Experimentelle Wirtschaftsforschung
Das Makro-Labor ist eröffnet

In der Mikro-Ökonomie sind Experimente längst Standard – Jetzt interessieren sich auch Makro-Forscher für die Methode. Lesen Sie, was sie im Laboratorium über Konsum- und Sparentscheidungen, soziale Gerechtigkeit und die Grenzen von Geldpolitik herausfinden.

Wenn Physiker einen Quanteneffekt erforschen, gehen sie ins Labor. Biologen schauen ins Mikroskop, um die DNA zu untersuchen. Und die Ökonomen? Keine Volkswirtschaft der Welt lässt sich ins Labor zwängen, um zu testen, wie sie auf Mindestlöhne oder Steuererhöhungen reagiert. Kein Finanzmarkt passt ins Reagenzglas, um klarzumachen, ob eine drastische Zinssenkung tatsächlich die Akteure beruhigt. In der Makroökonomie klaffen Theorie und wirkliche Welt oft weit auseinander. Wie also sollte man sie dann noch ins Labor holen?

Doch was bei den Mikro-Ökonomen längst Standard ist, weckt zunehmend auch den Entdeckergeist bei den Kollegen in der Makro-Ökonomie: Sie entwickeln Methoden, um im Labor zu experimentieren. „In den vergangenen Jahren haben wir eine deutliche Vorwärtsentwicklung bei Makro-Experimenten gesehen“, sagt John Duffy von der US-Uni Pittsburgh. „Wir haben bessere Modelle, leistungsstärkere Computer und mehr Erfahrungen bei der Durchführung von Laborexperimenten.“

Die Spannweite der untersuchten Fragen ist groß: Da geht es zum Beispiel um Konsum- und Sparentscheidungen über lange Zeiträume, um soziale Gerechtigkeit und um den Gestaltungsspielraum und die Grenzen von Geldpolitik.

Experimente sind gut geeignet, um zu analysieren, wie die Dynamik eines Marktes ist, wenn er nach einer Störung von einem Gleichgewicht zu einem anderen konvergiert – zum Beispiel, wenn der Staat Steuern erhöht oder Zölle einführt. Oder um zu beschreiben, wie sich der Markt nach einem Börsencrash verhält.

„Solche Phänomene kann man nur im Labor präzise beobachten“, sagt Charles Noussair, Ökonom im niederländischen Tilburg. Er hat im Labor bereits Teile der Außenhandels-, Geld- und Wachstumstheorie erforscht. Auch der Frage, ob demokratische oder diktatorische Regierungen in Entwicklungsländern leichter den Weg aus der Armutsfalle finden, ist er nachgegangen. Experimente seien eine gute Brücke zwischen den Wirtschaftswissenschaften und der wirklichen Welt, betont Noussair. „Schließlich brauchen wir Menschen nicht Modellagenten.“

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