Euro-Retter
Zwangsdiät nach Fehldiagnose

Die Troika der Euro-Retter verlangt den Krisenländern extreme Einsparungen ab. Doch ihre Rezepte beruhen auf falschen Diagnosen: Die Experten verrechnen sich systematisch mit fatalen Folgen für die Wirtschaft der Länder.

DüsseldorfDen Ökonomen der EU-Kommission unterlaufen immer wieder schwerwiegende Fehler, immer wieder in die gleiche Richtung: Die künftige Entwicklung der Wirtschaftsleistung in den Krisenstaaten von Italien bis Griechenland stellt die Kommission in ihren Berichten regelmäßig viel zu rosig dar. Das hat für die Länder gravierende Folgen.

Besonders krass daneben lag sie Jahr für Jahr bei Griechenland. Für 2011 sagte die EU-Kommission im damaligen Frühjahrsbericht einen Rückgang des BIP in Höhe von 3,5 Prozent voraus. 2012 sollte die Wirtschaft sogar bereits wieder wachsen. Das hatte sie auch in den Vorjahren für das jeweils kommende Jahr vorausgesagt.

Es kam anders: 2011 brach das BIP um mehr als sieben Prozent ein, und auch in diesem Jahr wird die Wirtschaftsleistung in Griechenland wohl um rund sechs Prozent zurückgehen. In Italien und Spanien hat sich die EU-Kommission in die gleiche Richtung verschätzt, wenn auch weniger stark.

Die untauglichen Prognosen der Kommission sind ein Problem, denn sie bestimmen maßgeblich den Kampf gegen die Schuldenkrise. Staatschefs, Minister und die Experten von EZB, EU und IWF greifen auf die Vorhersagen der EU-Kommission zurück, wenn sie Konzepte entwickeln, wie Staatshaushalte wieder tragfähig gemacht werden können.

Die rosigen Zahlen der Behörde verleiten die Krisenbekämpfer dazu, den Problemstaaten radikale Sparprogramme aufzubürden, im Glauben, die Wirtschaft sei robust genug, das wegstecken zu können. Das könnte sich als Trugschluss erweisen: Sind die Prognosen falsch, droht die bittere Sparmedizin die Konjunktur abstürzen zu lassen und damit die Staatsfinanzen noch mehr zu zerrütten.

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