Debatte des Monats: Gesundheitsreform
Wie Ärzte künftig an ihr Geld kommen

Ein neues Vergütungssystem für Kassenärzte ist ein zentrales Element der Gesundheitsreform. Die Essener Wissenschaftler Jürgen Wasem und Anke Walendzik erklären im aktuellen "Wirtschaftsdienst" das neue System und analysieren es. Unter dem Strich sei es eine Gratwanderung zwischen mehr Gerechtigkeit für Ärzte und strikter Kostenkontrolle.
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Einen Schwerpunkt der Gesundheitsreform 2007 stellt die Reform des kollektivvertraglichen ambulanten ärztlichen Vergütungssystems dar. Die bisher gültigen Vergütungsregelungen wurden von Politik, Wissenschaft, aber auch den Ärzten selber vielfach kritisiert: Da die Vergütungen im Wesentlichen auf Entscheidungen aus dem Jahr 1992 aufsetzen, führen sie zu Verteilungsungerechtigkeiten und disfunktionalen Steuerungswirkungen; auch wurden fehlende Transparenz und Planungssicherheit bemängelt. Bereits in der Gesundheitsreform von 2004 war ein Versuch einer Neugestaltung des Vergütungssystems unternommen worden - das seinerzeit beschlossene Regelungsgefüge erwies sich jedoch als so komplex, dass es nicht umgesetzt werden konnte.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen verteilen die Gesamtvergütungen, die sie von den Krankenkassen erhalten, an die Ärzte im Wesentlichen nach dem Umfang der von diesen erbrachten Leistungen. Dafür besteht auf der Bundesebene ein Gebührenverzeichnis der abrechenbaren Leistungen, der sogenannte Einheitliche Bewertungsmaßstab. Dieser weist jeder Gebührenordnungsposition eine Punktzahl zu. Der Preis der einzelnen ambulanten ärztlichen Leistung ergibt sich allerdings erst dadurch, dass ihre Punktzahl mit einem "Punktwert" in Eurocent multipliziert wird. Nachdem bis Anfang des Jahrzehnts der Punktwert erst ex post durch die nachträgliche Division der budgetierten Gesamtvergütungen durch die Punktzahl der insgesamt erbrachten Leistungen errechnet wurde, haben die einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen in den letzten Jahren sehr unterschiedliche Mechanismen angewandt, wie sie ex ante budgetierte Gesamtvergütung und Verteilung der Mittel auf die Ärzte nach Leistung miteinander in Einklang bringen.

Die Entwicklung der Gesamtvergütung orientierte sich am Anstieg der beitragspflichtigen Einnahmen der Versicherten (sogenannte "Grundlohnsumme"), nicht aber an der Entwicklung der Morbidität - d.h. das Morbiditätsrisiko lag im Wesentlichen bei den ambulanten Ärzten. Gleichzeitig schreibt die Methode der Fortschreibung der Gesamtvergütung über die Grundlohnsummensteuerung regionale Versorgungsunterschiede zum Startzeitpunkt des Systems fort. So basiert die Fortschreibung des Leistungsbedarfs in den neuen Bundesländern auf dem Leistungsangebot im Jahre 1991. Zu diesem Zeitpunkt war in die dortigen Arztpraxen noch unterdurchschnittlich viel investiert worden, was verglichen mit dem Standardangebot der alten Bundesländer zu einem deutlich geringeren Leistungsangebot führte.

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