Datenschutz
Das geht Sie gar nichts an!

Gerade hat der Zensus 2011 begonnen, doch die Deutschen misstrauen der Volkszählung. Darunter zu leiden haben die heimischen Spitzenforscher.
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Wissen Sie wie viele Menschen in Deutschland leben? Ungefähr 80 Millionen, stimmt. Viel genauer wissen es die Behörden auch nicht: Die offizielle Zahl von 81,8 Millionen sei um 1,3 Millionen zu hoch, teilte das Statistische Bundesamt kürzlich mit – aber auch das sei nur eine Schätzung. Auch andere wichtige Zahlen sind unbekannt: Etwa die der Wohnungen oder der Kindergartenplätze.
Für Wissenschaftler ist das ein Alptraum. Wer repräsentative Daten erheben möchte, braucht eine Stichprobe von Befragten, die der Gesamtbevölkerung in allen Bereichen ähnelt. Mit vagen Informationen ist das nicht möglich. Und wie soll man das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ohne die genaue Zahl der Köpfe ausrechnen? Auch die Politik braucht dringend bessere Einwohnerzahlen: Schließlich hängen davon die Ausgleichszahlungen der Bundesländer ab.
Seit den letzten, in Westdeutschland von scharfem Protest begleiteten Volkszählungen in den 80er-Jahren wird die amtliche Statistik nur noch mit Hilfe der Daten der Kommunen über Umzüge, Geburten und Todesfälle fortgeschrieben. Doch die Rathäuser haben große Anreize zum Schummeln, schließlich bekommen sie für jeden Einwohner Zuschüsse vom Land.

Die Forscher fiebern daher der jetzt gestarteten Volkszählung 2011 entgegen, in der die Bürger unter anderem nach Beruf, Herkunft und Bildung gefragt werden. Doch auch der neue Zensus ist bei den Befragten unbeliebt: Im Internet kursieren Tipps, wie man die Erhebung per Eilverfahren verzögern kann, Datenschützer protestieren massenhaft.
Dass viele Kritiker sich um die Datensicherheit sorgen, halten die Forscher für überzogen: Für Kriminelle seien Kundendaten von Unternehmen interessanter als Zensusinformationen.
Für deutsche Forscher ist die Skepsis der Bürger ein handfester Wettbewerbsnachteil: In keinem anderen EU-Land stößt eine Volkszählung auf derartige Gegenwehr, viele Bürger möchten schlichtweg nicht, dass Staat und Statistiker viel über sie wissen. „Eine Ursache ist die Erfahrung mit der Überwachung in Nazi- und DDR-Deutschland“, sagt Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz in Schleswig-Holstein. Und auch die starke Bürgerrechtsbewegung der 80er-Jahre wirke nach. Viele hatten damals erfahren müssen, wie der Staat – gedeckt durch den sogenannten Radikalenerlass – potenziellen Staatsdienern hinterherschnüffelte und Berufsverbote verhängte.

Zum Download der im Text zitierten Studien, klicken Sie - hier.

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  • Tatsächlich muss ich mir die Beiträge einiger Mitmenschen nicht durchlesen um zu einer ähnlich negativen Einschätzung zu gelangen. Nicht umsonst schrieb ich von "fragwürdigen Verbalattacken".

    In einigen Punkten sollte man jedoch höllisch aufpassen. Einer davon ist, sich nicht auf ein ähnlich fragwürdiges Niveau zu begeben, und ein anderer wäre, zu unterstellen, dass platte Stammtischparolen von vornherein nicht bedenkenswert wären.

    Und gerade die von Ihnen (zurecht) in den Vordergrund gerückte Frage der selbstbestimmten Lebensführung sehe ich in UNSEREM Land zunehmend in Frage gestellt. Und es ist mein Land genau so sehr, wie es das Land derjengen ist die gerade dabei sind Selbstverantwortung und Selbstbestimmung immer weiter zu begrenzen.

    Im übrigen würde ich z.B. keinesfalls behaupten wollen, dass hier alles schlecht wäre. Doch verschlechert sich in den letzten Jahren mehr als es mit simplen handwerklichen Fehlern entschuldbar wäre.

    Ich wünsche noch einen schönen Abend.

  • @ Skyjumper

    Hallo,
    ich habe keineswegs etwas gegen Andersdenkende. ich Diskutiere auch gerne mit Freunden und Verwandten alle möglichen Themen. Dabei geht es auch ziemlich Kontrovers zu. Der Unterschied zu diesen Leuten und Personen, wie z.B. Zeitzeuge ist allerdings der, dass Zeitzeuge oftmals Hetz- und Hassparolen gegen den deutschen Staat ausruft. Alleine die Häufigkeit und die Wortwahl lässt mich schließen, dass es ihm hier nicht gefällt und jeder andere Ort besser sei.
    Natürlich ist jeder eingeladen in diesem Land zu leben, aber es gibt gewisse Verhaltensnormen, die ich von jedem erwarte. Hass und Untergangsbekundungen an den Staat gehören dazu. Etwas Anderes wäre es, wenn er schreiben würde "nieder mit der Regierung", die ja das ausführende Organ des Staates ist. Den Staat als Nation anzugreifen wäre unfair den Menschen gegenüber, die diesem Staat vieles zu verdanken haben. Ich rede dabei nicht von Geld und übertriebenen Wohlstand, sonder von der Freiheit selbst über das eigene Leben zu bestimmen, frei zu reden, zu wählen oder denen schlichtweg das Leben gerettet wurde, weil ihnen hier Asyl gewährt wurde.

    Es stimmt. hier läuft nicht alles richtig, was passiert und Menschen machen Fehler, aber es bei Weitem nicht alles schlecht.

    Ich hoffe ich konnte Ihnen etwas verdeutlichen, wie ich zu Meiner Haltung gegenüber Zeitzeuge gekommen bin und wie ich wirklich über Andersdenkende denke.

    ICh möchte Sie bitten sich in Zukunft mal ein paar Beiträge von Zeitzeuge durchzulesen. Ich bin mir sicher, dass Sie zu einer ähnlichen Auffassung, wie ich, komme.

    Mit freundlichen Grüßen
    huensche

  • @ Huensche
    Ich möchte Ihnen nun zwar nicht gleich vorschlagen auszuwandern, andererseits fehlt mir in Ihrem diesbezüglichen Vorschlag die Bereitschaft sich mit andersdenkenden Teilen der Bevölkerung auseinander zu setzen. Ich gratuliere, damit liegen Sie voll im Trend.

    Die Staatsorgane belügen und betrügen ihre Bürger. Oft aus gutem Grund, manchmal auch einfach nur weil sie sich irren. Der Bürger merkt es. Er merkt es immer, der eine früher, der andere später. Maßgeblich unterscheiden tun sich die Bürger lediglich in ihren Reaktionen darauf. Die einen verweigern sich eher passiv, andere mit fragwürdigen Verbalattacken und (in Deutschland) ein nicht unerheblicher Teil unserer Bürger stellt seine Informationen mit einer fragwürdigen Obrigkeitsgläubigkeit zur Verfügung.

    Am bedenklichsten ist dabei der Anteil mit der von Ihnen eindrucksvoll zur Schau gestellten Blockwartmentalität ala "Dann gehen sie doch wenn es ihnen nicht gefällt". Es drängt sich nämlich ein wenig der Gedanke auf, dass man Ihren Satz mit einem ".......bevor wir sie gehen werden" vervollständigen sollte.

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