Einseitig und realitätsfern
Studenten protestieren gegen ökonomische Lehre

Ihnen fehlt intellektuelle Vielfalt an der Universität: Ökonomie-Studenten aus 19 Ländern veröffentlichen ein Manifest, in dem sie die Lehre als zu einseitig anprangern. Renommierte Professoren unterstützen die Kritik.
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FrankfurtDie Unzufriedenheit von Ökonomiestudenten mit der als einseitig und wirklichkeitsfremd empfundenen Lehre bricht sich in einer globalen Protestaktion Bahn. Studentengruppen aus 19 Ländern veröffentlichen ein gemeinsames Manifest für eine Reform der Ökonomenausbildung. Das Manifest liegt dem Handelsblatt vor.

Die Forderungen der Studenten werden unterstützt von einem breiten Spektrum etablierter Professoren, vom linksliberalen französischen Erfolgsautor Thomas Piketty („Capital in the 21. Century“) über den Vorstand der Bank von England, Andrew Haldane, bis zum Ausbildungsdirektor des Institute of Economic Affairs, Stephen Davis, eines traditionsreichen, marktliberalen Forschungsinstituts. Auch der US-Ökonom James Galbraith gehört zu den rund 175 professoralen Unterstützern der Aktion.

„Wir beobachten eine besorgniserregende Einseitigkeit der Lehre, die sich in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verschärft hat. Diese fehlende intellektuelle Vielfalt behindert uns im Umgang mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – von Finanzmarktstabilität bis zum Klimawandel“, beklagen die Studenten aus Nord- und Südamerika, Israel, Indien, Russland, Deutschland und Europa.

InternationalerStudentischerAufruf

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Einseitig und realitätsfern: Studenten protestieren gegen ökonomische Lehre"

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  • Unzufriedenheit mit bestehenden Bildungs- und Ausbildungsmustern, ist keine neue Erkenntnis. Ursachen sind ebenso bekannt, wie geeignete Lösungsmuster.
    Der Biologe Georg Wald: „Das Unbehagen der Studenten und Wissenschaftler, angesichts des bestehenden Wissenschaftsberiebes und seiner oft fehlenden Sinngebung, wächst zusehend. Sind wir Wissenschaftler nur deswegen auf der Welt, um zu studieren, zu messen und zu registrieren, während die Menschheit im Abgrund versinkt? Mir genügt diese Rolle nicht.“

    Frederic Vester: „So nützlich und lebenserhaltend die bisherige Art des Wissens über die Vergangenheit sein mag, die Erfahrung zeigt, dass es nicht ausreicht, um uns aus der heutigen Konfliktsituation herauszuführen.“
    Er bezog sich dabei auf aktuelle Lehrmethoden, die an der Wirklichkeit vorbeigehen. Was wir Leben nennen, ist nichts anderes, als von Menschen erzeugte Enge, innerhalb künstlich erzeugter Grenzen.

    Lehrpläne stellen sich als fein gegliedertes Sammelsurium getrennter Elemente wie Volks- und Betriebswirtschaft, Ingenieurwesen, IT dar.

    Warum ist das so?

    Wir bauen unsere Lebensräume seit Jahrhunderten auf statischen Bausteinen und Teilen (Descartes Irrlehre) auf. René Descartes befasste sich mit komplexen Systemen und um sie im Ganzen zu verstehen, zerlegte er sie in einzelne Teile. Sich daraus ergebende Gesetzmäßigkeiten und Lehrmethoden sind z.B. zur Neuorientierung ökonomischer Systeme völlig ungeeignet.

    K. H. Schubäus dazu: „Beteiligte, vorab Wissenschaftler und Studenten, müssen sich darüber im Klaren sein, dass mit Neuorientierung veralteter Lehrmethoden, auch die Teilsysteme des Ganzen (Bildung, Ausbildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Medizin, Berater, IT etc.) abgepasst werden müssen.

    Denn unser Lebensumfeld ist ständig in Bewegung, dies auf Grundlagen dynamisch vernetzter Beziehungsmuster, wechselseitiger Abhängigkeiten, synergetischer, kausaler, kybernetischer und symbiotischer Wirkmechanismen.

    Stetiger Wandel und immerwährende Bewegung.

  • Unzufriedenheit mit bestehenden Bildungs- und Ausbildungsmustern, ist keine neue Erkenntnis. Ursachen sind ebenso bekannt, wie geeignete Lösungsmuster.
    Der Biologe Georg Wald: „Das Unbehagen der Studenten und Wissenschaftler, angesichts des bestehenden Wissenschaftsberiebes und seiner oft fehlenden Sinngebung, wächst zusehend. Sind wir Wissenschaftler nur deswegen auf der Welt, um zu studieren, zu messen und zu registrieren, während die Menschheit im Abgrund versinkt? Mir genügt diese Rolle nicht.“

    Frederic Vester: „So nützlich und lebenserhaltend die bisherige Art des Wissens über die Vergangenheit sein mag, die Erfahrung zeigt, dass es nicht ausreicht, um uns aus der heutigen Konfliktsituation herauszuführen.“
    Er bezog sich dabei auf aktuelle Lehrmethoden, die an der Wirklichkeit vorbeigehen. Was wir Leben nennen, ist nichts anderes, als von Menschen erzeugte Enge, innerhalb künstlich erzeugter Grenzen.

    Lehrpläne stellen sich als fein gegliedertes Sammelsurium getrennter Elemente wie Volks- und Betriebswirtschaft, Ingenieurwesen, IT dar.

    Warum ist das so?

    Wir bauen unsere Lebensräume seit Jahrhunderten auf statischen Bausteinen und Teilen (Descartes Irrlehre) auf. René Descartes befasste sich mit komplexen Systemen und um sie im Ganzen zu verstehen, zerlegte er sie in einzelne Teile. Sich daraus ergebende Gesetzmäßigkeiten und Lehrmethoden sind z.B. zur Neuorientierung ökonomischer Systeme völlig ungeeignet.

    K. H. Schubäus dazu: „Beteiligte, vorab Wissenschaftler und Studenten, müssen sich darüber im Klaren sein, dass mit Neuorientierung veralteter Lehrmethoden, auch die Teilsysteme des Ganzen (Bildung, Ausbildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Medizin, Berater, IT etc.) abgepasst werden müssen.

    Denn unser Lebensumfeld ist ständig in Bewegung, dies auf Grundlagen dynamisch vernetzter Beziehungsmuster, wechselseitiger Abhängigkeiten, synergetischer, kausaler, kybernetischer und symbiotischer Wirkmechanismen.

    Stetiger Wandel und immerwährende Bewegung.

  • Bin gespannt, wann die Handelsprawda bemerkt, dass etwas mit den Keynesianern und Beaufingern nicht stimmt. Aber dann wird das Fenster aufgemacht, geschaut, wie der Wind weht und schön die neue Fahne wehen lassen. Presstituierte eben...

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