Europäische Ökonomen
„Europa steuert schlafwandelnd auf Katastrophe zu“

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Großzügige EZB und freiwillige Umschuldungen sollen helfen

Auf einem ersten Treffen in Brüssel hatte der Ökonomenkreis Ende Juni im Auftrag des von Hedgefonds-Manager George Soros finanzierten Inet zur Euro-Krise beraten. Die Bestandaufnahme der Ökonomen ist harsch und kaut dabei auf vielfach diskutierten Gedankengängen herum: Ohne eine kollektive Antwort des Systems werde der Euro sich auflösen. Die Situation an den Märkten, wo einzelne Länder herausgepickt würden, kämen der Realität eines Systemversagens nicht nahe. Diese kollektive Sichtweise dürfe jedoch einzelne Banken oder Finanzaufseher nicht von Schuld freistellen. Obwohl sich die Politiker des Bedarfs einer gemeinsamen Lösung bewusst seien, steuere die Euro-Zone weiter auf den Zusammenbruch zu.

Als Lösungsvorschlag geben die Wirtschaftswissenschaftler europäischen Politikern den Ansatz mit auf den Weg, zwischen kurzfristigen und langfristigen Reparaturen zu unterscheiden. Zunächst müssten akut die Finanzierungsbedingungen für Krisenländer erleichtert werden. So brauche es von deutscher Seite größere Anstrengungen, um die hohen Refinanzierungskosten für Länder wie Spanien und Italien zu senken, sagte Mitautor Feld der „Financial Times Deutschland“.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius hat am Dienstag Forderungen nach einer besseren finanziellen Ausstattung der Rettungsschirme EFSF und ESM gefordert und auch eine Forderung an die Europäische Zentralbank, wieder Staatsanleihen aufzukaufen, um so die Lage zu beruhigen. Letzteren Vorstoß unterstützt auch etwa Angel Gurria, Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD).

Um den Spielraum für langfristige Lösungen zu schaffen, schwebt den Ökonomen das vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Fünf Wirtschaftsweise“) erarbeitete Konzept eines Schuldentilgungsfonds vor. Dort sollten die Schuldenstände der Länder zusammengefasst werden und zeitweise gemeinsamen Anleihen zur Refinanzierung begeben werden. Länder, die davon profitieren wollten, sollen sich im Gegenzug zu regelmäßigen Tilgungen des Fonds bereit erklären.

Kommentare zu " Europäische Ökonomen: „Europa steuert schlafwandelnd auf Katastrophe zu“"

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  • Kein Wunder dass Deutschland der arme Mann Europas ist

  • Artikel in der Finanzialtimes: "Deutschland gerät auf die schiefe Bahn"
    Alle Achtung, jetzt kann ich es auch in der Zeitung lesen, was ich schon lange weiß. Endlich bekomme ich von den Medien auch mal Fakten geliefert und nicht vorgeschobene "Prügelknaben-Länder", zur Panik-Mache und um Hass zu schüren, und die Menschheit zermürbt und entzweit.
    Die Medien sollten viel aktiver zur Aufklärung des "Unwissenden" beitragen, dann können wir vielleicht etwas verändern und den Wahnsinn nicht noch weiter treiben. Die Politik hat doch schon lange die "Realität" verloren. Das sehe ich doch schon an der Planvorgabe im Medaillengewinn im Sport. Was für ein Größenwahnsinn. Unrealistische Planwirtschaft. Alles und Jeden zu steuern, so wie es sich eine "Führung" vorstellt, wie im Kinderzimmer.
    Die Bildung der uns steuernden Personen scheint nicht sehr hhoch zu sein. Nun, ja, wir müssen ja sparen, sogar an der Schulbildung.
    Schade, dass das Handelsblatt zu solchen Aufklärungen nicht beitragen kann.
    Es giebt so viele Wirtschaftökonomen, die das "Große und Ganze" verstehen.
    Nur der "Bürger", worin das Wort bürgen steckt, soll es nicht verstehen, das wäre fatal für unsere deutschen, größenwahnsinnigen und arroganten Politiker.

  • @Londoner
    Soros ein großer Philanthrop??? Dieser Mensch hat durch seine Spekulationen Volkswirtschaften zerstört und hunderttausende in Armut gebracht! Und so einen nennen Sie Philanthrop. Schämen Sie sich.

    Noch heute, lange nach Beendigung der Asienkrise ist Soros der am meisten gehasste Mensch in Asien!

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