Finanzblasen-Forschung Aufblasen und platzen lassen – der Krise auf der Spur

Die Blase am US-Immobilienmarkt gilt als wichtige Ursache der aktuellen Krise. Wer wissen will, wie sie entstanden ist, muss in die Labore schauen. Denn in den Versuchslaboren lassen sich hervorragend Finanzblasen erzeugen. Überraschend: In den Laborexperimenten haben sich Leerverkäufe als Segen entpuppt.
  • Frederic Spohr
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Riesige Seifenblase: In Laboren züchten experimentelle Wirtschaftsforscher Finanzblasen und lassen sie platzen. Quelle: dpa

Riesige Seifenblase: In Laboren züchten experimentelle Wirtschaftsforscher Finanzblasen und lassen sie platzen.

(Foto: dpa)

KÖLN. Die Unvernunft des Menschen kann Jörg Oechssler nicht mehr überraschen. Denn der Heidelberger Ökonom gehört zur wachsenden Spezies experimenteller Wirtschaftswissenschaftler. Sie lassen Märkte in einem Labor nachspielen und analysieren das Verhalten der Teilnehmer. „Was ich schon alles im Labor erlebt habe ...“, hebt er an, ohne den Satz zu beenden. Und dann sagt er: „Nach all dem habe ich den Glauben daran verloren, dass der Mensch sich rational verhält.“

Die Suche nach den Ursachen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise hat das Interesse an der experimentellen Ökonomie weiter befeuert. Denn in den Versuchslaboren lassen sich hervorragend Finanzblasen erzeugen. Das Platzen der Immobilienblase im Jahr 2006 gilt als ein wichtiger Auslöser der anhaltenden Krise.

Aber selbst wenn Blasen nicht so katastrophal enden wie die jüngste, sind sie in jedem Fall schädlich für die Wirtschaft. Sie verhindern nämlich, dass das Kapital dort hinfließt, wo es am effizientesten eingesetzt werden kann.

Die experimentellen Wirtschaftsforscher züchten ihre Blasen in kleinen Versuchsmärkten, indem sie die Teilnehmer des Experiments in einem Computerlabor miteinander handeln lassen. Damit sich die Händler möglichst realistisch verhalten, erhalten diese am Ende des Experiments ihre erzielten Gewinne ausgezahlt. Dabei können die Forscher die Rahmenbedingungen des Labormarktes beliebig variieren. So können sie untersuchen, wie sich die Blasenbildung ändert, wenn sie die Informationen unterschiedlich verteilen, die Liquidität des Marktes erhöhen oder eine Steuer auf Transaktionen erheben.

Der größte Vorteil von Laborexperimenten für das Erforschen von Blasen besteht aber darin, dass man Letztere tatsächlich nur unter Laborbedingungen beobachten kann. In der Realität ist das Entstehen und Platzen der Blasen erst im Nachhinein zu identifizieren. Und selbst dann streiten sich die Wissenschaftler häufig noch darüber, ob es sich in dem jeweiligen Fall um eine Blase handelte oder nicht.

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10 Kommentare zu "Finanzblasen-Forschung: Aufblasen und platzen lassen – der Krise auf der Spur"

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  • Genau Recherchiert.
    Finanzkrise wäre nicht zustande gekommen wenn Frauen es in der Hand, Gespür, Führungstill, und Verantwortungsinn denn Lauf gehabt hätte.
    Frauen sind von Natur aus etwas feinfühliger und haben den natürlichen beschützer instinkt.
    Mehr Frauen braucht der Weltmarkt.
    .
    Da führt kein Weg mehr daran vorbei.
    .

  • " ...wenn zu Anfang schon geplant war, die faulen Hypothekenverbriefungen gebündelt - weltweit anderen banken anzudienen ? ...."

    Wenn das so wäre, dann müsste man die US-banken für ihr Wissen und das Erkennen der Marktlücke preißen!
    Sie haben dann gewusst, dass Kunden dümmlich agieren, die deutschen staatlichen banken keine Ahnung haben, naiv allen Mist kaufen, keine tauglichen Aufsichtsräte haben, nach exorbitanten ("unsoliden") Renditen geiern, keine taugliche Risikosteuerung haben, von unfähigen Vorständen geführt werden, usw. usw.
    Spätestens im Laufe der Zeit lernten die US-banken dann, dass es tatsächlich so ist: Als sich kluge banker längst zurückzogen, verkauften sie den "Mist" noch in großem Stil an (wörtliches Zitat eines New Yorker bankers): "Silly German 'Ländesbänk'"

    Und wer nun ist in diesem "System" der Versager ???

    @ Hartleb Silvia

    Sie haben vollkommen recht: Als das Geschäft gut lief, kam jeder Halbdepp zur großen Nummer. Ähnlich wie bei den Gebrauchtwagenhändlern 1990. Die Klugen sind rechtzeitig ausgestiegen. Die blase kommt nach dem kurzen, guten, schnellen Geschäft immer! So läuft das Geschäftsleben seit mehreren tausend Jahren. Früher sprach man wenn es gefährlich wurde von der Hausfrauenhausse. Oder: Wenn die kleinen Leute Aktien (Fonds, Zertifikate...) kaufen, sind die Profis längst auf der Yacht.

  • "Die blase am US-immobilienmarkt gilt als wichtige Ursache der aktuellen Krise"..., weil der immobilienwert - als Maß für eine beleihung - ignoriert wurde:

    bei der Ermittlung des immobilienwerts mittels der hedonischen Methode wird pro Objektart ein Referenzobjekt bewertet, das für den bestand in der jeweiligen Wohnlage durchschnittlich ist. Diese Referenzwerte, multipliziert mit der Anzahl Objekte in der Gemeinde, ergeben in der Summe den geschätzten Wert aller entsprechenden Objekte, abzüglich der Anteil nicht-privater investoren. An reale US-immobilienwerte hätten die Erstgläubiger-Hypothekenbanken kommen können.

    Die Frage war: Wollte man das ernsthaft auch wissen?, wenn zu Anfang schon geplant war, die faulen Hypothekenverbriefungen gebündelt - weltweit anderen banken anzudienen ?


  • Dass man drohende blasen erst im Nachhinein identifizieren kann, halte ich auch für absoluten Nonsens. Nur ein Mensch, der die Realwirtschaft höchstens aus großer Entfernung (oder bloß vom "Hörensagen") kennt, kann "blender" nicht von seriösen Geschäftsleuten unterscheiden. Leider gibt es heutzutage viele davon. Die medial präsente Wirtschaft vermittelt in der Öffentlichkeit leider auch oft das bild, dass es so einfach wäre, im großen Stil "abzucashen". Und tatsächlich können bzw. konnten (vor der großen Krise) auch viele bankbeamte (Stichwort: Kreditvergabe) oder auch Politiker (Fördervergabe) nicht unterscheiden, wer ohne Substanz einfach "groß hinaus will" und welche investoren bzw. Gründer seriöse Geschäftsmodelle anbieten. im täglichen Wirtschaftsleben gilt noch immer der Slogan "Von nichts kommt nichts". Die nachhaltigsten Geschäftsmodelle sind leider nur sehr selten so gestaltet, dass der Unternehmer von heute auf morgen reich wird. Nichtsdestotrotz ist der Wunsch des einzelnen erkennbar, ohne große Anstrengung sein Geld zu verdienen. Diese Wunschvorstellung begünstigt den Erfolg der Modelle, die zu den vielzitierten "blasen" führen ...

  • interessante sache ohne frage, allerdings schwer operationalisierbar....meiner bescheidenen meinung nach handelt es sich schlicht und ergreifend um eine besondere form des trial and errors....dumm nur, dass diejenige die den error erlebt und möglicherweise daraus gelernt hätten dann regelmäßig keinen großen einfluss mehr auf den markt haben...eben wg des errors...daher kommt ja auch die idee und statistische signifikanz des "anfängerglücks"....so gesehen: andrew lo: Reconciling efficient markets with behavioral finance: the amh.

  • "in der Realität ist das Entstehen und Platzen der blasen erst im Nachhinein zu identifizieren." Das ist nachweislich FALSCH - hunderte haben, unterlegt mit fundamentalen Werten und Steigungskoeffizienten, vor der blase 2000 und ebenso vor der jetzigen Wirtschaftskrise gewarnt (und schon vor der Tulpenkrise!). Die Warnungen gehen auch weiter und werden geflissentlich ueberhoert, sowohl, was den Westen (http://crisismaven.wordpress.com/2010/02/08/bloom-of-doom-v-we-have-control-of-the-ship-we-have-a-plan/), wie, was China betrifft (http://crisismaven.wordpress.com/2010/02/13/bloom-of-doom-vi-will-china-survive-the-crisis). Und das beispiel einer insider-getriebenen einzelnen Aktie ist KEiNE bLASE, sondern eine Fehlspekulation, wie sie taeglich vorkommt. Eine EiNZELNE Aktie ist ja geradedadurch interessant, dass sie dem uebrigen Markt "davoneilt" – das GEGENTEiL EiNER blase – also wieder oeffentlich finanzierte pseudowissenschaftliche Scharlatanerie, wie in der Wirtschafts"wissenschaft" seit Jahrzehnten verbreitet!

  • "... manche verarbeiten informationen falsch." Wenn also Experten behaupten, Finanzmärkte seien effizient, genauer informationseffizient, dann ist das frei erfunden. Sie wissen nicht, wovon sie reden, denn sie wissen noch nicht einmal, was information ist.

  • Man kann es nicht wirklich als Ueberraschung bezeichnen, dass die Ermoeglichung von Leerverkaeufen ein Mittel gegen Spekulationsblasen sind. Das ist in der oekonomischen Literatur zu diesem Thema seit langem bekannt.

    Daher entstehen Spekulationsblasen auch vorwiegend auf Maerkten, auf denen Leerverkaufsbeschraenkungen bindend sind - immobilienmaerkte sind dafuer praedestiniert.

  • Dann hat so ein Markt also doch mehr mit Chemie als mit Zauberhand zu tun. Wie irrational!

  • Und alle sollen glauben, die Goldmanns, Morgans und D.bank machen MiLLLLLLLiARDEN!!! mit vernünftigen Frauen. LOL

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