Eurokrise
Der hohe Preis eines Haircuts

Griechenland rückt immer näher an einen Schuldenschnitt. Doch nach neuen Erkenntnissen werden Pleitestaaten nach einem Haircut von den Finanzmärktenbestraft. Mit Vergebung der Investoren kann Athen nicht rechnen.
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LondonEs ist ein merkwürdiger Begriff für ein so simples wie unangenehmes Phänomen auf den Finanzmärkten: "Haircut". So nennen es die Fachleute, wenn ein Schuldner in die Insolvenz rutscht und seine Kredite nur noch teilweise zurückzahlen kann. Wenn Sie der griechischen Regierung 100 Euro leihen, aber nur 60 Euro zurückbekommen, haben Sie einen Haircut in Höhe von 40 Prozent erlitten.

Die Herkunft des Begriffs ist unklar - offenbar hat er sich erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten eingebürgert. Im "American Economic Review" erwähnt ein Volkswirt den Begriff im Zusammenhang mit Finanzmärkten erstmals 1989.

Dank der Euro-Krise ist der Begriff heute fest im Alltagsdeutsch angekommen. Mit Händen und Füßen versucht die Europäische Zentralbank, jede Form von Haircut bei Anleihen aus Problemstaaten zu verhindern - Volkswirte dagegen machen sich für Haircuts stark. Und auch die EU-Regierungen scheinen einen Schuldenschnitt nicht mehr kategorisch auszuschließen.

Doch ein Schuldenschnitt wäre für Griechenland hochgradig riskant - das ist die Botschaft einer neuen Studie eines deutsch-argentinischen Forscherteams, die vor wenigen Tagen auf dem Weltkongress der International Economic Association in Peking vorgestellt wurde.

Ein Haircut dürfte dazu führen, dass Griechenland über Jahre auf den internationalen Kreditmärkten zum Paria würde. Wenn sich das Land überhaupt noch neues Geld leihen kann, dann nur zu extrem hohen Zinsen, so das Fazit der Arbeit.

Die Finanzmärkte haben mit Blick auf Staatsbankrotte ein Elefantengedächtnis, zeigen Juan Cruces von der Universität Torcuato Di Tella in Argentinien und Christoph Trebesch von der Berliner Hertie School of Governance. "Länder, die ihre Schulden nicht pünktlich bezahlen, werden auf den Kreditmärkten hart und dauerhaft bestraft", stellen die beiden Ökonomen fest.

Die Arbeit mit dem Titel "Sovereign Defaults: The Price of Haircuts" stellt den alten Konsens in der Wirtschaftswissenschaft zu den Folgen von Hair-Cuts nachhaltig infrage.

Bislang waren Forscher, die historische Präzedenzfälle von Haircuts untersucht hatten, immer zu einem anderen, beruhigenderem Ergebnis gekommen: Die Finanzmärkte schienen das Fehlverhalten von Regierungen schnell zu verzeihen - die Sorge, dass Länder nach einer Staatsinsolvenz über viele Jahre vom weltweiten Kapitalmarkt abgeschnitten wären, schien unbegründet.

Kommentare zu " Eurokrise: Der hohe Preis eines Haircuts"

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  • Gibt es nicht die Möglichkeit einen Haircut in Stufen von z.B. 5% durchzuführen? So ein "Stufenschnitt" hätte vielleicht den Vorteil dass man bei jeder Stufe auch sehen könnte welche Auswirkungen sich im CDS Markt ergeben. Die Versicherungssummen die dann jeweils fällig werden wären vermutlich gering und man behielte die Kontrolle. Den Stufenschnitt könnte man ja jederzeit abbrechen. Das könnte der Politik vielleicht die Angst vor einer Lehman-ähnlichen Kettenreaktion nehmen. Die Zielgröße des Haircuts könnte man ja auch vorher bekanntgeben und lediglich den Zeitrahmen offen lassen. Die Märkte wüssten dann zumindest was auf sie zukommt und die Unruhe dürfte sich auflösen. Parallel muss natürlich Griechenland irgendwie einen ausgeglichenen Haushalt hinkriegen und so die Abhängigkeit vom Kapitalmarkt durchbrechen. Ohne das bringt alles nix.

  • @ Markus Diehl: Das stimmt so nicht, was sie da schreiben. Die Forscher haben weitreichende Robustness-Tests gemacht (S 18ff). Dort heißt es:

    "We start by selecting various sub-samples and find results to be very robust throughout. In a first step, we restrict the time frame to 1998-2010, thus dropping all Brady-era observations of 1993-1997 (column 2 of Table 5). Next, we focus on the subsample of defaulters, defined here as countries that restructured sovereign debt at least once after 1985. In both cases we find the results to be very similar to the benchmark specification in column (1). We find even stronger results when dropping three outlier countries, namely Argentina, Iraq and Russia, which all defaulted unilaterally on large volumes of debt and which imposed exceptionally high haircuts of 50% or higher. Without these outliers, the coefficient for the lagged haircut variable turns significant in year 3, and is much higher than in the benchmark equation (column 4). The same is true when implementing an even more demanding robustness check, which excludes all countries that imposed haircuts higher than 37%. Column (5) shows that the , coefficients are nearly twice as high in this subsample compared to the benchmark."
    Beste Grüße
    Olaf Storbeck, Handelsblatt

  • Tja, leider haben das unsere Politiker und auch die anderen EU Staaten noch nicht gespannt bzw. noch nicht für nötig gefunden dies als Prio 1 Lösung den Griechen aufzuerlegen. Nein, wir in der EU machen das so, dass die Griechenpolitiker den armen Teil der Griechen zum Sparen und Rente bz. Lohn abgeben verdonnern und selbst zusammen mit den Reichen weiterhin in Saus und Braus leben bzw die Griechenpolitiker es nicht wagen an die reichen heranzutreten. Dafür nhemen sie es lieber in Kauf sich mit den unteren Schichten Strassenschlachten zu liefern. Wenn die Politik in Griechenland vorangehen würde z.B. mit Gehaltsverzicht und auch die reichen mit einer Sondersteuer belegen würde, dann würde der rest des Volkes sicherlich auch mitziehen. Aber so wird mal wieder, wie auch bei uns, die Mittel- und Unterschicht noch mehr gemolken, koste es was es wolle und die EU um Hilfe gebeten. Peinlich, peinlich, wenn ich ein reicher Grieche wäre, würde ich jetzt anfangen zu Spenden und das nicht zu knapp. Vielleicht wäre es ja auch eine Idee ein Gesetz zu kreieren das man Spenden in Griechenland auch absetzen kann wenn es dem Land wieder besser geht. Wäre doch mal eine Idee um die reichen Griechen zur Solidarität mit ihrem Land zu bewegen, da würden die sicher mitmachen, wäre ja ein Geschäft für sie......

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