Energiebilanz
Wenn Manager den Schalter umlegen

Über eine effiziente Unternehmensführung können sich nicht nur Aktionäre freuen. Auch die Umwelt profitiert von gutem Management, haben Forscher in einer Studie nachgewiesen. Eine organisiertes Unternehmen spart nicht nur Zeit und Geld, sondern auch Energie.
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KÖLN. Wenn die Auftragsbücher prall gefüllt und die Maschinen auf dem neuesten Stand der Technik sind, die Chefs fair und offen mit ihren Untergebenen umgehen, ambitionierte Ziele aufstellen und auch erreichen, dann läuft in einem Unternehmen vieles richtig. Darüber freuen sich dann Aktionäre, Angestellte und Kunden – und die Umwelt.

Denn gut geführte Unternehmen gehen sparsamer mit der wertvollen Energie um als Konkurrenten, deren Geschäftsführer und Manager einen schlechteren Job machen. Erstmals nachweisen konnten diesen Zusammenhang der Stanforder Ökonom Nicholas Bloom und seine Co-Autoren von der Cambridge University und der London School of Economics in Großbritannien.

Sie haben anhand von 300 zufällig ausgewählten Industriebetrieben untersucht, wie gutes Management und effizienter Energieeinsatz zusammenhängen. Das Ergebnis: Das Viertel der Unternehmen mit der besten Management-Praxis kann mit einer um 17,4 Prozent besseren Energiebilanz glänzen, verglichen mit dem Viertel der am schlechtesten geführten Unternehmen.

Heinz Hagemann will zu den guten gehören. Dabei führt der geschäftsführende Gesellschafter der Weseralu GmbH aus Minden ein Unternehmen der energieintensiven Metallbranche. Seine 70 Mitarbeiter erhitzen Aluminium, um daraus Fensterrahmen und Türschwellen für die Bauindustrie zu pressen. Auch Auto- und Maschinenbauer zählen zu den gut 350 Kunden des mittelständischen Metallpresswerks.

Um seine Energiekosten zu senken, setzt Weseralu als weltweit erstes Unternehmen einen Induktionsheizer mit Hochtemperatursupraleitern ein. Der kann einen Aluminiumblock in 75 Sekunden erhitzen – früher dauerte das zweieinhalb Minuten. „Unsere Wettbewerber haben noch Bedenken gegenüber der neuen Technik, aber wir sind begeistert“, sagt Hagemann. Dank der neuen Anlage spart das Unternehmen 50 000 Euro Energiekosten pro Jahr.

Das Forscherteam um Nicholas Bloom hat für seine unter dem Titel „Modernes Management: Gut für die Umwelt oder nur heiße Luft?“ erschienene Arbeit die Daten aus zwei Studien miteinander in Beziehung gesetzt. Zum einen nutzten die Forscher Informationen zum Energieverbrauch der Unternehmen, die sie von der britischen Statistikbehörde bekamen. Zum anderen mussten sie quantifizieren, was ein gut geführtes Unternehmen ausmacht. Dazu konnten sie auf eine Studie der London School of Economics zurückgreifen, für die Studenten in 45-minütigen Telefoninterviews Manager zu ihren Führungspraktiken befragt hatten.

Die Manager sollten beschreiben, wie sie Produktionstechniken verbessern und überwachen, strategische Ziele verfolgen und nach welchen Kriterien sie über Bezahlung, Beförderung oder Entlassung ihrer Mitarbeiter entscheiden. Anschließend wurden die Managementpraktiken auf einer Skala von eins (ganz schlecht) bis fünf (sehr gut) bewertet. Ausgestattet mit diesen Daten, konnten Bloom und seine Co-Autoren ausrechnen, dass gutes Management tatsächlich gut für die Umwelt ist. Schließlich pusten Unternehmen, die Energie sparen, auch weniger klimaschädliches Kohlendioxid in die Atmosphäre.

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