Börsenengagement
Wer schlau ist, investiert

Aktionäre sind klug, behaupten finnische Forscher. Sie haben den Zusammenhang von IQ und Engagement am Kapitalmarkt untersucht und festgestellt: Besonders intelligente Anleger investieren auffällig häufig in Wertpapiere und meiden trotzdem das Risiko.
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DÜSSELDORF. "Menschen, die die Börse nicht kennen, wundern sich, was dort geschieht", lautet eine Börsenweisheit. Drei Forscher haben sich nun mit der Frage auseinandergesetzt, warum viele Menschen eigentlich die Börse nicht kennen.

Mark Grinblatt, Matti Keloharju und Juhani Linnainmaa konnten anhand ungewöhnlich detaillierter Daten aus Finnland zeigen, dass es vor allem Menschen mit begrenzter Intelligenz sind, die die Börse meiden. Denn die Forscher haben herausgefunden, dass zwischen dem Intelligenzquotienten eines Menschen und seinem Börsenengagement ein klarer Zusammenhang besteht.

Genauer: Je besser jemand in jungen Jahren bei einem IQ-Test abschneidet, desto eher investiert er später am Kapitalmarkt. Dafür werteten die Wissenschaftler rund 160 000 IQ-Tests von jungen Männern um die 20 aus den Jahren 1982 bis 2001 aus.

Die Daten stammen vom finnischen Militär, das jeden Rekruten bei der Einberufung einem aufwendigen Intelligenztest unterzieht und die Ergebnisse jetzt für Forschungszwecke freigegeben hat. Die Ökonomen kannten zudem Einkommens- und Vermögenssituation jedes Einzelnen - sie fügten die IQ-Test-Ergebnisse zusammen mit Daten der Steuerbehörden, der Wertpapieraufsicht und der Einwohnermeldeämter. So konnten die Forscher für jedes Individuum ein detailliertes Bild zeichnen.

Dabei deckten sie ein klares Muster auf: Der Einfluss der Intelligenz auf das Börsenengagement ist groß - und unabhängig von der Vermögenssituation und anderen Faktoren.

"Die Männer mit den schlechtesten IQ-Test-Ergebnissen investierten am wenigsten wahrscheinlich ihr Geld in Wertpapieren, diejenigen mit den zweitschlechtesten Testergebnissen etwas weniger als die drittschlechtesten und so weiter", schreiben die drei Forscher. "Wir waren selbst überrascht, wie deutlich und eindeutig diese Ergebnisse waren."

Doch die Intelligenz beeinflusst nicht nur grundsätzlich das Engagement an den Aktienmärkten, sondern auch die Art und Weise. Die Daten aus Finnland zeigen, dass intelligentere Zeitgenossen ihr Geld lieber in breit gestreute Fonds als in einzelne Aktien stecken. Auch dabei konnten die Forscher einen klaren Zusammenhang aufzeigen: Je besser eine Person beim IQ-Test abschnitt, desto eher streute sie ihr Risiko.

Die drei Ökonomen liefern mit ihrer enormen Datenbasis aber auch spannende Erkenntnisse für die Kollegen, die Kapitalmarktforschung betreiben. Bislang konnten diese nämlich nicht klären, warum manche vermögenden Privatinvestoren nicht an den Börsen investieren. Obwohl es für diese Gruppe rational wäre, einen Teil ihres Geldes an den Aktienmärkten anzulegen, und Transaktionskosten aufgrund des großen Vermögens bei ihnen keine Rolle spielen dürften.

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