Entrepreneur
Das Geheimnis des Unternehmertums

Obwohl jedes Jahr hunderttausende Arbeitsplätze von Gründern geschaffen werden, sind Entrepreneure für die Wissenschaft in viele Belangen noch ein unbeschriebenes Blatt. Nun haben Betriebswirte untersucht, was erfolgreiche Entrepreneure antreibt und erfolgreich macht - und Erstaunliches festgestellt.
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KÖLN. Unternehmer gelten als Einzelkämpfer, als Workaholics. Sie seien nur auf Gewinnmaximierung fokussiert - Privatleben Fehlanzeige. Vorurteile gibt es viele, manchmal auch Neid auf den sichtbaren Erfolg. In der Beliebtheitsskala der Berufe, die von Ärzten angeführt wird, liegen sie weit abgeschlagen am unteren Ende.

Aber was ist dran an diesen Klischees? Immer mehr Wissenschaftler an Universitäten rund um die Welt gehen dieser Frage auf den Grund und erforschen, was erfolgreiche Unternehmer wirklich auszeichnet. Sie hoffen, dass ihre Erkenntnisse dabei helfen, potenzielle Gründer zu identifizieren und sie bei der Gründung besser als bislang zu unterstützen.

Denn die wichtige Funktion der Unternehmer für Beschäftigung und Wirtschaftswachstum ist in der Wissenschaft unbestritten. Allein in Deutschland entstehen jedes Jahr rund 625 000 neue Arbeitsplätze durch Neugründungen, schätzt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung.

Um das Rätsel Unternehmertum zu entschlüsseln, befragten vier Wissenschaftler der amerikanischen Duke-Universität 549 Gründer aus verschiedenen Branchen zu ihrer sozialen Herkunft, ihrem Bildungsstand und ihren Motiven, ein Unternehmen zu gründen. Das Forscherquartett kam zu überraschenden Ergebnissen: So räumt es damit auf, dass sich viele Gründer aus ärmsten Verhältnissen hocharbeiten und es vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen. Tatsächlich stammt weniger als ein Prozent der Unternehmer aus den ärmsten Gesellschaftsschichten.

Die große Mehrheit der Gründer gehört der Mittelschicht an. Die Zahl derjenigen Entrepreneure, die schon vor ihrer Unternehmensgründung finanziell unabhängig waren, liegt dagegen unter einem Prozent.

Die Forscher überraschte auch der überdurchschnittliche Bildungsstand der Gründer. 95 Prozent besitzen einen Bachelor oder einen höheren akademischen Abschluss. Die meisten Gründer zählten bereits in ihren Schulklassen und an den Universitäten zum leistungsstärksten Drittel. Etwa die Hälfte von ihnen liebäugelte schon während der Ausbildung mit einer Selbstständigkeit.

Die ausschlaggebende Motivation, diesen Plan tatsächlich umzusetzen, passt dagegen wieder etwas besser ins Klischee: die Aussicht, reich zu werden. Besonders bei Gründern, die aus der Arbeiterschicht stammen, ist der finanzielle Anreiz entscheidend. Die Mehrheit der Gründer findet es außerdem verlockend, sein eigener Herr zu sein und eine eigene Geschäftsidee zu verwirklichen.

Geringer als erwartet fällt dagegen der Einfluss von Eltern und Freunden aus. Die meisten Befragten sind die einzigen Unternehmer in ihrem persönlichen Umfeld und stammen nicht aus Familienunternehmen. Die Ermutigung und Unterstützung durch Freunde und Familie spielt für sie kaum eine Rolle - sie motivieren sich selbst, zeigt die Studie. Dennoch sind sie eher Familienmenschen. Mehr als zwei Drittel der Befragten sind bei ihrer ersten Gründung bereits verheiratet, knapp 60 Prozent haben Kinder.

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