Einseitig und realitätsfern Studenten protestieren gegen ökonomische Lehre

Ihnen fehlt intellektuelle Vielfalt an der Universität: Ökonomie-Studenten aus 19 Ländern veröffentlichen ein Manifest, in dem sie die Lehre als zu einseitig anprangern. Renommierte Professoren unterstützen die Kritik.
10 Kommentare
Deutschland sucht den Super-Volkswirt
Ohne Wehrpflicht noch mehr Studienanfänger
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Wie kann Geld am effizientesten ausgegeben, wie können knappe Ressourcen am besten verteilt werden? Das ist die zentrale Frage für jeden Volkswirt. Wir zeigen, an welchen deutschsprachigen Universitäten sie die besten Antworten finden. Unter den 25 Top-Adressen der Volkswirtschaftslehre hat es viel Bewegung gegeben - und einen spektakulären Führungswechsel.

Nürnberger Altstadt
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Platz 25: Universität Erlangen-Nürnberg

Die Franken sind neu unter den 25 forschungsstärksten deutschsprachigen VWL-Fakultäten. Stolze vier der neun Volkswirte an der mit über 28.000 Studenten zweitgrößten bayrischen Universität gehören zu den 250 forschungsstärksten im deutschsprachigen Raum. Besonders stark trugen die Bildungs- und Bevölkerungsökonomin Regina T. Riphahn und der Regionalökonom und Experte für Sozialpolitik Matthias Wrede zur fränkischen Forschungsleistung bei.

Weltweites Ranking weist Universitaet Goettingen als beste deutsche Hochschule aus
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Platz 24: Universität Göttingen

Ein Dutzend Volkswirte forschen an der Georg-August-Universität in Göttingen. Bei der Forschungsleistung pro Kopf gehört die Uni, die 2010 noch auf Platz 15 des Rankings lag, damit zu den Schlusslichtern. Insgesamt aber reicht es für die größte und älteste Universität Niedersachsens noch für Platz 24 im VWL-Ranking. Dass die Göttinger Uni beim World University Ranking 2010/2011der Times Higher Education auf Platz 43 die beste deutsche Universität ist, dürfte denn auch nur zu einem kleinen Teil ein Verdienst der dortigen Volkswirte sein. Herausragend war beim diesjährigen Handelsblatt-Ranking Martin Qaim, Professor für Agrarökonomie, der ein Viertel der Forschungs-Punkte beisteuerte.

Horst Koehler, Giorgio Napolitano
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Platz 22: Universität Tübingen und TU Dortmund

Mit 19 Punkten liegen die Universitäten in Dortmund und Tübingen dieses Jahr gleichauf auf dem 22. Platz. Das Foto zeigt den bekanntesten Tübinger VWL-Alumni Horst Köhler bei einer Diskussion mit Studenten.

Universität Basel
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Platz 20: Basel und Bielefeld

Die älteste Universität der Schweiz und die Hochschule in Ostwestfalen teilen sich 2011 den 20. Rang im VWL-Ranking. Die beiden gehören eher zu den kleineren Universitäten, können sich aber bei der Zahl der Professoren und den Punkten pro Forscher durchaus mit den großen Unis messen. Die Uni Basel (im Bild das Kollegienhaus) konnte sich im Vergleich zum Vorjahresranking um zwei Plätze verbessern.

Thomas Straubhaar vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut
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Platz 18: Hamburg und Linz

Einen kräftigen Sprung nach vorne im VWL-Ranking machen die Forscher der Uni Hamburg: Von 24 auf 18. Den Platz teilen sich die Volkswirte um Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), mit der Universität Linz, die ebenfalls 21 Handelsblatt-Punkte erhielt. Die Österreicher liegen mit nur acht Professoren bei der Pro-Kopf-Forschungsleistung deutlich vor ihren 15 hanseatischen Kollegen.

Universität Hannover hat neuen Namen
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Platz 17: Leibniz Universität Hannover

Am Abschneiden der Volkswirte aus Hannover wird besonders deutlich, wie sehr sich der Konkurrenzkampf zwischen den Unis verschärft hat und wie stark viele Fachbereiche zugelegt haben. Die Hannoveraner Ökonomen kommen zwar absolut gesehen auf die gleiche Punktzahl wie im vergangenen Jahr (23 Handelsblatt-Punkte), fallen aber im Vergleich zu anderen Fakultäten um fünf Plätze zurück – vor allem, weil andere Hochschulen weitere forschungsstarke Wissenschaftler eingestellt haben.

FrankfurtDie Unzufriedenheit von Ökonomiestudenten mit der als einseitig und wirklichkeitsfremd empfundenen Lehre bricht sich in einer globalen Protestaktion Bahn. Studentengruppen aus 19 Ländern veröffentlichen ein gemeinsames Manifest für eine Reform der Ökonomenausbildung. Das Manifest liegt dem Handelsblatt vor.

Die Forderungen der Studenten werden unterstützt von einem breiten Spektrum etablierter Professoren, vom linksliberalen französischen Erfolgsautor Thomas Piketty („Capital in the 21. Century“) über den Vorstand der Bank von England, Andrew Haldane, bis zum Ausbildungsdirektor des Institute of Economic Affairs, Stephen Davis, eines traditionsreichen, marktliberalen Forschungsinstituts. Auch der US-Ökonom James Galbraith gehört zu den rund 175 professoralen Unterstützern der Aktion.

„Wir beobachten eine besorgniserregende Einseitigkeit der Lehre, die sich in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verschärft hat. Diese fehlende intellektuelle Vielfalt behindert uns im Umgang mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – von Finanzmarktstabilität bis zum Klimawandel“, beklagen die Studenten aus Nord- und Südamerika, Israel, Indien, Russland, Deutschland und Europa.

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10 Kommentare zu "Einseitig und realitätsfern: Studenten protestieren gegen ökonomische Lehre"

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  • Unzufriedenheit mit bestehenden Bildungs- und Ausbildungsmustern, ist keine neue Erkenntnis. Ursachen sind ebenso bekannt, wie geeignete Lösungsmuster.
    Der Biologe Georg Wald: „Das Unbehagen der Studenten und Wissenschaftler, angesichts des bestehenden Wissenschaftsberiebes und seiner oft fehlenden Sinngebung, wächst zusehend. Sind wir Wissenschaftler nur deswegen auf der Welt, um zu studieren, zu messen und zu registrieren, während die Menschheit im Abgrund versinkt? Mir genügt diese Rolle nicht.“

    Frederic Vester: „So nützlich und lebenserhaltend die bisherige Art des Wissens über die Vergangenheit sein mag, die Erfahrung zeigt, dass es nicht ausreicht, um uns aus der heutigen Konfliktsituation herauszuführen.“
    Er bezog sich dabei auf aktuelle Lehrmethoden, die an der Wirklichkeit vorbeigehen. Was wir Leben nennen, ist nichts anderes, als von Menschen erzeugte Enge, innerhalb künstlich erzeugter Grenzen.

    Lehrpläne stellen sich als fein gegliedertes Sammelsurium getrennter Elemente wie Volks- und Betriebswirtschaft, Ingenieurwesen, IT dar.

    Warum ist das so?

    Wir bauen unsere Lebensräume seit Jahrhunderten auf statischen Bausteinen und Teilen (Descartes Irrlehre) auf. René Descartes befasste sich mit komplexen Systemen und um sie im Ganzen zu verstehen, zerlegte er sie in einzelne Teile. Sich daraus ergebende Gesetzmäßigkeiten und Lehrmethoden sind z.B. zur Neuorientierung ökonomischer Systeme völlig ungeeignet.

    K. H. Schubäus dazu: „Beteiligte, vorab Wissenschaftler und Studenten, müssen sich darüber im Klaren sein, dass mit Neuorientierung veralteter Lehrmethoden, auch die Teilsysteme des Ganzen (Bildung, Ausbildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Medizin, Berater, IT etc.) abgepasst werden müssen.

    Denn unser Lebensumfeld ist ständig in Bewegung, dies auf Grundlagen dynamisch vernetzter Beziehungsmuster, wechselseitiger Abhängigkeiten, synergetischer, kausaler, kybernetischer und symbiotischer Wirkmechanismen.

    Stetiger Wandel und immerwährende Bewegung.

  • Unzufriedenheit mit bestehenden Bildungs- und Ausbildungsmustern, ist keine neue Erkenntnis. Ursachen sind ebenso bekannt, wie geeignete Lösungsmuster.
    Der Biologe Georg Wald: „Das Unbehagen der Studenten und Wissenschaftler, angesichts des bestehenden Wissenschaftsberiebes und seiner oft fehlenden Sinngebung, wächst zusehend. Sind wir Wissenschaftler nur deswegen auf der Welt, um zu studieren, zu messen und zu registrieren, während die Menschheit im Abgrund versinkt? Mir genügt diese Rolle nicht.“

    Frederic Vester: „So nützlich und lebenserhaltend die bisherige Art des Wissens über die Vergangenheit sein mag, die Erfahrung zeigt, dass es nicht ausreicht, um uns aus der heutigen Konfliktsituation herauszuführen.“
    Er bezog sich dabei auf aktuelle Lehrmethoden, die an der Wirklichkeit vorbeigehen. Was wir Leben nennen, ist nichts anderes, als von Menschen erzeugte Enge, innerhalb künstlich erzeugter Grenzen.

    Lehrpläne stellen sich als fein gegliedertes Sammelsurium getrennter Elemente wie Volks- und Betriebswirtschaft, Ingenieurwesen, IT dar.

    Warum ist das so?

    Wir bauen unsere Lebensräume seit Jahrhunderten auf statischen Bausteinen und Teilen (Descartes Irrlehre) auf. René Descartes befasste sich mit komplexen Systemen und um sie im Ganzen zu verstehen, zerlegte er sie in einzelne Teile. Sich daraus ergebende Gesetzmäßigkeiten und Lehrmethoden sind z.B. zur Neuorientierung ökonomischer Systeme völlig ungeeignet.

    K. H. Schubäus dazu: „Beteiligte, vorab Wissenschaftler und Studenten, müssen sich darüber im Klaren sein, dass mit Neuorientierung veralteter Lehrmethoden, auch die Teilsysteme des Ganzen (Bildung, Ausbildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Medizin, Berater, IT etc.) abgepasst werden müssen.

    Denn unser Lebensumfeld ist ständig in Bewegung, dies auf Grundlagen dynamisch vernetzter Beziehungsmuster, wechselseitiger Abhängigkeiten, synergetischer, kausaler, kybernetischer und symbiotischer Wirkmechanismen.

    Stetiger Wandel und immerwährende Bewegung.

  • Bin gespannt, wann die Handelsprawda bemerkt, dass etwas mit den Keynesianern und Beaufingern nicht stimmt. Aber dann wird das Fenster aufgemacht, geschaut, wie der Wind weht und schön die neue Fahne wehen lassen. Presstituierte eben...

  • Wie ich an anderen Stelle (zuletzt hier: http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/ratschlaege-an-die-politik-wie-unabhaengig-sind-deutschlands-top-oekonomen/v_detail_tab_comments/9761514.html) immer wieder geschrieben habe: Die VWL scheint mir eine Lehre, aber keine Wissenschaft zu sein.

    Da scheinen mir eher Religionen mit Gurus (“Topökonomen“ – hat jemand schon mal z.B. von einem „Topphysiker“ gehört? Da fällt nicht mal Einstein darunter) und deren Gläubigen vorzuherrschen. Sozusagen der Zustand der Autoritätsgläubigkeit, ein Zustand, den die Naturwissenschaften spätestens seit dem Zeitalter der Aufklärung hinter sich gelassen haben.

    Denkschulen, die sich bekriegen und wo jeder sich das ihm Genehme heraussuchen kann. In diesem Umfeld kann sich natürlich das am ehesten durchsetzen, das über die höchsten (finanziellen) Ressourcen verfügt. Sprich, den Interessen derer dient, die über das entsprechende Kapital verfügen. Und die haben herzlich wenig Interesse an realistischen, schlagkräftigen Modellen. Denn da könnte ja etwas herauskommen, das die Gewinnmaximierung stört. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing ….

    In den Naturwissenschaften werden z.B. Klimamodelle seit Jahrzehnten intensiv diskutiert und ständig weiterentwickelt. Ein schönes Beispiel für den naturwissenschaftlichen Umgang mit einem höchst komplexen System, das dem der Ökonomie sicher nicht viel nachsteht.

    Komplexe Systeme können nun mal nicht „im Kopf“ modelliert werden. Das gilt sowohl in den Naturwissenschaften als auch in der Ökonomie.

    Wenn Regelkreise und vielfältige Rückkopplungen sowie mannigfaltige Randbedingungen einigermaßen realistisch bewertet werden sollen kommt man um das Modellieren nicht herum.

    Oder wie soll in diesen Fällen ein fruchtbarer Diskurs geführt werden? Ohne Modelle werden nur Einzelaspekte unter die Lupe genommen, und die daraus sich ergebenden Konsequenzen führen dann regelmäßig in die Pampa. Weil eben viele relevante Einflüsse nicht betrachtet wurden!

  • Don't tell lies

    Bei Frau Merkel gibt es nur die korruptive-Subventions*-Finanzwirtschaft mit tausenden "geschmierten" Finanzkapitalismus-Lobbyisten in der Politik. Die schreiben sogar die EFSF-Gesetze und die ESM-Verträge für den ESM-Gouverneur Schäuble/CDU, in Personalunion Finanzminister entgegen seinem Amtseid.

    Was braucht man Ökonomie und Soziale Marktwirtschaft ????

    *Subvention heißt seit Mai 2010 bei Merkel-Schäuble:
    Euro-Rettung korruptiver Staaten samt ihren angeblich systemrelevanten Pleite-Banken.

    "Dazu müssen Rettungsschirme aufgespannt werden!"
    O-Ton Merkel-Berater Josef Ackermann.
    Beide total bescheuert.

  • Protest? Wird dort nicht nur Versagen, Abzocke, Betrug, Menschenverachtung usw. gelehrt, wie man den Eindruck haben könnte, verfolgt man die Medien über "Experten)

  • Journalismus als "Kruste von oben" (Politik und Medien) nächstes Beispiel:

    "Kritik an der Presseberichterstattung

    Und gegen die Presse natürlich. Zeitungen wie dieser und jener, deren Journalisten gesteuert würden von den Befürwortern. Die nicht hinreichend kritisch berichten über den Ostseetunnel. Die die Zahl der Gegner kleinrechnen und die Argumente der Befürworter groß herausbringen. David gegen Goliath. Macht gegen Ohnmacht. Recht gegen Unrecht. So fühlen sie sich hier manchmal an der Ostsee. Aufgeben zählt trotzdem nicht."

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article127611276/Ein-Tunnel-macht-Holsteiner-zu-Wutbuergern.html

  • Bei Frau Merkel gibt es nur die korruptive-Subventions-Wirtschaft mit tausenden "geschmierten" Sozialismus-Lobbyisten in der Politik.

    Was braucht man Ökonomie und freie Marktwirtschaft ????

  • Einseitigkeit in der ökonomischen Lehre ist mir wohl bekannt. In der DDR gab es nur eine "wahre" Lehre. Und wenn sie in sich noch so widersprüchlich war- was nicht gewollt war durfte auch nicht wahr sein! So etwa wie die Eurorettung 2014.

  • Interessantes Thema leider auf Boulevard Niveau nur angerissen.
    Woran machen die Studenten das fest? Wie stellen sie sich zukünftig die Lehre vor? Hätten nicht die Professoren die dieses Manifest mit tragen, bereits heute die Möglichkeit Lehre entsprechend zu gestalten?

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