Nachrichten
CES-Preis geht an Philippe Aghion

Das Münchener Center for Economic Studies (CES) kürt den Harvard-Professor Philippe Aghion zum "Distinguished CES Fellow 2007". Aghion ist einer der international renommiertesten Makroökonomen überhaupt. Er bekommt die Auszeichnung für "seine Beiträge zum Zusammenhang zwischen Wirtschaftspolitik und Wirtschaftswachstum sowie seine Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Corporate Governance und der Vertragstheorie", schreibt das CES in einer Pressemitteilung.
  • 0

Innerhalb von nur vier Wochen wird Aghion jetzt zum zweiten Mal an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) auftreten. Mitte Oktobter hatte er auf der in diesem Jahr in München stattfindenden Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik einen Vortrag zum Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und höhrer Bildung gehalten.



Fast genau einen Monat später, am 13. November 2007, wird er jetzt in der Großen Aula LMU erneut präsent sein. "In seinen dreiteiligen "Munich Lectures" mit dem Titel "Governance and Growth" wird Aghion über die Gestaltung von Wachstumspolitiken in Europa referieren und dabei auch die Auswirkung verschiedener struktureller und makroökonomischer Politiken auf das Wirtschaftswachstum untersuchen", teilte das CESifo-Institut am Dienstag mit. Das Center for Economic Studies (CES) ist ein eigenständiges Institut an der Volkswirtschaftlichen Fakultät der Universität München und will den internationalen wissenschaftlichen Austausch fördern.

Philippe Aghion wurde 1956 in Paris geboren. Nach dem VWL-Diplom an der Université de Paris I promovierte er 1987 in Harvard. Anschließend war er unter anderem am MIT in Boston und am University College in London tätig, bevor er 2000 eine Professorenstelle in Harvard annahm. Aghion hat acht Bücher und über 60 Artikel in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht. Seit 1992 gibt er die Zeitschrift "The Economics of Transition" heraus. 2001 zeichnete ihn die European Economic Association mit dem Yrjö Jahnsson Preis, im vergangenen Jahr kürte ihn das Kieler Institut für Weltwirtschaft zum "Leading Thinker in Global Economic Affairs". "Er ist einer der produktivsten und einflussreichsten Ökonomen seiner Generation", schreibt das IfW auf seiner Webseite.

Aghion beschäftigt sich in seiner Forschung vor allem mit dem Zusammenhang zwischen Wirtschaftspolitik und Wirtschaftswachstum. Aghion betrachtet Innovationen als treibende Kraft des Wirtschaftswachstums. Eine wichtige Rolle in seiner Forschung spielt das Konzept der „technological frontier“. Diese „Technologiegrenze“ markiert den globalen Standard und wird bestimmt durch die besten und modernsten Fertigungsprozesse. Eine der wichtigsten Erkenntnisse Aghions ist, dass die "Entfernung" eines Landes von dieser "technological frontier" eine erhebliche Rolle dafür spielt, wie unterschiedliche Politikmaßnahmen wirken - quer über alle möglichen Politikfelder hinweg.

Ein Beispiel ist die Bildungspolitik eines Landes, machte Aghion im Oktober in seinem Vortrag auf der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik deutlich. Denn für Volkswirtschaften gibt es zwei verschiedene Wege zu höherem Wohlstand. Zum einen kann sich ein Land durch Imitation existierender Produkte und Produktionsprozesse näher an die bestehende Technologiegrenze heranrobben. Zum anderen kann es versuchen, durch Forschung und Entwicklung die technologische Frontlinie zu verschieben.

Letzteres lohnt sich nur für Länder, die nah an der Technologiegrenze sind – und dort leisten Investitionen in hochkarätige Grundlagenforschung nennenswerte Beiträge zum Wirtschaftswachstum. In Ländern, die weit von der „technological frontier“ entfernt sind und die vor allem durch Imitation wachsen, ist gute Allgemein- und Schulbildung viel wichtiger als anspruchsvolle Hochschulforschung. Je stärker ein Land zu den technologisch führenden der Welt gehört, desto wichtiger sind seine Unis als Wachstumsmotor.

Dass dies alles nicht nur plausibel klingt, sondern Realität ist, hat Aghion in verschiedenen Studien untersucht. So gelingt mit Blick auf die westlichen Industrieländer der empirische Nachweis, dass Länder, die näher an der „technological frontier“ sind und viel in ihre Unis investieren, ein dauerhaft höheres Wirtschaftswachstum haben. Mit einigem methodischen Aufwand und kreativen Untersuchungsdesign konnte Aghion sogar belegen, dass es sich nicht nur um eine bloße Korrelation, sondern wirklich um eine kausale Verbindung handelt.

In einem zweiten Schritt weist der Harvard-Wissenschaftler nach: Die Qualität von Hochschulen hängt längst nicht nur davon ab, wie viel Geld sie zur Verfügung haben. Auch die Frage, wie die Universitäten intern organisiert sind, haben enormen Einfluss auf ihre wissenschaftliche Performance. Internationale Vergleichsstudien von Aghion zeigen deutlich: Je mehr Autonomie Universitäten bei der Auswahl ihres Forschungspersonals, ihrer Studenten und der Verteilung ihres Budgets haben, desto besser sind sie.

„Wenn Europa seine Hochschulen reformieren will, gibt es durchaus Alternativen zum amerikanischen Modell mit seinen Privat-Unis und seinen hohen Studiengebühren“, betont Aghion. „Die Qualität staatlicher Universitäten ließe sich signifikant erhöhen, wenn man ihnen mehr Autonomie gäbe.“

Mit dem Versuch, Wachstum und Institutionen zu verbinden, hat Aghion auch Beiträge zur Corporate Governance und Vertragstheorie geleistet. Bei der Frage, wie man auf effiziente Art und Weise Innovationen fördern kann, ohne dass dabei jede neue Generation von Unternehmen die alte aus dem Markt verdrängt, vertritt Aghion die Auffassung, dass man "sowohl Patentschutz als auch eine Antitrust-Gesetzgebung braucht. Beide sind wichtig. Es ist nicht einfach, einen Mittelweg zu finden".

Kommentare zu " Nachrichten: CES-Preis geht an Philippe Aghion"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%