DIW-Langzeitstudie: Deutschland durchleuchtet

DIW-Langzeitstudie
Deutschland durchleuchtet

In den Computern des DIW steckt ein Abbild der deutschen Gesellschaft – und damit ein unschätzbar wertvoller Schatz für Forscher. Seit zwei Jahrzehnten lässt das Institut jährlich mehr als 11 000 Haushalte befragen.

BERLIN. Im Grunde gehört Hannelore Weißflog bei den Kunzes* schon fast zur Familie. Einmal pro Jahr kommt sie bei dem jungen Paar in Berlin-Pankow vorbei, meist Ende Januar oder Anfang Februar; immer bringt sie ein Glas selbst gekochte Marmelade mit. Dann wird geredet – eineinhalb Stunden lang, manchmal auch länger. Über Job, Gesundheit, Kinder und was sonst in den vergangenen zwölf Monaten so alles passiert ist im Leben der Kunzes. „Vor sechs Jahren haben wir uns kennen gelernt, da war ich gerade schwanger“, erzählt Monika Kunze. Inzwischen steht Tochter Lena kurz vor der Einschulung.

Weißflogs Besuche dienen nicht der Freundschaftspflege, sondern der Wissenschaft – sie sind Bestandteil des längsten und aufwendigsten wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsprojekts der Republik.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten lässt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jedes Jahr mehr als 11 000 Haushalte mit gut 23 000 Menschen befragen, ein repräsentatives Abbild der Bevölkerung. Es geht um alle Facetten ihres Lebens – von ökonomischen Basisdaten wie Einkommen, Vermögen und Schulden bis hin zu sehr persönlichen Dingen, die man ansonsten nur mit den engsten Freunden bespricht: Wie ist die eigene Persönlichkeit gestrickt? Mit wem streitet man sich, von wem lässt man sich unangenehme Wahrheiten sagen? Welche Dinge im Leben bereiten Sorgen? Ist man risikobereit, glücklich? „Mir macht es nichts aus, über solche privaten Dinge zur reden“, sagt Monika Kunze. „Manche Fragen regen mich auch nach dem Interview noch zum Nachdenken an.“

Das Besondere an der DIW-Umfrage: Es sind jedes Jahr dieselben Menschen, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest im Auftrag des DIW befragt. Erst dieses Vorgehen schafft eine solide Basis, um zu erkennen, wie sich Arbeitsmärkte, Familienstrukturen und Gesellschaft im Laufe der Zeit ändern: Wer rutscht in Armut ab? Sind Menschen mit hohem Einkommen glücklicher? Zerfallen die Familienstrukturen? „Unsere Daten zeigen, wie die Menschen in Deutschland ticken“, sagt DIW-Forschungsdirektor Gert Wagner, der das Projekt leitet.

* Name geändert

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