Die Klügsten Köpfe der BWL
Vom Bauernsohn zur internationalen BWL-Koryphäe

Unprätentiös und erfolgreich: Der Kieler Betriebswirt Andreas Drexl beherrscht die Mathematik und setzt sie ein, um Produktionsabläufe zu optimieren.

KIEL. Es gibt wenige Menschen, deren Türschild so viel über ihren Charakter verrät wie Andreas Drexl, Professor für Betriebswirtschaftslehre (BWL) in Kiel. Wie es sich für eine ordentliche deutsche Universität gehört, listet sein Türschild nicht nur sämtliche akademische Grade auf, sondern informiert auch darüber, wann der Herr Professor Zeit für seine Studenten hat. Meist steht da "Sprechstunde: Mittwochs von 9 bis 10 Uhr" oder "Nach Vereinbarung". Nicht so bei Drexl. Beim ihm heißt es schlicht: "Sprechstunde: Jederzeit".

Dabei hätte der 51-Jährige, der problemlos für Mitte vierzig durchgehen könnte, durchaus Grund, überheblich zu sein. Weit über Deutschlands Grenzen hinaus hat sich Drexl als Koryphäe für Produktion und Logistik einen Namen gemacht. Auf der Handelsblatt-Rangliste der wissenschaftlich erfolgreichen deutschen Betriebswirte schafft er es auf den zweiten Platz. Zudem hat Drexl zusammen mit seinem Doktorvater Wolfgang Domschke eines der erfolgreichsten deutschen BWL-Lehrbücher geschrieben - die "Einführung in Operations Research" wurde bereits mehr als 25 000-mal verkauft.

Doch zu Kopf gestiegen sind Drexl all diese Erfolge nicht. "Hierarchiedenken ist ihm völlig fremd", sagt sein Schüler Alf Kimms, der ebenfalls zur BWL-Elite gehört. "Er redet mit einem Studenten genauso wie mit einem Professor." Vielleicht hängt das mit seiner Biografie zusammen. Denn alles, was er ist, wurde Drexl nicht dank Herkunft und guter Beziehungen. Sondern einfach dank guter Arbeit. Der große, drahtige Mann, dem man den

früheren Marathonläufer ansieht, hat sich von allein an die Spitze der deutschen Betriebswirte geackert - von ziemlich weit unten.

Geboren wurde er 1954 in der oberbayerischen Provinz in der Nähe von Landsberg am Lech, seine Eltern Landwirte. Dass er überhaupt Abitur machen konnte, war eine mittlere Sensation: In seinem Heimatort war Drexl der erste Gymnasiast seit 17 Jahren. Und das nur, weil der Dorfpfarrer die Eltern überzeugt hatte, den Jungen auf die Oberschule zu schicken. "Der Pfarrer hat sich gedacht: Aus dem wird mal ein guter Priester." Da es keine Oberschule in Pendelentfernung gab, kam er auf ein altsprachliches Benediktiner-Internat. Bis zur Pubertät wollte er auch tatsächlich Pfarrer werden. Dann aber entfremdete er sich mehr und mehr von der katholischen Kirche, studierte Wirtschaftswissenschaften statt Theologie in Augsburg.



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