Dirk Sliwka
Der Kölner Anti-Guru

Personalforscher Dirk Sliwka ist ein wirtschaftswissenschaftlicher Allrounder: Seine Fragen kommen aus der BWL, seine Methoden oft aus der VWL. Der Kölner schafft den Spagat zwischen den Disziplinen - und ist so Deutschlands forschungsstärkster Personal-Professor geworden.
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KÖLN. Woran man einen wirklich erstklassigen Forscher erkennen kann, dazu hat Dirk Sliwka eine klare Meinung: Er darf sich seiner Sache nicht zu sicher sein. Die Welt sei einfach viel zu komplex für endgültige Wahrheiten und zu steile Thesen, ist der Professor aus Köln überzeugt. „Ein guter Wissenschaftler sagt auch mal: ,Ich weiß es auch nicht genau’“, sagt Sliwka, der seit fünf Jahren an der Uni Köln Personalwirtschaft lehrt.

Manchmal sei er sich daher nicht sicher, worüber er sich mehr wundern solle: über die Selbstvermarkter unter seinen Fachkollegen, die mit ihren einfachen Thesen durch die Lande ziehen, oder über die Unternehmer und Journalisten, die diesen vermeintlichen Gurus immer wieder gern zuhören.

Sliwka selbst ist nicht nur gemessen an seinen Zweifeln ein erstklassiger Wissenschaftler, sondern auch mit Blick auf seine Forschungsleistung. Seine Arbeiten bringt er häufig in den internationalen Top-Zeitschriften mit besonders hohen Qualitätsansprüchen unter. Das Handelsblatt-Betriebswirte-Ranking weist ihn daher als einen der mit Abstand forschungsstärksten deutschen Personal-Professoren aus.

Dabei ist der 38-Jährige auf dem Papier gar kein Betriebswirt. Sein Diplom und seinen Doktortitel machte er im Nachbarfach Volkswirtschaftslehre (VWL). Aber das, betont er, sei nur einem dummen Zufall geschuldet. „Ich wollte in Bonn studieren, und dort gab es nur VWL“, erzählt er. „Vom Herzen her habe ich mich schon immer für betriebswirtschaftliche Fragen interessiert.“

Das Faible für diese Themen habe er von seinem Vater, einem Unternehmensberater für Mittelständler. Die in Deutschland übliche strikte Trennung zwischen VWL und BWL hält Sliwka ohnehin für nicht mehr zeitgemäß. Er selbst arbeitet an der Schnittstelle zwischen Personalwirtschaftslehre, Wirtschaftspsychologie, experimenteller Wirtschaftsforschung und mikroökonomischer Theorie.

Was ihn inhaltlich umtreibt, ist die Frage, wie Menschen auf Anreize reagieren. Was im ersten Moment abstrakt klingen mag, ist gerade für Personalmanager höchst brisant: Wie sollte ein optimales Bonussystem aussehen? Wie genau sollte man die Leistung von Mitarbeitern messen und bewerten? Wie kann man verhindern, dass Mitarbeiter innerlich kündigen?

Diese Fragen untersucht Sliwka mit modernen ökonometrischen Methoden – und gern in Kooperation mit Unternehmen. Ein aufwendiges Forschungsprojekt zum Beispiel hat er mit einem deutschen Großkonzern gemacht. Sliwka hatte Zugriff auf die internen Daten zur Leistungsbeurteilung einzelner Beschäftigter – und konnte dieselben Mitarbeiter unabhängig davon zu ihrer Arbeitszufriedenheit befragen.

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