Debatte des Monats: Finanzkrise
Finanzkrise: Landesbanken im Wanken

Die internationale Finanzkrise hat Deutschland fest im Griff. In der unübersichtlichen Gemengelage bleiben Fragen offen. Die Bremer Professorin Mechthild Schrooten fragt sich im "Wirtschaftsdienst": Warum engagierten sich Landesbanken und Förderinstitute in einem Geschäftsbereich, in dem komplexeste internationale Finanztransaktionen abgewickelt werden?

Der deutsche Bankensektor ist umfassend in den Sog der US-amerikanischen Immobilienkrise geraten. Das im internationalen Vergleich als eher renditeschwach, dafür aber als relativ stressresistent geltende Drei-Säulen-System ist starken Erschütterungen ausgesetzt. Bislang treffen die Ausläufer der internationalen Finanzkrise vor allem die Landesbanken, Förderinstitute und einzelne private Geschäftsbanken.

Im Unterschied zu den Sparkassen verfügen Landesbanken offenbar nicht über ein klares und tragfähiges Geschäftsmodell. Sparkassen setzen auf langfristige Geschäftsbeziehungen im regionalen Umfeld; Landesbanken dagegen sollten als Girozentrale der Sparkassen dienen. Tatsächlich fungierten sie als Kapitalsammelstelle. Das hier eingelegte Finanzvolumen suchte nach Verwendung – auch auf dem internationalen Markt. Hier schienen risikobehaftete Kreditgeschäfte hohe Renditen zu versprechen. Heute bekennen sich Landesbanken und Förderinstitute freizügig zu dem durch die internationale Krise entstandenen Finanzbedarf.

Im internationalen Kontext der aktuellen Krise erlangt die Diskussion um die Eigentumsfrage eine neue Brisanz. Ist der Staat ein Garant von Stabilität im Bankensektor? Die deutsche Erfahrung zeigt: Dies gilt bestenfalls sehr eingeschränkt. Um als Stabilitätsgarant zu dienen, müssen an staatliche Institute besondere Ansprüche gestellt werden. Eine Orientierung an der kurzfristigen Rendite ist hierbei irreführend. Dem entspricht, dass die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute in Deutschland formal andere Funktionen erfüllen sollen, als die privatwirtschaftlichen Geschäftsbanken. Während letztere eine klare Profitorientierung anstreben, sollen die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute einen öffentlichen Auftrag erfüllen, indem sie beispielsweise den Sparsinn fördern und der Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen dienen. Tatsächlich verfolgen gerade die Sparkassen auch dieses Ziel. In der Stunde der Krise wirken diese eher an langfristigen Zielen orientierten Kreditinstitute stabilisierend. Ähnliches gilt für die Genossenschaftsbanken, die ein vergleichbares Geschäftsmodell wie die Sparkassen vertreten.

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