Fachtagung: BWL-Professoren entdecken die Nachhaltigkeit

Fachtagung
BWL-Professoren entdecken die Nachhaltigkeit

Auf ihrer Jahrestagung diskutieren Deutschlands BWL-Professoren über ökologisch verantwortungsvolles Wirtschaften. Ein Thema, das die Disziplin vor große Herausforderungen stelle. Noch bleiben viele Fragen offen.
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KaiserslauternWenn man Veränderungen an Kleinigkeiten festmachen kann, dann an den braunen Taschen, in denen die Teilnehmer ihre Tagungsunterlagen ausgehändigt bekamen: Sie waren aus Stoff, nicht aus Plastik, und wer sie nicht mehr brauchte, konnte sie am Ausgang in einen Pappcontainer werfen. Da drauf stand: „Handeln Sie nachhaltig.“

Willkommen bei der 73. Jahrestagung des Verbandes der Hochschullehrer für BWL (VHB). Rund 400 Betriebswirte aus dem deutschsprachigen Raum trafen sich Ende vergangener Woche in der TU Kaiserslautern. Ihr Oberthema lautete „Nachhaltigkeit – Unternehmerisches Handeln in globaler Verantwortung“.

Stefan Roth, Marketingforscher in Kaiserslautern und einer der Organisatoren der Tagung, betont:„Wir wollten dieses Thema unbedingt auf die Tagesordnung bringen, und ich glaube, wir haben damit den Forschungszeitgeist getroffen.“ Das Bewusstsein für die ökologischen und sozialen Folgen des Wirtschaftens scheint auch bei den Professoren für Betriebswirtschaftslehre angekommen zu sein.

Allerdings zeigte sich in Kaiserslautern auch: Der Trend, Produkte nicht mehr alleine nach Preis und Qualität, sondern auch danach zu bewerten, ob sie umweltschonend und fair produziert wurden, stellt die BWL vor eine Reihe neuer Herausforderungen.

Ob Marketing, Produktion oder Rechnungswesen – keiner der klassischen BWL-Bereiche kann sich vor den neuen Fragestellungen verschließen. Beispiel Marketing: Werbemanager, die ihre Produkte an den Mann bringen wollen, müssen heute wissen, wie viel Wert Konsumenten darauf legen, dass der Hersteller und seine Zulieferer die Mitarbeiter nicht ausbeuten, auf Kinderarbeit verzichten und Gewerkschaften erlauben. Doch um das herauszufinden, fehlen bislang die richtigen Instrumente: „Es gibt keine bewährte Skala zur Messung des sozialen Bewusstseins von Konsumenten“, sagte Ingo Balderjahn, BWL-Professor an der Universität Potsdam.

Die gängigen Erhebungsmethoden könnten nicht unterscheiden, ob Konsumenten zu bestimmten Produkten greifen, weil sie umweltschonend sind oder weil sie sozial produziert wurden. Balderjahn hält jedoch genau diese Unterscheidung für unverzichtbar, da beiden Faktoren, Umweltschutz und Soziales, „unterschiedliche und voneinander isolierbare Verhaltens- und Bewusstseinsprozesse“ zugrunde liegen.

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  • Wieder mal ein Modethema, das alle Jubeljahre wieder aufpoppt. Wie wär´s mal wieder mit Corporate Governance oder mit Corporate Social Responsibility?
    Ich stimme "Gabsch! voll zu, dass man schlicht die diversen Externalitäten als Nebenbedingung in die Gewinnmaximierungs- bzw. Kostensenkungsfunktion einbauen kann. Das ist kein Hexenwerk - lediglich die genaue Bewertung ist spannend.

  • Diese Diskussion setzt die zaghaften Anfänge der Öko-BWL in den 90er Jahren fort. Der damalige „Forschungszeitgeist“ lief sich für meine Begriffe tot, weil irgendwann auch die altruistischsten Vertreter erkennen mussten, dass die Paradigmen leider nicht ins Wanken gerieten, sondern Unternehmen im Grunde doch nur nach der zentralen Prämisse der BWL (und übrigens noch viel mehr der VWL) handeln (können). Im Zeitalter fortgeschrittener Globalisierung mit international verflochtenen Finanzmärkten und internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen wird es sicher kaum einfacher, dies aufzubrechen.

    Nicht ganz uneigennützig ;-) möchte ich auf meine damals – (plagiatsfrei :-) !!) verfasste Dissertation „Anreize zur Standardisierung umweltverträglichen Verhaltens multinationaler Unternehmen“ verweisen, in der ich meine Meinung zum Ausdruck gebracht habe, dass es nur wenige Mechanismen gibt, die Unternehmen zu grüner BWL führen können:

    - Positivanreize durch zusätzliche Zahlungsbereitschaft der Kunden; kritisch hierbei ist, die Glaubwürdigkeit der Unternehmen nachzuweisen
    - Negativanreize durch Sanktionen bei „Nicht-Compliance, wie man neudeutsch sagen würde; dazu braucht es vor allem VIEL Transparenz in den Märkten und Engagement der Kunden oder sonstigen Anspruchsgruppen
    - Staatliche Eingriffe durch Steuern, Auflagen usw.

    Ohne wissenschaftliche Fundierung würde ich spontan behaupten wollen, dass dies für Sozialstandards genauso wie für Umweltstandards gilt.

    Ich bin gespannt, was der heutige „Forschungszeitgeist“ bringt…

  • "Wenn umweltschonende Maßnahmen lediglich ein Teil des alten Gewinnmaximierungsdenkens seien, führe das dazu, „dass nicht diejenigen Unternehmen am Markt bestehen, die sparsam mit Ressourcen umgehen, sondern ausschließlich die mit den höchsten Renditen"

    Vom modelltheoretischen Ansatz her wäre denkbar, im Rahmen des traditionellen Gewinnmaximierungsprozesses die "Kosten" für die Nichtbeachtung von Umwelt und Ethik-Standards in die Zielfunktion einfliessen zu lassen.

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