Das große Risiko-Versteckspiel
Wie Banken ihre Risiken klein rechnen

Geldhäuser brauchen Eigenkapital als Notfall-Reserve. Wie viel genau es sein muss, das können die Banken durch ihre Risikobewertung selbst beeinflussen. Wie eine neue Studie zeigt, kann das fatale Konsequenzen haben.
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LondonStellen Sie sich vor, die Regierung würde die Straßenverkehrsordnung grundlegend reformieren. Die pauschalen, für alle Autofahrer gleichen Tempolimits würden abgeschafft und durch individuelle Vorschriften ersetzt: Vielfahrer im Neuwagen dürften schneller unterwegs sein als Sonntagsfahrer in Klapperkisten. Für die Beurteilung der persönlichen Unfallrisiken würde sich das Straßenverkehrsamt weitgehend auf die Selbsteinschätzung der Fahrer verlassen.

Mit Blick auf den Straßenverkehr erscheint das aberwitzig – die Bankenregulierung aber arbeitet so ähnlich. Wie viel Eigenkapital ein Institut für einen Kredit oder ein Wertpapier als Sicherheitspolster zur Seite legen muss, steht und fällt mit der Ausfallwahrscheinlichkeit dieser Bilanzposition. Wie die einzelnen Risiken bei der Berechnung gewichtet werden, dürfen Großbanken mit eigenen Modellen bestimmen – zwar nicht völlig willkürlich, aber doch mit großen Spielräumen.

Ein Forscherteam des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der amerikanischen Cornell University zieht die Güte der Risikogewichtung in einer neuen Studie jetzt nachhaltig in Zweifel. Selbst die Investoren an den Finanzmärkten trauen den Modellen der Banken demnach nicht wirklich über den Weg.

„Wie die Finanzmärkte die Risiken einer Bank beurteilen, lässt sich anhand der risikogewichteten Assets im Allgemeinen nicht vorhersagen“, lautet das Fazit der Ökonomen Sonali Das (Cornell) und Amadou Sy (Internationaler Währungsfonds).

Die Studie stützt die Zweifel an der Risikobewertung der Geldinstitute, die im Zuge der Finanzkrise aufgekommen sind. „Die internen Modelle zu Ermittlung von Risikogewichten haben sich als zu optimistisch, wenn nicht als schlicht falsch erwiesen“, sagt Thorsten Beck von der University of Tilburg.

Martin Hellwig, Direktor des Bonner Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, macht ebenfalls Front gegen die bisher übliche Risikogewichtung: Die Modelle der Banken stünden auf einer unzureichenden empirischen Basis, warnt er. „Wir sollten wegkommen von dem Prinzip, dass die Eigenkapitalpuffer einer Bank fein auf ihre Risiken abgestimmt werden.“

Kommentare zu " Das große Risiko-Versteckspiel: Wie Banken ihre Risiken klein rechnen"

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  • Ich seh da eigentlich gar kein unlösbares Problem.
    Die besten Risikoexperten und die besten Volkswirte sitzen doch in den Banken, und die haben doch auch den besten Überblick über ihr eigenes Portfolio. Besser jedenfalls als die Aufsichtsbehörden. Wenn jemand die Risiken in den Griff kriegen kann, dann die.

    Die Gesellschaft muß eigentlich nur dafür sorgen, daß der größte Schaden die Akteure selber trifft, falls es Probleme gibt. Also auf keinen Fall retten!
    Die Aktionäre trifft es als allererstes, sie verlieren ihr Geld bishin zum Totalverlust bei einer Pleite. Das trifft die Mitarbeiter, die das verzapft haben, - besonders die Führungspositionen, die müssen im Zweifelsfall bekannt sein wie ein bunter Hund und nie wieder einen Posten bekommen ( wie H-J Funke von der HRE). Und es trifft die sonstigen Gläubiger, die nicht aufgepaßt haben, wem sie ihr Geld leihen, und zahlen müssen, wenn die Aktionäre alles verloren haben.

    Wenn das so eingerichtet ist, werden die Aktionäre und deren Vertreter, die Aufsichtsräte, ihre Kontrollfunktion ausüben, so gut sie können. Die Vorstände und Mitarbeiter werden sich alle Mühe geben, Risiken gut zu bewerten und auch richtig darzustellen. Und das restliche Bankenumfeld wird auch einen Blick drauf werfen und das in ihre eigenen Risikoüberlegungen miteinarbeiten.

    Die Gesellschaft sollte den Banken Vertrauen entgegenbringen, aber Fehler auch nicht durchgehen lassen, und darf sich dabei keinesfalls durch Aussicht auf Schaden erpressen lassen.
    Sie muß ja zum Beispiel auch den Landwirten Vertrauen entgegenbringen, daß die ihren Job richtig machen. Wenn die Fehler machen, haben wir nichts mehr zu futtern. Aber die werden natürlich alles dran setzen, keine Fehler zu machen, weil sie sonst den größten Schaden selber hätten.
    Keine Aufsichtsbehörde schreibt ihnen vor, wann sie zu säen haben, oder so etwas.

  • es gibt eigentlich nur eine Lösung: Trennung des Kreditgeschäftes vom Investmentbankensystem. Das hatten die Amerikaner schon einmal und sind damit bestens gefahren - erst als es aufgehoben wurde, auch unter Druck von GS, begannen die Probleme. Aber ob Rösler weiß, was ein Glass Steagall Act war - ich habe da größte Zweifel.

  • Ich warte schon sehr lange auf den Artikel "Wie Politiker die Risiken klein reden"

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