Die Ökonomen-Diät
Abnehmen – oder zahlen!

US-Ökonomen machen den Weight-Watchers Konkurrenz. Ihr Konzept für mehr Selbstdisziplin ist simpel und knallhart: Wer abnehmen will, macht einen Vertrag mit sich selbst. Wer seine Ziele verfehlt, muss zahlen - bis zu 10 000 US-Dollar oder mehr. Lesen Sie, warum ihr Unternehmen namens StickK.com schon tausende Kunden hat.
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NEW YORK. Phyllis Brown hat so ziemlich alles erlebt, was Menschen erleben, die abnehmen wollen. Die 54-jährige Krankenschwester aus Maryland fing Diäten an und brach sie ab; sie hungerte sich auf ihr Wunschgewicht und futterte sich die Pfunde dann wieder an. Weight-Watchers, Atkins, FdH – „ich hab’ alles ausprobiert“, erzählt sie. Dauerhaft funktioniert hat nichts.

Neuerdings nutzt Brown die Dienste eines jungen New Yorker Unternehmens namens StickK.com. Drei Ökonomen der Elitehochschule Yale haben die Firma gegründet und sich damit auf einen für Volkswirte etwas ungewöhnlichen Markt gewagt – das Geschäft mit dem Abnehmen, der Nikotinentwöhnung und ähnlich unangenehmen Dingen.

So schräg das im ersten Moment klingen mag, es hat einen seriösen Hintergrund. Die Grundidee ist, die Erkenntnisse neuerer ökonomischer und psychologischer Forschung im Alltag anzuwenden – um Menschen beim Abnehmen, bei der Nikotinentwöhnung oder regelmäßigem Sport-Training zu helfen. „Stick“ heißt auf deutsch so viel wie „Bleib dabei“, steht aber auch für „Stock“ und im übertragenen Sinne für Strafe. Das große K signalisiert in der amerikanischen Juristenwelt einen Vertrag.

Denn wer einen guten Vorsatz hat, der kann über StickK.com einen Vertrag mit sich selbst schließen – und sich bei Nichterfüllung selbst bestrafen. Phyllis Brown zum Beispiel hat unterschrieben, dass sie in drei Monaten zehn Pfund abnehmen muss. Der Vertrag ist rechtsgültig und bindend. Die Regeln sind streng. Wöchentlich muss sie schriftlich über ihre Fortschritte berichten, ein „Schiedsrichter“ muss positive Meldungen bestätigen. Wehe, der Report kommt nicht pünktlich. Unnachgiebig wird sie per E-Mails und SMS daran erinnert, dass sie noch Rechenschaft ablegen muss. „Ich finde es furchtbar, wenn ich beichten muss, dass ich zwei Pfund zugelegt habe“, sagt Phyllis. Genau das ist der erwünschte Effekt.

Alles hat einen Preis, auch eine Verhaltensänderung – auf diesem ökonomischen Grundprinzip fußt StickK. Für manche Nutzer reicht möglicherweise das peinliche Eingeständnis, versagt zu haben. Andere erhöhen den Einsatz und nennen Freunde und Bekannte, die automatisch von Erfolg und Misserfolg erfahren.

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