Familienunternehmen: Der entzauberte Mythos

Familienunternehmen
Der entzauberte Mythos

Neue Studien zeigen: Inhabergeführte Unternehmen sind keineswegs generell erfolgreicher. Häufig ist sogar eher das Gegenteil der Fall: Wenn die Kinder des Chefs das Ruder übernehmen, geht es oft bergab - vor allem dann, wenn die nächste Generation keine vernünftige Management-Ausbildung hat.
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DÜSSELDORF. Für die Börsenstrategen der Investmentbank Morgan Stanley besteht kein Zweifel: Familienunternehmen sind für Investoren besonders attraktiv. Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos gerät bei dem Thema ins Schwärmen: Familienbetriebe seien „der perfekte Gegensatz zu den Shareholder-Value-Konzernen“ .

Familienunternehmen gleich bessere Unternehmen? Nicht unbedingt. Seit einigen Jahren untersuchen Ökonomen systematisch die Performance von inhabergeführten Unternehmen – und kommen zu einem differenzierten Bild. Dass inhabergeführte Unternehmen anderen Firmen generell überlegen sind, erweist sich immer mehr als eine Legende.

Tatsächlich scheint häufig eher das Gegenteil der Fall zu sein – vor allem, wenn die Gründergeneration abgetreten ist. „Mehrere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass Familienunternehmer im Vergleich zu sonstigen Firmen in den meisten Ländern eher unterperformen“, schreiben Marianne Bertrand (GSB Chigaco) und Antoinette Schoar (MIT) im „Journal of Economic Perspectives“.

Das zeigen zum Beispiel Belen Villalonga (Harvard Business School) und Raphael Amit (Wharton Business School) für die 500 größten US-Unternehmen und die Jahre 1994 bis 2000: Nur, solange der Firmengründer selbst mit an Bord ist, entwickeln sich Familienunternehmen besser als andere Firmen. Wenn die Nachfahren des Gründers das Zepter übernehmen, werde Firmenwert zerstört, schreiben die Autoren im „Journal of Financial Economics“.

Auch das gilt aber nicht auf der ganzen Linie, sondern hängt davon ab, welche Familienunternehmen man betrachtet. So konzentrieren sich die französischen Forscher David Sraer und David Thesmar auf solche, die an der Börse notiert sind – und kommen zu dem Schluss: Familienunternehmen entwickelten sich zwischen 1994 und 2000 besser als Unternehmen in Streubesitz.

Sabine Klein, Professorin an der European Business School in Oestrich-Winkel, fasst die unterschiedlichen Ergebnisse so zusammen: „Es gibt einerseits eine große Gruppe von Familienunternehmen, die deutlich schlechter performen – gleichzeitig aber gibt es eine zweite, deutlich keinere Gruppe, die massiv überperformen.“

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