Bruno Frey: Eigenplagiate: Züricher Ökonom in Zwangsrente geschickt

Bruno Frey
Eigenplagiate: Züricher Ökonom in Zwangsrente geschickt

Weil er über viele Jahre lang bei sich selbst abgeschrieben hat, ist der bekannte Ökonom Bruno Frey in Verruf geraten. Nun trennt sich die Universität von dem Wissenschaftler – der wehrt sich mit Angriffen auf Kollegen.

LondonDie Universität Zürich schickt den 70-jährigen Ökonomie-Professor Bruno Frey gegen seinen Willen in den Ruhestand. Die Hochschule bestätigte gegenüber dem Handelsblatt, dass sie den im Sommer auslaufenden Vertrag mit Frey nicht verlängert. Zu den Gründen machte sie keine Angaben. Nach Informationen des Handelsblatts gab die seit Monaten laufende Kritik an Freys wissenschaftlicher Arbeitsweise den Ausschlag für diese Entscheidung.

Frey ist in Verruf geraten, weil er über viele Jahre lang bei sich selbst abgeschrieben hat. In zahlreichen Fällen veröffentlichte er Forschungsergebnisse parallel in mehreren Fachzeitschriften, ohne die anderen Arbeiten zu nennen – Wissenschaftler sprechen von Eigenplagiaten. Solch ein Vorgehen ist unter Akademikern verpönt und verstößt gegen grundlegende Ethikstandards. „Die Diskussionen um Bruno Frey haben dem Ruf der Fakultät sehr geschadet“, sagte ein Insider dem Handelsblatt.

Frey ist einer der international bekanntesten Volkswirte aus dem deutschsprachigen Raum. Im Handelsblatt-Ranking VWL liegt er beim Lebenswerk auf Platz eins. Die Züricher Uni hatte den Forscher nach seiner offiziellen Emeritierung im Jahr 2006 mit Zeitverträgen weiterbeschäftigt – eine in der Schweiz mögliche Ausnahme für Top-Forscher. Den aktuellen Vertrag lässt die Uni nun aber im Juli auslaufen.

Wirtschaftsblogger hatten die Debatte über Freys Arbeitsweise im vergangenen Jahr ins Rollen gebracht. Ihnen war aufgefallen, dass Frey einen Aufsatz zum Untergang der Titanic gleich in vier Fachzeitschriften veröffentlicht hatte, ohne auf die anderen Versionen der Studie hinzuweisen. Handelsblatt-Recherchen hatten eine Reihe ähnlicher Fälle ans Licht gebracht. Das von den Eigenplagiaten betroffene „Journal of Economic Perspectives“ tadelte Frey öffentlich – sein Vorgehen sei „ethisch zweifelhaft und respektlos“. Frey entschuldigte sich und sprach von einem „schweren Fehler“, der nie hätte passieren dürfen. Eine von der Uni Zürich eingesetzte Kommission verurteilte das Vorgehen ebenfalls und empfahl, ihn zu rügen.

Nach der Entscheidung der Uni Zürich, den Vertrag auslaufen zu lassen, hat Frey seine alte Hochschule öffentlich hart kritisiert. Im Schweizer „Tages-Anzeiger“ forderte er vor einigen Tagen die Schweizer Regierung indirekt auf, seinen Kollegen den Geldhahn abzudrehen.

„Die Nationalökonomen der Universität Zürich sind in den wirtschafts- und finanzpolitischen Debatten fast ohne Ausnahme absent“, schrieb Frey. „Für sie sind nur die Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften wichtig.“ Josef Falkinger, Dekan der Züricher VWL-Fakultät, weist diese Kritik entschieden zurück: „Der Vorwurf geht ins Leere.“ Zahlreiche Mitglieder der Fakultät seien „an Schnittstellen zu Praxis, Politik und Öffentlichkeit präsent und in die Diskussion wichtiger wirtschaftspolitischer Fragen involviert“. Zudem stünde Spitzenforschung und die Beschäftigung mit wirtschaftspolitisch relevanten Fragen nicht miteinander im Widerspruch.

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