Entwicklungspolitik
Schwellenländer in der Falle

Die aufstrebenden Wirtschaftsnationen bleiben oft bei einem mittleren Einkommensniveau hängen. Auch China nähert sich mittlerweile einer kritischen Schwelle. Die Ökonomen sind sich über die beste Strategie uneins.
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BangkokDie BRIC-Staaten, bisher Hoffnungsträger der Weltwirtschaft, erleiden einen Schwächeanfall. Brasilien und Russland wachsen nur noch langsam, Indiens Erholung lässt immer noch auf sich warten. Vor allem der Musterknabe China wird müde. Erst im Juni senkte die Weltbank ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr auf unter acht Prozent, was schon wieder optimistisch aussieht.

Geht die Ära der Schwellenländer zu Ende? Es wäre nicht das erste Mal, dass die Aufholjagd aufstrebender Staaten im Mittelmaß versandet. Es gibt sogar einen Namen für das Phänomen: "Middle Income Trap" - eine Falle für aufstrebende Staaten, die sie bei einem mittleren Pro-Kopf-Einkommen am weiteren Aufstieg hindert.

Nur gut ein Dutzend Staaten hat es seit 1960 geschafft in die Topliga aufzusteigen. Griechenland, Südkorea oder Taiwan zählten dazu. Andere, wie Argentinien oder Thailand, konnten in ihren Boomphasen ebenfalls jahrelang mit rund zehn Prozent wachsen, blieben dann aber auf halber Strecke liegen.

Eine aktuelle Studie von Barry Eichengreen von der kalifornischen Universität Berkley verdeutlicht die Gefahr: Er analysierte die wirtschaftliche Entwicklung von über 40 Entwicklungsländern zwischen 1957 und 2010. Das Ergebnis: Viele haben bei einem Bruttoinlandsprodukt von 10 000 bis 11 000 Dollar, andere zwischen 15 000 und 16 000 Dollar mit Wachstumsabschwächung zu kämpfen. China nähert sich der ersten Grenze. Eichengreen ist skeptisch, dass das Land der Falle entkommen kann. "Sollte sich das Wachstum weiter abschwächen, würde das gut zu unserem Resultat passen", sagt Eichengreen dem Handelsblatt.

Zu Beginn profitieren arme Länder von ihrem billigen Angebot an Arbeitskräften. Die niedrigen Löhne locken Investoren an. In den Fabriken sind Arbeiter deutlich produktiver als in der Landwirtschaft, das Pro-Kopf-Einkommen steigt rapide an. Doch dann verknappt sich das Angebot an billigen Arbeitern, die Löhne steigen.

Für den endgültigen Sprung an die Spitze muss die Wirtschaft dieser Länder auf bessere Produktionsverfahren oder hochwertigere Produkte umrüsten. Denn reich wird man als Land nicht, indem man sich als verlängerte Werkbank für die Industrieländer betätigt und für diese die einfachen Arbeiten erledigt. Am iPhone 3G, das in China zusammengebaut wurde, verdiente das Land pro Mobiltelefon gerade einmal 6,50 Dollar, hat das Marktforschungsunternehmen Isuppli ausgerechnet.

Kommentare zu " Entwicklungspolitik: Schwellenländer in der Falle"

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  • "Nur gut ein Dutzend Staaten hat es seit 1960 geschafft in die Topliga aufzusteigen. Griechenland, Südkorea oder Taiwan zählten dazu."
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    So herzlich habe ich schon lange nicht mehr gelacht. Griechenland und Topliga? Da lachen die Hühner ebenfalls. Südkorea und Taiwan sind hochindustrialisierte Länder, die besonders für hochwertige Fahrzeuge, Konsumelektronik und Schiffsbau bekannt sind. Für was ist bitteschön Griechenland bekannt? Welche konkurrenzfähige, innovative High Tech Produkte werden dort hergestellt? Griechenland "kann" Olivenöl und Schafskäse und ist Experte im Beamtenhätschelnund Nassauern, sonst nichts. Es wurde übrigens vor kurzem m.E. völlig zu Recht zum Entwicklungsland herabgestuft.

    Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (kaufkraftbereinigt):
    Südkorea: 32.272 US$ (Platz 27)
    Taiwan: 37.720 US$ (nicht plazierbar, da im Ranking nicht als Nation geführt; ungefähr wie Dänemark auf Platz 21)
    Griechenland: 24.505 US$ (Platz 42)
    Zum Vergleich:
    Deutschland: 39.028 (Platz 18)

    Bei Patentanmeldung beim EPA sieht's so aus (je 1 Million Einwohner):
    Südkorea: 290
    Taiwan: 51
    Griechenland: 12
    Zum Vergleich
    Deutschland: 430

    Noch Fragen? 8-)
    Griechenland ist weder leistungsfähig noch innovativ, ein aufgeblähter Beamtenstaat mit kaum Wertschöpfung.

  • Sie schreiben "... seit 1960 geschafft in die Topliga aufzusteigen. Griechenland, Südkorea oder Taiwan zählten dazu." Wie ist das zu verstehen? Ist Griechenland nicht ein Paradebeispiel dafür, wie man eben nicht in die Topliga aufsteigt - mit seinem durch Zahlen-Betrug, EU-Subventionserschleichung und explosionsartiger Verschuldung aufgeblähtem BIP, das nun in den Jahren der Wahrheit in Grund und Boden implodiert? Griechenland ist doch exakt das Gegenteil von Taiwan und Südkorea, wo man sich schuldenfrei, durch Fleiß, Bildung, wettbewerbsfähige Produkte, mit viel Hightec und Innovation an die Weltspitze gearbeitet hat.

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