Debatte des Monats: Finanzkrise
Überwachung allein hilft nicht

Wie kann man künftige Finanzkrisen verhindern? Ausgeklügelte Überwachungssysteme sind für kein Allheilmittel, schreibt Michael Heise, Chefvolkswirt der Dresdner Bank, im aktuellen "Wirtschaftsdienst". In den Unternehmen müsse sich eine "gelebte Risikokultur" etablieren.

Die globale Finanzmarktkrise, die das Weltfinanzsystem in den letzten Wochen beinahe zum Einsturz brachte, hat ihren Ursprung in den Kreditmärkten für US-Hypothekendarlehen an Kreditnehmer mit geringer Bonität. Dieser "Subprime"-Markt erlebte in den Jahren bis 2007 einen beträchtlichen Aufschwung mit allen Anzeichen der Übertreibung. Die Gründe für diese Übertreibungen sind vielschichtig. Zu den wesentlichen Faktoren zählen die lange Niedrigzinsperiode und die mit ihr einhergehende Bereitschaft der Banken, für Extra-Renditen höhere Risiken einzugehen. Anlagegelder waren reichlich vorhanden, das gesamtwirtschaftliche Umfeld konnte kaum günstiger sein, die Immobilienpreise stiegen und die Ausfallquoten bei einschlägigen Finanzierungen erreichten Tiefstwerte. Hinzu kamen immer aggressivere Vertriebsmethoden im Hypothekengeschäft und nicht zuletzt der rasch wachsende Einsatz von Verbriefungsinstrumenten an den internationalen Kapitalmärkten.

Tatsächlich lief die Sekuritisierungsmaschinerie in den vergangenen Jahren reibungslos: Die Risiken des US-Hypothekenmarktes wurden weltweit im Finanzsystem verteilt, da sich für die verbrieften Kredite überall bereitwillige Käufer fanden. Die eigentliche Ursache der globalen Finanzkrise ist allerdings nicht der Sekuritisierung als solcher zuzurechnen, sondern der Tatsache, dass die weitergereichten Risiken falsch eingeschätzt und somit auch falsch, das heißt: zu niedrig bepreist wurden; andernfalls hätte sich kaum eine so große Anzahl an Investoren für diese Papiere begeistert. In diesem Zusammenhang spielten die - überwiegend US-amerikanischen - Ratingagenturen eine unrühmliche Rolle.

Vertrauensverlust durch Intransparenz der Märkte

Die globalen Finanzmärkte sind in den letzten Jahren immer undurchsichtiger geworden. Zum einen ist die Zahl jener Marktteilnehmer, die - wie zum Beispiel Hedgefonds - nicht der Finanzmarktaufsicht unterliegen, angestiegen. Zum anderen sind immer mehr kundenspezifische Produkte - wie die genannten Verbriefungen oder Derivate - entwickelt worden, die nicht öffentlich gehandelt werden.

Die zunehmende Intransparenz der Märkte führte unter Investoren und Finanzintermediären zu Unsicherheit über die Verteilung der Risiken. Ohne die notwendigen Informationen konnten viele nicht mehr erkennen, in welchem Ausmaß ihre Geschäftspartner von den Verwerfungen an den Kreditmärkten betroffen waren. Sie gingen deshalb auf Nummer Sicher, indem sie keine Mittel mehr zur Verfügung stellten. Das Ergebnis war ein globaler "Käuferstreik" auf vielen Märkten.

Für die Banken bedeutete dies eine Einschränkung ihrer Refinanzierungsmöglichkeiten, was dazu führte, dass sie ihrerseits auf mehr Liquiditätshilfen der Notenbanken angewiesen waren. Damit waren die Probleme des US-amerikanischen Hypothekenmarktes, eines vergleichsweise kleinen Segments der weltweiten Kreditmärkte, bei den zentralen Akteuren des globalen Finanzsystems angekommen.

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