Die Gewinner und Verlierer
Wer zahlt für die Subprime-Krise?

Im Zuge der Subprime-Krise wurden in den USA keine Immobilien zerstört. Auch die Bankhäuser stehen dort noch. Dennoch ist von Verlusten in Höhe von inzwischen 400 Milliarden Dollar die Rede. So fragt man sich: Wo ist das ganze Geld geblieben? Wer zahlt für die Krise? Und vor allem: Wer gewinnt? Eine Analyse von Hans Peter Grüner.
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Die Verlierer sind schnell gefunden. Denn die Bürger werden gleich mehrfach zur Kasse gebeten. Da sind zunächst die Aktionäre von Banken, die bei hohen Kursen eingestiegen sind. Auch Kurse der nicht-Banken sind betroffen. Jedoch können deren Aktionäre eher darauf hoffen, dass ihre Verluste nur vorübergehend sind. Auch dem hohen Bundesbankgewinn stehen entsprechende Verluste gegenüber: in Form realer Einkommenseinbußen aller Bürger durch Inflation.

Diese Inflation fiele niedriger aus, wenn die EZB nicht im Zuge der Krise auf die sonst gebotene Zinserhöhungen verzichtet hätte. Schliesslich verliert der Steuerzahler - in Deutschland zum Beispiel durch die - vermutlich - unnötige Rettung der IKB durch die Bundesregierung.

Aber wer sind die Gewinner? Häufig wird behauptet, dass der größte Teil der Gewinne in den Margen der Investmentbanken gelandet sei, die die Forderungen aus Hypothekenkrediten verbrieft haben. Diese Einnahmen seien dann teilweise in Form hoher Boni ausgezahlt worden. Aber das ist nur teilweise richtig. Denn zunächst einmal haben die Banken keineswegs alle Verluste an Pensionsfonds oder Landesbanken weiterreichen können. Ein großer Teil der Verluste trifft tatsächlich auch diejenigen Banken, die die Forderungen aus Hypothekendarlehen zur Schaffung neuer Wertpapiere - sogenannter Collateralized Debt Obligations - genutzt haben. Denn diese Forderungen stehen zum Teil noch in ihren eigenen Büchern.

Will man die Gewinner identifizieren, so muss man sich an den Auslöser der Krise erinnern: die spekulative Blase am US- Immobilienmarkt. Über längere Zeit wurden Immobilien zu Preisen verkauft (und gekauft), die langfristig nicht zu halten waren. Die Gewinner der jetzigen Vorgänge sind also die ehemaligen Hauseigentümer, die ihre Immobilie zu einem für sie günstigen Zeitpunkt verkauft haben. Daher liegt der Subprime-Krise eigentlich kein echter Verlust zugrunde – sondern eine plötzlich wahrgenommene Umverteilung. Einige Spieler – nämlich Aktionäre, Banken, Hedge Fonds und Pensionsfonds – besitzen Papiere, die weit weniger Wert sind als sie vermutet hätten. Andere haben dabei im Gegenzug längst schöne Gewinne realisiert.

Wie ein Pokerspiel

Dieser Vorgang erinnert an den Moment bei einem Pokerspiel, bei dem die Karten auf den Tisch gelegt werden. Denn auch dort muss für viele Spieler der gefühlte Reichtum an die Realität angepasst werden. All das wäre für sich genommen zunächst kein Grund eine „Krise“ auszurufen – und schon gar kein Grund zu Rettungsaktionen durch Politik oder Zentralbank. Die Krise entsteht erst, wenn Banken zu den betroffenen Spielern zählen und drohen, die Realwirtschaft durch eine Kreditklemme in Mitleidenschaft zu ziehen.

Diese Woche wundert sich Alan Greenspan in der Financial Times, dass spekulative Blasen trotz historischer Vorbilder immer wieder entstehen. Eine Ursache mag sein, dass ein Großteil der Kosten nicht von denen getragen wird, die sie erzeugen. Ein Banker, der im Rahmen einer spekulativen Blase mitspielt, erfreut sich entlang des Weges eines ordentlichen Bonus. Für das Zuschauen ist die Belohnung über Jahre hinweg gering – selbst wenn man am Ende mit seiner Zurückhaltung Recht behält.

Zu den Fehlanreizen trägt auch bei, dass Rettungsaktionen durch Staat und Zentralbank von Banken beinahe schon als sicher einkalkuliert werden können. Gerade daher muss die Standfestigkeit der EZB – als junger Institution - besonders gelobt werden.

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