Fernsehkabel
Das Gold in der Erde

Mit dem Begriff „Kabel“ ist untrennbar das Wort „Fernsehen“ verbunden. Doch im fast überall verfügbaren Breitbandnetz schlummert viel mehr Potenzial: Längst wäre das Kabel eine sinnvolle Alternative zu DSL – aber niemand scheint sich als Goldgräber zu sehen, meint der frühere Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling in einem ökonomischen Gastkommentar.

Der Startschuss zum bundesweiten Aufbau eines Breitbandkabelnetzes im Jahr 1984 war eine der wichtigsten industriepolitischen Entscheidungen der letzten drei Dekaden. Doch die Zwischenbilanz fällt allenfalls gemischt aus. Ein Wettbewerb der Infrastrukturen findet bisher nicht ausreichend statt, weil das Kabel durch die künstliche Trennung der verschiedenen Netzebenen benachteiligt ist. So bleibt wertvolles Kapital ungenutzt, wenn die Politik nicht schnell die richtigen Weichen stellt.

Unsere Medienordnung wäre ohne das Fernsehkabel undenkbar. Anfang der 80er-Jahre war absehbar, dass Satellitenprogramme aus allen Teilen der Welt nicht vor den deutschen Grenzen Halt machen würden. Die Regierung Kohl und ich als verantwortlicher Minister wollten dieser TV-Invasion ein vielfältiges, aber hochwertiges Angebot von Programmen entgegensetzen. Dieses Ziel ließ sich nur durch den Aufbau der Breitbandkabelnetze erreichen.

Das abgeschirmte Kupferkoaxialkabel ist auf Grund seiner physikalischen Eigenschaften für den Transport großer Datenmengen geeignet. Schon damals war den Experten klar, dass so ein leistungsfähiges Netz einmal zu einem wichtigen Standortfaktor für unser Land werden könnte.

Was ist nun aus den ehrgeizigen Erwartungen an das Kabel geworden? Das Kabel ist nach wie vor klarer Marktführer bei den Fernsehinfrastrukturen, und in Deutschland hat sich ein so reichhaltiges und hochwertiges Free-TV-Angebot entwickelt wie in keinem anderen Land. Soweit ist das Kabel eine Erfolgsstory.

Doch die Hoffnung, das Breitbandkabel könne auch als wichtiges Datennetz dienen, hat sich bei uns nicht erfüllt. Lediglich zwei Prozent der Internetnutzer surfen in Deutschland über das TV-Kabel, 97 Prozent über das DSL-Netz. In den Niederlanden gehen 38 Prozent über das Fernsehkabel ins Internet, in der Schweiz 35 und in den USA 54 Prozent.

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