Ethisches Investment
Wie Gutmenschen Geld verdienen

Studien zeigen: Nachhaltige Geldanlagen werfen hohe Erträge ab - warum das so ist, können Ökonomen noch nicht erklären.

Die Vorschriften sind eindeutig, und sie sind strikt. In Waffenhändler darf nicht investiert werden, Alkohol- und Tabakhersteller stehen auf dem Index, Glücksspiel-Unternehmen ebenso. Die internen Richtlinien eines Fonds für ethische Geldanlagen?

Mitnichten. Es waren die Quäker in Großbritannien, die sich diese Anlageregeln ausgedacht haben. Im 18. Jahrhundert hat die religiöse Bewegung erfunden, was Ökonomen heute "Negativscreening" nennen. Heute ist das eine der Methoden, mit denen Banken und Fondsgesellschaften nachhaltige Geldanlageprodukte kreieren.

Fonds, die auf Sozial- und Umweltstandards achten, sind längst mehr als ein Nischenprodukt für notorische Weltverbesserer. In den USA steckt heute jeder achte Dollar, den institutionelle Anleger verwalten, in ethischen Investments - rund drei Billionen Dollar.

Aber was kostet es einen Anleger, ein Gutmensch zu sein? Wie groß sind die Renditeabschläge, die man für ein reines Gewissen in Kauf nehmen muss? Immer mehr Finanzmarktforscher gehen diesen Fragen nach. Und ihre Antworten sind verblüffend: Nachhaltige Geldanlagen werfen keineswegs automatisch weniger Erträge ab.
Möglicherweise ist sogar das Gegenteil der Fall - darauf zumindest deutet eine Studie von Alexander Kempf, Direktor des Kölner Centre for Financial Research, hin. Zusammen mit seinem Koautoren Peer Osthoff stellte Kempf fest: Investoren, die gezielt in besonders ethische Unternehmen investieren, können mit höheren Gewinnen rechnen.

Die Forscher verglichen, wie sich zwei gegensätzliche Aktienportfolios über zwölf Jahre hinweg entwickelten. In einem befanden sich Anteile von amerikanischen Unternehmen, die in einem Ethikranking zu den besten zehn Prozent ihrer Branche zählten, im zweiten solche, die im Ranking am unteren Ende lagen. "Man erkennt deutlich, dass das nachhaltige Portfolio höhere Renditen aufweist", sagt Kempf. Während die besonders ethischen Aktien im Schnitt 12,5 Prozent Rendite abwarfen, waren es bei den "unethischen" nur 9,5 Prozent.

Zu ähnlichen Ergebnissen sind auch Mike Barnett (Said Business School an der University of Oxford) und Robert Salomon (Stern School of Business, New York University) in ihrer Untersuchung gekommen: Aktienfonds, die besonders strengen Ethikkriterien folgen, werfen höhere Gewinne ab. Und Konzerne, die "Corporate Social Responsibility" (CSR) besonders ernst nehmen, erwirtschaften höhere Gewinne.

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