verlassen sich daher in Sachen Bildung nicht mehr nur auf den Staat. Bewerber, „die noch nicht die nötige Ausbildungsreife mitbringen“, so Suckale, macht das Unternehmen in Eigenregie fit für eine Ausbildung.

Was aber könnte die Politik verbessern? Die frühe Mehrgliedrigkeit des deutschen Bildungssystems sei eine Hypothek, sagte Ifo-Chef Sinn. Im Grunde werde schon im Alter von zehn Jahren über die Karriere eines Schülers entschieden. Dies führe dazu, dass die Ungleichheit zwischen den Leistungen von Grundschülern und denen von 15-Jährigen in keinem Land so groß sei wie in Deutschland.

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  • Faktisch zementiert das deutsche Bildungswesen viele in einer Kaste fest, gerade so als dürfe man niemals seinen Berufsweg wechseln. Dies liegt an diesem unsäglichen Schulsystem aus dem 18./19.Jahrhundert. Bereits 1985 hat die EU DE aufgefordert die Sekundarstufe 2 beruflich ins Bildungssystem zu integrieren und sich an die international üblichen Standards zu halten, passiert ist nichts. Immernoch macht man eine Ausbildung die zu wenig qualifiziert und mit der man nie das Berufsfeld wechseln kann = kein höherer und weiterführender Abschluss integriert. Gleichzeitig ist die Qualität dort oftmals unter aller Sau! Eine Sekundarstufe ohne echte Bildung oftmals. Und dann gelten nicht mal einheitliche Regeln! In DE ist alles Zufallsprinzip! Nichts ist einheitlich geregelt, selbst in 2 verschiedenen Städten im selben Bundesland gelten versch. Standards. Das ist unverantwortlich und verlängert von vielen unnötig die Bildungswege. Die frühe Aufteilung nach Klasse 4 war eine rein politische Entscheidung 1920, keine sachliche. Bereits 1809 wollte ein berühmter jemand das reformieren und musste deshalb seinen Dienst quittieren. DE bildet ständisch aus wie im 18./19.Jahrhundert und ist nie in der Moderne angekommen. Und um uns herum sind Bildungsgänge nach langer Schulbildung schon längst tertiär und qualitativ hochwertiger und professioneller! In DE ist zur selben Zeit alles auf Hauptschulniveau zementiert durch die KMK - ganz DE lernt auf Hauptschulniveau, Realschulen kann man somit abschaffen,sind unnötig! Man braucht faktisch nur 9 Jahre SChulbildung in DE. Anderswo haben 80% schon eine lange Schulbildung. Hinzu kommt, dass der 2. Bildungsweg oft blockiert wird, z.B. gibt es einen NC da zu wenig Schulplätze, zu wenig Abendgymnasien etc.

    DE ist ein Bananenstaat - klar ersichtlich. Alles Zufallsprinzip, Willkür, keine einheitlichen Standards und dann noch unterfinanziert und zu wenig Qualifizierend in vielen real Nichtbildungsgängen = sog. "Ausbildung"!

  • Das Bildungssystem in DE ist auf dem Niveau eines Bananenstaats. Für meine Brut käme das nicht mehr in Frage,egal ob Schule, Ausbildung, Studium - ich sende meine nach Dänemark. Die Qualität ist besser, das Bildungswesen dort nicht unterfinanziert, in jeder Ausbildung erhält man auch allgemeinbildende Fächer und Studienberechtigung, so dass Bildungswege verkürzt werden, falls sich mal jmd. falsch entscheidet in jungen Jahren. Und 9 Jahre hat man seine Ruhe vor jeglicher Selektion und kann sich aufs Wesentliche konzentrieren, Zensuren gibts erst ab Klasse 6. Außerdem steht praktisches und theoretisches Wissen gleichberechtigt nebeneinander, so dass jeder besser sehen kann, was ihm liegt.

    Deutsches Bildungswesen? Nie wieder! Reicht schon dass ich das ertragen musste!

    es ist nicht mehr zeitgemäß 16jährige in Vollzeitarbeit zu senden, da Berufe sich wandelm im Zeitverlauf! Deshalb bekommen die anderswo alle ein Abitur mit - lange Schulbildung als BASIS mit guter Allgemeinbildung und Erwachsenenreife! Die Ausbildungsqualität in DE aus "Schülersicht" ist total miserabel - aber bei denen gehts ja immer nur um "Qualität" aus Arbeitgebersicht - das merkt man diesen Nichtbildungsgängen auch an, da lernt man oft nicht genug fürs Leben und wird auf ewig in einer Kaste festzementiert. Kein Wunder, dass es so wenig Weiterbildung in DE gibt.

  • @margrit 11788

    Sie scheiben einmal von Finnland und dann wieder von Finland. Außerdem gibt es bei Ihnen Grundchulen und Hauptchulen.

    Bei so vielen Fehlern innerhalb eines relativ kurzen Textes, sind Sie entweder des Deutschen nicht mächtig oder Sie haben es über den Hauptschulabschluss nie hinaus gebracht.

    Besuchen Sie doch bitte erst noch einmal einen Deutsch-Kurs an der VHS.

    Vielen Dank

  • Teil II
    Der 2. positive Effekt der Volksschule war immer, dass die Kinder auch Sozialverhalten lernten. Etwas, was den heutigen Jugendlichen völlig fehlt. Die Großen machen Pausenaufsicht, helfen auch mal den Kleinen z. B. bei der Milchausgabe. Den Kleinen wird gesagt, sie mögen heute in der Pause mal leise spielen, da die Großen eine schwere Arbeit schreiben usw..
    All diese Dinge fehlen unsere Jugendlichen doch heute.
    Dann mußendlich auch mal wieder Geschichte ordentlich unterrichtet werden und sich nicht nur auf 12 Jahre beschränken. Deutsch und Literatur müssen Vorrang haben. Wenn Kidner eines Goethe-Gymn. nicht mal Goethe zitieren können, übrigens junge Lehrer auch nicht, dann stimmt was nicht. Das ist das was ich mit humanist. Grundbildug meine
    Wenn heutige Schüler nichts mehr vo der DDR wissen, dann ist was gänzlich faul bei uns
    Dummgeschwätz von selbst ernannten Experten und einem über 80jährigen Biedenkopf allerdings werden der Sache nicht gerecht
    Man könnte viel tun, wenn man wollte, aber mMn will man gar nicht

  • Diese ganzen Konferenzen sind doch ohnehin nur halbherzig. Uns ständig Finnland als Muster vorzuhalten, ist Schwachsinn.
    Finland hat exakt das Schulsystem der DDR. Übrigens, von der DDR übernommen, den die DDR und Finnland waren in de Anfängen der DDR eng befreundet. Außerdem sind in Finland in den Grundchulen nicht von 30 Kindern 25 Zuwanderer-Kinder und der Sprache nicht mächtig. Teilweise aus extrem bildungsfernen und auch deutschfeindlichen Herkunftsfamilien.
    Das Problem wird immer völlig unter den Tisch gekehrt
    Diese Herrschaften die da so "gescheit" daher plappern, sollten mal in eine Hauptchule und auch Realschule gehen. Da reden die paar deutschen Kinder die da noch sind auch schon Türk-Deutsch, nur um nicht aufzufallen
    Das Bikdungssystem wurde doch von unseren eigene Politiker zerstört.
    Deutschland hatte mal ein Bildugssystem worum uns die Welt beneidet hat. Lang ist es her
    In den Schulen bis hin in die Gymnasien fehlt jede humanistische Grundbildung.
    Wir brauchen keine fix und fertigen Chemilaboranten mit Abi. Das aber forderte die Wirtshaft.
    Rückkehr zur alten Volksschule, die man dann von der 1. bis 10 Klasse besucht. Entweder mit einem normalen Abschluß oder einem qualifizierteren, der also der mittl. Reife entspricht. D. h. ab Kl. 7 kann getrennt werden und damit hat man die Möglichkeit drei Jahre ein College zu besuchen und Abi zu machen. D. h., nicht jedes Gymnasium muß eie Oberstufe haben, spart also auch Geld
    Die Schüler mit normalen Abschluß müssen jedoch so gut sein, dass sie, wir früher auch, für jeden Handwerksberuf und andere Berufe wie Fachverkäuferin etc. für die kein höherer Abschluß nötig ist, fit sind
    Und wir müssen mal wieder begreifen, dass nicht jedes Kind zum Prof geboren ist ud Abi braucht. Der Abi-Wahn muß mal wieder beendet werden

  • netshadow
    Große Zustimmung in fast allen Punkten
    Wir haben schon mal das Problem, dass wir überbehütete Kleinkinder haben von den Emanzenmamis und wenn sie in die Schule kommen, haben die Kinder nur noch zu funktionieren. Egal wie. Notfalls mit Tabletten
    Mama muß für den Mallorca-Urlaub arbeiten, also kümmern ums Kind ist nicht, das sitzt dann vor der Glotze oder macht Ballerspiele am PC
    Die Kinder sind sich nur noch selbst überlassen und wir wundern uns, das sie völlig aus dem Ruder laufen.
    Werte werden auch in den meisten Elternhäusern nicht mehr vermittel. Die Worte Bitte und Danke sind für die meisten Kinder Fremdworte. Da fängt es doch an.
    Ganztagsschulen sind meist auch nur Verwahranstalten, richtig was gemacht wird mit den Kindern dort nicht.
    Und makaber ist zudem, wenn die Kidner um 16 Uhr nach Hause kommen, müssen sie noch Hausaufgaben machen. Zu was also dann Ganztagsschulen?
    Dann die fürchterliche Weiberwirtschaft in den Schulen, die gerade den Jungs extrem schadet.
    So lange der Job der Lehrerin der bestbezahlte Halbtagsjob ist,denn genau deswegen werden die Mädels nach dem Abi alle Lehrerinnen, übrigens in der Regel die mit dem schlechtesten Abi, wird sich daran wohl auch nichts ändern.

  • Genau dies wäre auch meine Frage
    Munich Economic Summit - was soll das?
    Leben wir in Deutschland oder sonstwo?
    Es wird dringend Zeit, dass hier mal eine Rückbesinnung au unser Land kommt.
    Das fehlt nämlich unsren Schülern auch

  • Ron888
    Allervolste Zustimmung
    Schule ist für die Mehrheit der Schüler doch nur noch eine lästige Unterbrechung ihres Spaßtages

  • Wenn man 3 Kinder durch dieses "Schulsystem" quasi schleusen mußte, kann man sich nur wundern was an verquastem Zeug geschrieben wird.
    Warum fehlen der Industrie heute Fachkräfte?
    Talentierten fehlt das Geld für eine entsprechende Ausbildung/Studium.
    Warum erhalte ich Bewerbungen, die aussehen als wären da Hühner drüber gelaufen? In meiner Schulzeit undenkbar.
    Die Bewerber darauf angesprochen, erhält man Ausreden. Wollte die mal sammeln, aber der Tenor ist Gleichgültigkeit. Die Schulabgänger sind entweder hochmotiviert oder garnicht motiviert. Das gesunde Mittelfeld ist auch hier irgendwie versandet. Ok, das ist ein subjektiver Eindruck.
    Man sollte erst einmal diese schwachsinnigen Schulaufteilungen abstellen. Welcher Schüler kennt schon seine Talente und Neigungen ab dem 5. Schuljahr, wenn er keine entsprechende Förderung vorher hatte? Dann wird aber quasi über sein ganzes Leben entschieden. Also muß es wesentlich früher anfangen, oder man muß den Durchstieg zur Hochschulreife vereinfachen.
    Man kann sich ja sonstwie über die anderen EU-Staaten auslassen, aber eines machen die meisten genau richtig. Kostenlose Vorschulen ab 3 Jahren, bei Wunsch in Ganztagsbetreuung, viele können lesen und schreiben wenn sie in die Grundschule eintreten. Bei den höheren Klassen mehr Anbindung an Firmen, je nach Talent und Neigung, um das Arbeitsleben kennen zu lernen.
    Kleinere Klassen, was ich da erlebt habe, will ich garnicht weiter aufführen. In unserem Bundesland gab ein ganze 20 Vorschulplätze! Wer sowas Förderung und Schulsystem nennt, der muß sich nicht wirklich wundern, wenn sich 7-jährige gerade mal die Schuhe zubinden lernen, und mit 12 anfangen ihre Mitschüler zu mobben, weil sie nichts Besseres gelernt haben.
    Mein Kind tut das nicht ..., der Staat nimmt den Eltern mit seinen sogenannten Jugendschutzgesetzen immer mehr Verantwortung ab, der Nachwuchs hat zu "funktionieren", wozu hat man sich diesen "angeschafft".
    Hätschel, Tätschel statt soziale Verantwortung.

  • Die Eltern trifft weniger die Schuld! Wer steckt denn hinter RTL mit "DSDS", hinter SAT1 und Pro7 ???

    RTL gehört der Bertelsmann AG und SAT1 / Pro7 gehört zur Springer AG. Die Bertelsmann-Stiftung ist wierderum die Beraterin unserer Regierung in Sachen Bildung.

    Muss noch mehr wissen?

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