BWL & Finance
Management-Ratgeber: Nichts als Seifenblasen

Welche Strategien führen ein Unternehmen zu Erfolg? Antworten auf diese Frage liefern mittlerweile dutzende von Buisness-Ratgebern. Eines haben sie alle gemeinsam: Dem kritischen Urteil von Hochschul-Betriebswirten halten sie kaum stand. Warum die Weisheiten von Management-Gurus in aller Regel für Führungskräfte wertlos sind.
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DÜSSELDORF. Tom Peters zog sich die Maske selbst vom Gesicht. 1982 hatte der ehemalige McKinsey-Berater mit seinem Kollegen Robert Waterman den Management-Bestseller „Auf der Suche nach Spitzenleistungen“ geschrieben. Die Autoren gaben vor, auf der Basis der Analyse detaillierter Daten aus 43 Unternehmen Erfolgsrezepte für Manager herzuleiten. Wer erfolgreich sein will, so das Ergebnis, sollte seine Kunden pflegen, Mitarbeiter motivieren, Werte hochhalten und sich auf sein Kerngeschäft fokussieren

20 Jahre nach der Veröffentlichung des Buchs gestand Peters jedoch: Die Thesen standen lange fest, bevor die Autoren auch nur einen Blick in die Daten geworfen hatten. Das Buch jedoch traf in den 80er-Jahren einen Nerv, wurde immer wieder neu aufgelegt und hat viele Nachahmer gefunden: Dutzende Manager-Ratgeber präsentieren Erfolgsstrategien und bieten einfache Antworten auf die komplizierte Frage, wie man Unternehmen zum Erfolg führt.

Eines haben sie alle gemein: Dem kritischen Urteil von Hochschul-Betriebswirten halten sie kaum stand. In aller Regel ignorieren die Autoren wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse – und suggerieren klare Zusammenhänge, die sich seriös nicht eindeutig nachweisen lassen. „Gegenüber allzu einfachen Allheilmitteln einiger Managementbücher sollte man äußerst skeptisch sein“, warnt Martin Högl, Professor für Führung und Personalmanagement an der Wissenschaftlichen Hochschule in Vallendar.

Phil Rosenzweig, Professor an der Lausanner Business-School IMD, hat mehrere Management-Bestseller systematisch untersucht: Machen ihre vermeintlichen Patentrezepte wirklich ein Unternehmen erfolgreicher? Oder sind die Faktoren wie eine gute Firmenkultur und hochmotivierte Mitarbeiter nicht eher Begleit- oder Folgeerscheinungen von unternehmerischem Erfolg?

Seine Ergebnisse, die er im Buch „Der Halo-Effekt: Wie Manager sich täuschen lassen“ zusammengefasst hat, fallen vernichtend aus. Die Empfehlungen erfolgreicher Management-Bücher taugten weder als Entscheidungshilfe für Führungskräfte noch als Input für wissenschaftliche Forschungen. Die Autoren der Ratgeber stellten letztlich unbewiesene Behauptungen auf.

So hielt zum Beispiel bei den 43 Unternehmen, auf die sich Peters und Waterman in ihrem Buch stützen, der Erfolg nicht lange an. Wer Aktien dieser Firmen gekauft hätte, hätte damit keine überproportionale Rendite verdienen können. Manager und ihre Berater, so das Fazit von Rosenzweig, lassen sich oft von einer kurzfristig, zufällig guten Performance blenden, wenn sie Unternehmen beurteilen. Solche Zuschreibungen und Vereinfachungen kennen verhaltensorientierte Kapitalmarktforscher aus Anlegerbeobachtungen. Psychologische Erkenntnisse helfen ihnen dabei, das irrationale Anlegerverhalten zu verstehen.

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