Eurokrise: Deutsche-Bank-Volkswirt warnt vor Kollaps des Geldsystems

Eurokrise
Deutsche-Bank-Volkswirt warnt vor Kollaps des Geldsystems

Trotz Rettungsschirm und Fiskalpakt - die Euro-Zone hat die psychologische Vertrauenskrise nicht bewältigt, warnt Thomas Mayer bei der Konferenz „Ökonomie neu denken“. Das gesamte Geldsystem könne ins Wanken geraten.
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FrankfurtThomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, hat vor einer erneuten Verschärfung der Krise gewarnt. In der ersten Stufe der Krise sei das Vertrauen in die private Finanzwirtschaft verloren gegangen, in der zweiten das Vertrauen in die Staatsfinanzen. „Falls das Vertrauen nicht zurückkehrt, könnte die nächste Stufe eine Krise des gesamten Geldsystems sein“, sagte am Mayer am Vormittag in Frankfurt bei der von Stifterverband und Handelsblatt veranstalteten Konferenz „Ökonomie neu denken“.

Als Ursache dafür, dass 2007 auf dem amerikanischen Immobilienmarkt eine der größten Kreditblasen aller Zeiten platzte und die Finanzkrise auslöste, machte der Ökonom den Verlust von Vertrauen auf den Märkten aus. Diese psychologische Komponente sei der „alles entscheidende Faktor im Gesamtsystem“, so Mayer. Weil dieses Vertrauen noch lange nicht wieder vollständig hergestellt sei, fürchtet der Chefvolkswirt, dass die Krise bald eine ganze neue, heikle Dynamik entwickeln könnte.

Die Zentralbanken hätten zwar grundsätzlich richtig gehandelt, als sie die Märkte in der Notsituation mit frischem Geld fluteten, doch liege in diesem Vorgehen auch eine Gefahr: „Das Vertrauen, das sonst durch Kreditbeziehungen entsteht, haben die Zentralbanken versucht, durch Zentralbankgeld zu ersetzen“, so Mayer. Besonders in Europa, wo die Zentralbanken zögerlicher als in Amerika reagiert hätten, sei zu befürchten, dass diese Rechnung nicht aufgehe. „Wenn die Menschen das Vertrauen in diesen Mechanismus verlieren, folgt die Krise des Geldsystems“, prognostizierte der Volkswirt. Die mögliche Folge wäre eine Hyperinflation.

Um dieses Schreckenszenario zu verhindern sieht Mayer die zentrale Aufgabe von Praktikern und Akademikern darin, wieder mehr Vertrauen in die Abläufe auf den Märkten und zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern aufzubauen: „Das ist eine schwierige Aufgabe. Wir müssen erklären, was wir künftig anders machen wollen.“ Man befinde sich derzeit in einer Art Übergangsphase: Die alten Paradigmen seien zerbrochen, die neuen noch nicht erkennbar.

Seiner Branche stellte der Ökonom des größten deutschen Kreditinstituts bei seinem Vortrag ein miserables Zeugnis aus. Die gesamte Finanzbranche habe in der Vergangenheit in einer „Kontroll-Illusion“ gelebt. Man habe daran geglaubt, dass die Zentralbanken die Wirtschaft durch ihre Inflationsbekämpfung kontrollieren könne und man die Märkte weitgehend sich selbst überlassen könne. „Auf zuversichtlichen Annahmen wie dieser haben wir eine ganze Industrie aufgebaut“, sagte Mayer selbstkritisch. Lange sei das gut gegangen, auch die Realwirtschaft, zum Beispiel deutsche Exportunternehmen hätten von den Übertreibungen auf den Finanzmärkten profitiert. Doch der Knall sei zwangsläufig gewesen: Mayer verglich das Verhalten der Finanzindustrie vor der Krise mit Piloten, die einen Jumbo-Jet nur mit dem Navigationssystem steuerten, ohne aus dem Fenster zu schauen. Mayer: „Den Berg, auf den wir zurasten, haben wir übersehen.“ 

Kommentare zu " Eurokrise: Deutsche-Bank-Volkswirt warnt vor Kollaps des Geldsystems"

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  • Dieses Zinsesszinssystem in Verbindung mit einer Währungsunion welche nur auf Fiatgeld (auch Fiat-Money) aufgebaut ist und absolut nichts mit einer dringend notwendigen Wirtschaftsunion zu tun hat, wird bereits in absehbarer Zeit zum BigBäng führen.

    Noch nichts von „Fiat Money“ gehört/gelesen? - Dann wird es aller höchste Zeit!!

    z.B. hier:

    http://www.wirtschaftsblatt.at/home/schwerpunkt/wochenend_dossier/fiat-money-es-werde-geld-1-470796/index.do

    Bitte nicht vergessen, wir leben in einer lobbyistisch verseuchten EU-Diktatur und Merkozie & Co sind die politischen Hauptmarionetten!

  • Das kranke Geldsystem!!
    Geld darf nur für eine realwirtschaftliche Leistung entstehen. Nur dann ist sichergestellt, dass es nie zu viel Geld geben kann. Das Gleichgewicht zwischen Finanz- und Realwirtschaft wäre dann wieder intakt.
    Das wahre System schafft aber aus Geld noch mehr Geld!!
    Und die Banken wissen nicht wohin mit diesen abstrakten Zahlenketten!
    "Zinsen schaffen neues Geld"

    Rechne mal aus, was Jesus für Zinseinkünfte heute gehabt hätte, wenn er damals im Jahre 0 zu seiner Geburt von der Sparkasse ein Sparbuch mit 5€ mit einer jährlichen 5% -tigen Verzinsung bekommen hätte.

    Bereits nach 100 Jahren hätte er 626.20 € gehabt und heute, also nach 2012 Jahre wären aus 5€ ganze 93.335.890.097.958.290.665.930.285.308.182.528,00 € geworden.

    Die Weltwirtschaft würde allein durch ein Sparbuch zusammenbrechen.

    Was soll diese Theater-Spiel von Euro-Merkozie & Co.?
    Warum wird an diesem kranken „Geldsystem“mit allen Mitteln festgehalten?

  • Was habe ich aus diesem blog lernen dürfen:
    dass es zu viele Spinner gibt, die über Wirtschaft reden, ohne sie zu verstehen. Gottseidank hat keiner dieser Schwarzseher ,Entschuldigung, Forumschreiber irgendwelchen Einfluss auf die Dinge.
    Merke: das System wankt, aber es fällt nicht, weil irgendwann das Vertrauen wieder da sein wird, nachdem die wahren Schuldner ausgeschieden sind!

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