DIW-Studie zur Forschungsleistung ökonomischer Denkfabriken
Institute forschen mehr und besser

Eine neue DIW-Studie untersucht die Publikationsleistung der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute – das Berliner Institut sieht sich selbst als Nummer eins. Andere Untersuchungen kommen nicht zu diesem Ergebnis.

BERLIN. Die Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland haben ihre Forschungsleistung seit dem Jahr 2000 deutlich gesteigert – das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Seit 2000 sei eine „bemerkenswerte Steigerung von Umfang und Qualität der Forschungsleistungen der deutschen Institute“ zu beobachten, so das Fazit.

Die DIW-Untersuchung stützt insoweit die Grundaussagen zweier Studien des Wirtschaftswissenschaftlers Martin Steininger von der Technischen Universität München, der ebenfalls die Publikationsleistung der Institute analysierte und über die das Handelsblatt exklusiv berichtete. Betrachtet man aber das Abschneiden der einzelnen Institute, so sind die Ergebnisse unterschiedlich. Vor allem das DIW selbst schneidet in der neuen Studie besser ab als bei Steininger.

Berücksichtigt man die Qualität der Fachzeitschriften, war das DIW laut eigener Studie mit einem Marktanteil von 33 Prozent in den Jahren 2005 und 2006 mit deutlichem Vorsprung die Nummer eins; gefolgt vom ZEW und Ifo-Institut, die beide auf einen Marktanteil von je 17 Prozent kommen. Für den gleichen Zeitraum liegt bei Steininger dagegen bei ausschließlicher Betrachtung der WGL-Einrichtungen das Ifo-Institut mit einem Marktanteil von 37 Prozent vor ZEW (22 Prozent) und DIW (17 Prozent). Die Diskrepanz erklärt sich mit den unterschiedlichen methodischen Konzepten.

Der Grundgedanke der Studien ist zwar ähnlich, in wichtigen Details gehen die Autoren aber verschiedene Wege. Denn: Bei solchen Rankings gibt es eine Reihe von Entscheidungen, die man mit guten Gründen so oder so treffen kann. Ein entscheidender Unterschied ist die Zeitschriftenauswahl: Steininger zählt nur Aufsätze, die in 64 ökonomischen Fachzeitschriften erschienen sind. Bei der Auswahl der Journale und der Qualitätsbewertung lehnt sich Steininger an eine Umfrage unter den Mitgliedern des Vereins für Socialpolitik an.

Das DIW legt eine wesentlich breitere Journalliste zugrunde. Betrachtet werden die Zeitschriften, die im „Social Science Citation Index“ von Thomson Scientific enthalten sind – und zwar nicht nur aus der Ökonomie, sondern auch aus verwandten Disziplinen wie der Soziologie, der Politologie und der Demografie. In diesen Feldern publizieren DIW-Mitarbeiter, die der Abteilung „Sozio-oekonomisches Panel“ angehören, überproportional stark. Bei der Qualitätsbewertung orientiert sich das DIW am „Impact Factor“ der Journale, der sich daraus ableitet, wie oft ein Aufsatz im Schnitt in anderen Arbeiten zitiert wird.

Unterschiedlich gehen die beiden Studien auch damit um, wenn ein Wissenschaftler in einem Aufsatz nicht nur eine, sondern mehrere Institutionen nennt. Steininger teilt in solchen Fällen die Punktzahlen unter den verschiedenen Institutionen auf, das DIW dagegen nicht. Bei einzelnen Forschern wie DIW-Chef Klaus Zimmermann, der drei „Affiliations“ nennt – neben dem DIW das IZA sowie die Universität Bonn – kann dies erhebliche Folgen haben. Zudem berücksichtigt Steininger anders als das DIW auch die Seitenzahlen der Aufsätze.

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