Demographie
Die Ökonomie des Kinderkriegens

Fördergelder für junge Familien führen dauerhaft zu mehr Geburten, zeigen Studien. Weitere Voraussetzung für mehr Babys sind moderne Männer. Denn Machos schrecken Frauen ab. Die lange umstrittenen "Vätermonate" könnten sich daher als besonders clevere Idee erweisen.
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So kann man sich irren. „Kinder kriegen die Leute sowieso“, war Bundeskanzler Konrad Adenauer in den 50er-Jahren überzeugt. Tatsächlich aber ging die Zahl der Geburten in Deutschland in den Jahrzehnten danach deutlich zurück: Kamen in den 60ern noch 1,2 bis 1,3 Millionen Babys pro Jahr zur Welt, sind es heute nur halb so viel. Im Durchschnitt kommen auf jede deutsche Frau heute knapp 1,4 Kinder – vor vier Jahrzehnten waren es noch 2,5.

Doch längst nicht in allen Industriestaaten haben die Menschen so wenig Lust auf Kinder wie in Deutschland. In den Vereinigten Staaten, Frankreich und Neuseeland etwa ist die Geburtenrate deutlich höher.

Wann entscheidet sich ein Paar in hochentwickelten Industrieländern für ein Baby? Und was kann die Politik tun, damit es wieder mehr Nachwuchs gibt?

Wirtschaftswissenschaftler, die zu diesem Thema forschen, kommen zu klaren Ergebnissen: Entscheidend ist, wie gut Frauen Familie und Beruf vereinbaren können, wie sehr die Männer diese bei der Kinderbetreuung unterstützen und wie der Staat Familien fördert. Mit der richtigen Politik können Länder ihre Geburtenraten nachhaltig steigern.

„Eine Politik, die die Last der Kindererziehung verringert, kann etwas bewegen“, schreiben James Feyrer, Bruce Sacerdote und Ariel Dora Stern (alle vom Dartmouth College) in einem Artikel, der jüngst im „Journal of Economic Perspectives“ erschienen ist. Als besonders wirksam erweisen sich eine gute, öffentlich finanzierte Kinderbetreuung, direkte Finanzhilfen für junge Familien sowie großzügige Erziehungsurlaubsregeln. Dabei müssen die finanziellen Anreize gar nicht so hoch ausfallen – im Vergleich zu den gesamten Kosten, die ein Kind über etwa zwei Jahrzehnte verursacht.

Es spricht daher einiges dafür, dass das 2007 in Deutschland eingeführte Elterngeld dauerhaft zu mehr Kindern führt. Seit dem vergangenen Jahr bekommen Eltern, die ihr Kleinkind betreuen, vom Staat maximal 14 Monate 67 Prozent ihres Nettoeinkommens – mindestens 300 und höchstens 1800 Euro.

Erstmals seit zehn Jahren ist daraufhin 2007 die Zahl der Neugeborenen gestiegen – um 1,8 Prozent auf knapp 685000. Auch im ersten Halbjahr 2008 setzte sich der Aufwärtstrend fort. In Berlin gab es im vergangenen Jahr sogar zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg mehr Geburten als Todesfälle. Der bei jungen Leuten beliebte Stadtteil Prenzlauer Berg trägt mittlerweile den Spitznamen „Pregnancy Hill“.

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