Essay
Es werde Geld – es werde Krise

Die Vorschläge zur Regulierung der Finanzmärkte gehen an einen fundamentalen Problem vorbei: Banken schaffen mit einem simplen Trick seit Jahrhunderten scheinbaren Reichtum, der sich immer wieder in Luft auflöst. Seit 1970 hat diese Praxis den Ländern der Welt 124 systemische Bankenkrisen beschert.
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Über die Gründe für die derzeitige Finanzkrise ist viel gesagt und geschrieben worden. Das meiste davon ist richtig. Und doch kratzt es meist nur an der Oberfläche des Problems.

Wenn Ratingagenturen reguliert werden und Finanzinstitute einen Teil der Risiken, die sie in Wertpapiere verpacken, selbst behalten müssen, wird lediglich gewährleistet, dass die nächste Krise nicht wie die letzte aussieht. Entschärft wird sie dadurch nicht. Wer das will, der muss grundsätzlicher ansetzen und den Banken die Möglichkeit beschneiden, jeden Euro fremden Geldes, das bei ihnen deponiert wird, nicht nur fünfmal oder zehnmal, sondern bis zu 50-mal an ihre Kreditkunden weiterzuverleihen.

Den eigentlichen Ursprung der langen Kette von Bankenkrisen, die die Industrieländer in den letzten Jahrhunderten heimgesucht haben, umgehen Wirtschaftswissenschaft und Praktiker in weitem Bogen. Als Walter Eucken in den 30er-Jahren anregte, den Banken eine hundertprozentige Deckung ihrer Kundeneinlagen mit Zentralbankguthaben aufzuerlegen, fand dieser Vorschlag des ansonsten sehr einflussreichen Wissenschaftlers keine Resonanz. Selbst dass Nobelpreisträger Milton Friedman sich den Vorschlag zu eigen machte, bewahrte die Idee nicht davor, in der Obskurität zu verschwinden.

Der moderne Mensch muss erst wieder lernen, über die moderne Bankenpraxis zu staunen. Sie ist so normal geworden, dass sie alternativlos scheint. Und doch muss es eine Alternative geben zu dieser Praxis, die nach Zählung zweier IWF-Volkswirte allein seit 1970 den Ländern der Welt 124 systemische Bankenkrisen mit zumeist schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaft beschert hat.

Seinen Ursprung nahm die Geldschöpfung durch Banken in der Zeit, als das Bezahlen mit Gold- oder Silbermünzen die Norm war. Um hohe Transaktionskosten aus dem Transport von Gold zu vermeiden, wurden die Empfangsquittungen von vertrauenswürdigen Verwahrern des Edelmetalls als Zahlungsmittel benutzt. Zu Anfang waren das oft Goldschmiede, später Bankiers.

Bald kamen aber die Verwahrer auf die Idee, dass mit dem ihnen anvertrauten Gold der Kunden ein Zusatzgeschäft zu machen war. Man mag es Betrug nennen - oder eine geniale Geschäftsidee: Sie gaben das Gold ihrer Kunden als Kredit an Dritte weiter und behielten nur eine Sicherheitsreserve, um Rückforderungen von Kunden bedienen zu können.

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Kommentare zu " Essay: Es werde Geld – es werde Krise"

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  • ich danke dem Handelsblatt für diesen Artikel!!!

    Damit zeigen sie, dass sie nicht zu den Systemmedien gehört!
    in den Systemmedien ( Financial Time, Welt.de,TV, Radio... ) werden wir täglich mit Pseudowissen abgelenkt. Wir haben keine Wirtschaftskriese sondern eine Geldkrise bedingt durch das ungedeckte Schuldgeld. Wer mehr erfahren möchte sollte bei Youtube folgende berichte sehen:
    1. Zeitgeist 1 + 2
    2. Endgame
    3. Codex Alimentarius

    Diesen Artikel sollten alle Leser an ihre Freunde und bekannten schicken, es geht um die Zukunft unserer Kinder!


    Danke!!!

  • "Finanznöte als Dauerproblem"
    "Reformblockade der Privilegierten"
    "Aufklärerisches Denken und Politisierung"
    "Teuerung als sozialer Treibsatz"
    Diese Schlagwörter beinhalten einen Lösungsansatz.
    Ach nee das ist ja schon ~200 Jahre alt, hatte damals aber eine nachhaltig reinigende Wirkung.
    Denken Sie nur weiter über die Lösung nach, allein Sie werden keine finden..........................

  • Wie Smuf McFudel schon richtig angemerkt hatte wäre selbst eine 100%-ige Deckung der Einlagen keine Lösung, um der exponentiellen Zinseszinsfunktion dauerhaft entgegenzuwirken, sondern nur ein Hinauszögern des Zusammenbruchs (Währungsreform). Jedes exponentielle System ist früher oder später dem Untergang geweiht. Ziel muß es daher sein, den Kapitalzins auf 0% zu drücken, weil nur dann die zerstörerische Wirkung der Exponentialfunktion eliminiert werden kann. Wie das geht? Grundsätzlich durch einen Anreiz, Geld ständig in Umlauf zu bringen bzw. nicht zu horten. Dadurch würde das sowieso nicht funktionierende Hilfskonstrukt inflation komplett wegfallen und noch so einige Sachen mehr, die ich hier nicht in einigen Sätzen ausführen kann. Silvio Gesell und Otto Valentin könnten weiterhelfen.

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