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Factoring: Umsatz deutlich gestiegen

Der Factoringmarkt in Deutschland befindet sich weiterhin klar auf Wachstumskurs. 2004 sind die ...

Der Factoringmarkt in Deutschland befindet sich weiterhin klar auf Wachstumskurs. 2004 sind die Umsätze der führenden deutschen Factoringinstitute im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 29,16% gestiegen. Die 20 im Deutschen Factoring-Verband zusammengeschlossenen Anbieter verzeichneten im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 45,31 Mrd.Euro, 2003 waren es noch 35,08 Mrd. Euro. Zudem hat sich die Zahl der Vertragskunden, die den Forderungsverkaufais Finanzierungsinstrumentnutzen, von 2500 (2003) auf derzeit fast 3000 erhöht. Hinter dieser Zahl standen Ende 2004 insgesamt rund 1,7 Mio. Debitoren, die einem Factoringinstitut noch Geld schuldeten. Über das Jahr gesehen lag der Bestand bei rund 6,8 Mio. einzelnen Forderungen.
"Wir haben 2004 die stärksten Zuwächse beim Umsatz seit vier Jahren erlebt. Die Zahlen belegen eindrucksvoll, dass sich das Factoring als feste Größe im Finanzierungsmarkt etabliert hat. Vor allem Mittelständler schätzen diese von der Hausbank unabhängige Finanzierungsquelle. Schließlich erhöhen unsere Kunden durch den Forderungsverkauf schnell und einfach ihre Liquidität und schaffen sich dadurch neue Marktchancen", sagte Joachim Secker, Sprecher des Vorstands des Deutschen Factoring-Verbands und Vorsitzender des Vorstands der Heller Bank AG, bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für 2004 in Frankfurt/M. Als besonders erfreulich bezeichnete er die Tatsache, dass bis auf eine einzige Ausnahme alle Verbandsmitglieder deutliche Zuwächse beim Umsatz melden konnten.
Im vergangenen Jahr hat sich auch das internationale Geschäft überdurchschnittlich entwickelt. Hier legten die Umsätze deutlich um 24,6% (2003: 15,4%) zu. Damit finanzierten die Factoringinstitute den deutschen Im- und Export mit fast 10 Mrd. Euro. Der Anteil des Auslandsgeschäfts am Gesamtumsatz der Mitgliedsinstitute blieb mit 21,9% im Vergleich zum Vorjahr in etwa gleich. Die wichtigsten Auslandsmärkte waren dabei Frankreich, die Benelux-Staaten, Großbritannien, Italien, Österreich und die Schweiz. Erste Engagements wagten einige Mitglieder auch in den neuen EU-Staaten Polen, Ungarn und Tschechien. "Die EU-Osterweiterung bietet für unsere Mitglieder große Chancen", sagte Secker.
Die Dynamik des Factoring in Deutschland wird auch in den nächsten Jahren anhalten, prognostiziert der Verband und erwartet ein Umsatzwachstum im leicht zweistelligen Prozentbereich für 2005. Vor allem bei einer Verbesserung der Konjunktur könnten die Umsätze der deutschen Factoringinstitute nochmals deutlich zulegen. Die Vorteile des Forderungsverkaufs nutzen heute rund 30 Branchen in Deutschland. Die größte Bedeutung hat das Finanzierungsinstrument in den Sektoren Automobilzulieferer, Metallverarbeitung, Lebensmittel, Textil, Chemie/Kunststoffe sowie Elektrogeräte und EDV-Hardware.
Als größtes Handicap für das künftige Wachstum sieht der Verband weiterhin §13c des deutschen Umsatzsteuergesetzes an. Demnach haftet der Factor für die Umsatzsteuer seiner Kunden, falls diese ihren Verpflichtungen gegenüber den Finanzbehörden nicht nachkommen. Diese Regelung benachteilige die deutschen Finanzierer, argumentiert der Factoring-Verband. In anderen Ländern ist eine solche Haftung nicht vorgesehen. Zwar konnte nach deutlicher Verbandskritik eine Entschärfung bei der Interpretation der Regelung erreicht werden, "dennoch sehen wir hier weiteren Klärungsbedarf", sagte Secker. Der Verband hält §13c UStG weiterhin für europarechts- und verfassungswidrig. "Der Blick in das Ausland zeigt, dass Factoring in Deutschland eine wesentlich größere Bedeutung haben könnte, wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen stimmen", so Secker weiter. Das Verhältnis der Factoringumsätze zum Bruttoinlandsprodukt in Deutschland liegt bei knapp 2,l% (2004); verglichen mit den im Factoring führenden Ländern in der EU zeigt sich das mögliche Wachstumspotenzial für den deutschen Markt: So liegt das Verhältnis in Großbritannien bei 9,8% (2003). Dort gibt es keine Haftung der Factoringinstitute für nicht gezahlte Umsatzsteuer ihrer Kunden.
Deutliche Kritik übt der Verband auch an der angedachten Änderung der Insolvenzordnung. Der Factor, der von seinem Kunden Forderungen kauft, soll demnach im Fall der Insolvenz des Kunden nicht mehr das Geld vom Schuldner (Debitor) direkt einfordern können. Künftig soll, so der aktuelle Diskussionsstand, der Insolvenzverwalter die Außenstände geltend machen. "Damit wird massiv in das verfassungsrechtlich geschützte Eigentumsrecht des Factors eingegriffen. An einem Factor ist die Sanierung eines insolventen Unternehmens aber noch nie gescheitert", sagte Secker. Deshalb fordert der Verband den Gesetzgeber auf, von allen Gesetzesänderungen Abstand zu nehmen, die eine Finanzierung der mittelständischen Wirtschaft erschweren.
Dass sich das Factoring auch in Deutschland immer mehr als moderne Finanzierungsform etabliert hat und mittlerweile gleichwertig neben Bank- und Kontokorrentkredit steht, hat im vergangenen Jahr eine repräsentative Kundenbefragung durch ein neutrales Marktforschungsinstitut ergeben. Mehr als 80% der befragten Unternehmen äußerten sich sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrem Factor. Hervorgehoben wurden die schnelle Abwicklung und Gutschrift der verkauften Forderung sowie die marktgerechten Konditionen.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 15.03.2005

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