Ethik-Regeln für Volkswrite: "Ein großer Schritt nach vorne"

Ethik-Regeln für Volkswrite
"Ein großer Schritt nach vorne"

Gerald Epstein, Ökonomie-Professor an der University of Massachusetts Amherst, hat in einer Studie massive Interessenkonflikte von Finanzmarktforschern aufgedeckt. Vor einem Jahr hat der Forscher daraufhin einen offenen Brief initiiert, in dem 300 Ökonomen ihren eigenen Berufsverband American Economic Association (AEA) zur Einführung von Ethikstandards aufforderten. Im Gespräch mit Olaf Storbeck bewertet Epstein die jetzt beschlossenen Transparenzregeln..
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Handelsblatt: Herr Epstein, wie zufrieden sind Sie mit den von der American Economic Association beschlossenen Offenlegungspflichten für Ökonomen?

Epstein: Ich halte die Regeln für einen großen Schritt nach vorne. Sie lassen keinen Zweifel daran, wie wichtig die Offenlegung möglicher Interessenkonflikte für Volkswirte ist. Außerdem beschreiben sie detailliert, in welchen Fällen Transparenz erforderlich ist. In mancher Hinsicht sind diese Richtlinien strenger als ich es erwartet hätte.

Handelsblatt: Können Sie dafür ein Beispiel geben?

Epstein: Ich hätte damit gerechnet, dass die Offenlegung möglicher Interessenkonflikte nur empfohlen wird. Die AEA-Regeln verlangen dies aber ausdrücklich. Bemerkenswert ist die große Bandbreite der Fälle, in denen Transparenz eingefordert wird. Betrachtet werden nicht nur finanzielle Interessen. Ausdrücklich genannt werden zum Beispiel auch Gruppen, die aus ideologischen Gründen ein Interesse an den Ergebnissen einer Forschungsarbeit haben können. Damit wird ein sehr großer Bereich abgedeckt. Das begrüße ich sehr.

Handelsblatt: Die Regeln gelten aber nur für Forscher, die in den sieben von der AEA herausgegebenen Zeitschriften einen Aufsatz veröffentlichen wollen.

Epstein: Das stimmt, aber die AEA empfiehlt ausdrücklich, dass die gleichen Kriterien für alle anderen öffentlichen Aktivitäten von Ökonomen gelten sollten - auch für nicht-wissenschaftliche Publikationen, Medienauftritte und Gutachtertätigkeiten. Ich hoffe, dass diese Regeln dabei helfen, neue Normen zu setzen, an denen Kollegen, Journalisten, Studenten und Bürger Ökonomen messen können..

Handelsblatt: Was fehlt Ihnen in den Offenlegungsregeln?

Epstein: Wenn man kleinlich sein wollte, könnte man bemängeln, dass Ökonomen finanzielle Interessenkonflikte erst offenlegen müssen, wenn es um Beträge von über 10 000 Dollar geht. Für einen Volkswirt mit niedrigem Gehalt können auch geringere Summen von Bedeutung sein. Ich kann aber mit dieser Klausel leben - in der Praxis wird sie für die meisten Ökonomen, die viel Geld mit Beratertätigkeiten verdienen, greifen.

Handelsblatt: Was sollte Ihrer Meinung nach als Nächstes passieren?
Epstein: Die AEA-Regeln sollten über alle Kanäle bekanntgemacht werden. Wichtig wäre, dass sich Journalisten, Studenten und andere dafür einsetzen, dass sie auch für andere Fachzeitschriften sowie für öffentliche Auftritte von Ökonomen, wie TV- und Radiointerviews, zum Standard werden.

Handelsblatt: Welchen Einfluss werden die Regeln haben?

Epstein: Klar ist, dass die Öffentlichkeit mehr Informationen bekommt. Die Auswirkungen auf die Arbeit von Volkswirten sind aber schwer zu prognostizieren. Das lässt sich erst nach fünf Jahren sagen.

Handelsblatt: Sollten sich Ökonomenverbände außerhalb der USA diese Regeln zum Vorbild nehmen?

Epstein: Ja, auf jeden Fall. Für andere Standesorganisationen sind sie ein guter Ausgangspunkt.

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