Börsenpsychologie
Animalische Instinkte überwinden

Auch Aktionäre sind nur Menschen und Menschen handeln irrational, weiß Joachim Goldberg. Mit einer Kombination aus Ökonomie und Psychologie untersucht der Börsenpsychologe seit zehn Jahren das Verhalten der Anleger. Sogar Börsenprofis können von seinen Erkenntnissen lernen.
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FRANKFURT. Für einen guten Bordeaux-Wein wirft Joachim Goldberg seine Prinzipien über Bord: Täglich erklärt der Börsenpsychologe seinen Kunden, dass sie sich im Handel strikte Kursziele setzen sollen, um größere Verluste und irrationales Verhalten zu vermeiden. Doch wenn der Finanzexperte abends vor seinem Computer sitzt und beim Ersteigern eines guten Tropfens kurz vor Auktionsschluss noch überboten wird, vergisst er alles: "Manchmal habe ich den Wein mental schon entkorkt, dann biete ich viel mehr, als ich mir vorher als Höchstbetrag gesetzt habe", sagt Goldberg und fügt mit einem Grinsen hinzu: "So funktioniert eben der Mensch, privat wie auf dem Finanzmarkt."

Goldberg muss es wissen. Seit mehr als zehn Jahren treibt ihn die Frage um, warum der Mensch, genauer der Aktionär, scheinbar irrationale Entscheidungen trifft. Der 56-Jährige hat sich der Behavioral Finance verschrieben, einer Kombination aus Ökonomie und Psychologie, die die Psyche der Marktteilnehmer besser verstehen will. Im Jahr 2000 gründete Goldberg in Frankfurt das Unternehmen Cognitrend und versucht seitdem, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der jungen Forschungsrichtung für die Finanzmarktakteure nutzbar zu machen.

Allein im vergangenen Jahr hat der Cognitrend-Geschäftsführer 90 Vorträge vor Börsenprofis und vermögenden Privatanlegern gehalten, mehr als doppelt so viele wie in den Jahren zuvor. Die "Nachfrage ist derzeit enorm", sagt Goldberg. Offenbar suchen die Menschen besonders in Krisenzeiten nach Erklärungen und Lösungsmodellen für das Versagen des Finanzmarktes.

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