BWL-Professoren
Streit über das Handelsblatt-Ranking

Kontrovers haben die deutschen Professoren für Betriebswirtschaftslehre auf ihrer Jahrestagung in Nürnberg über den Sinn und die Aussagekraft wissenschaftlicher Rankings diskutiert. Unter anderem, weil das Handelsblatt kurz vor der Tagung umfassende Ranglisten zur Forschungsleistung von BWL-Professoren und-Fakultäten veröffentlicht hatte.
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NÜRNBERG. "Universitäten und andere wissenschaftliche Forschungseinrichtungen sind Betriebe und müssen nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt werden", sagte der Konstanzer Ökonomie-Professor Heinrich Ursprung, der am Aufbau des Handelsblatt-BWL-Rankings maßgeblich beteiligt war. "Forschungsrankings liefern dafür wichtige Informationen." Davon waren aber längst nicht alle BWL-Professoren in Nürnberg überzeugt. So kritisierte Gerd Rainer Wagner, Betriebswirt an der Universität Düsseldorf, das Handelsblatt-Ranking. Wer sich im Fach auskenne, brauche keine Ranglisten, um zu beurteilen, wer zu den führenden Forschern gehöre. Das Ranking werde der deutschen BWL nicht gerecht - unter anderem, weil ausschließlich Publikationen aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften, nicht Monografien oder Lehrbücher zählen.

Das Handelsblatt-Ranking trage daher zu einer "Perpetuierung eines krass verengten wissenschaftlichen Status quo" bei. Auch etliche seiner Kollegen, sagte Wagner, teilten die Sorge, dass das Handelsblatt-Ranking zu einer Verödung der BWL-Forschung beitragen werde. Es setze zu viel Anreize, Mainstream-Forschung zu betreiben, und zu wenig Anreize für interdisziplinäre Arbeit. Ursprung wies diese Kritik zurück: "Die Qualität des Handelsblatt-Rankings ist einzigartig, die Profession wird davon mittelfristig deutlich profitieren", betonte Ursprung.

Nach Ansicht von Ulf Schrader, BWL-Professor an der TU Berlin, komme es darauf an, wie die Profession mit Ranglisten umgehe. Einerseits seien objektive und akzeptierte Maßstäbe für den Vergleich von Forschungsleistungen wichtig. Andererseits werde in Forschungsrankings aber nur eine von vielen Aufgaben von Hochschullehrern gemessen. Tendenziell brauche das Fach mehr, nicht weniger Rankings. Sonst bestehe die Gefahr, dass der eine, messbare Aspekt der Forschungsleistung überbetont werde und Aufgaben wie die Nachwuchsausbildung und der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis leide, weil dies in Rankings nicht belohnt werde. "Das ist aber eine Frage der Anwendung", betonte Schrader. "Keiner zwingt uns, in Berufungsverfahren nur noch auf Forschungsrankings zu schauen."

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