Finanzinvestoren
Wie die Heuschrecken fressen lernten

In seinem Buch „Die Wahrheit über die Heuschrecken“ widmet sich Wirtschaftsjournalist Daniel Schäfer den Finanzinvestoren und ihrem schlechten Ruf: Er stellt die Schattenseiten und Risiken der Private-Equity-Branche deutlich heraus und zeichnet so ein differenziertes Bild.
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DÜSSELDORF. Sie bewegen Milliardensummen, verleiben sich immer mehr Unternehmen ein, und viele agieren lieber im Verborgenen: Die Rolle der Finanzinvestoren hat in der weltweit verflochtenen Wirtschaft erheblich an Bedeutung gewonnen. Mitunter ruppig auftretend, fing sich die Branche einen schlechten Ruf und die Bezeichnung als „Heuschrecken“ ein.

Mit einigen Klischees räumt der Wirtschaftsjournalist Daniel Schäfer in seinem Buch „Die Wahrheit über die Heuschrecken“ auf. Er startet mit der Gründungsphase der großen US-Private-Equity-Gesellschaften wie KKR, Blackstone oder Carlyle. Um zu erläutern, wie das Geschäft mit Unternehmensaufkäufen tickt, skizziert er die Vordenker der Branche wie Henry Kravis oder Michael Milken. In den USA hatten die Firmenjäger in den 80er-Jahren eine erste Hochphase. Die Schilderung dieses Booms garniert Schäfer mit Anekdoten aus dem ausschweifenden Lebensstil der Fondsmanager. So buchte David Bondermann, Gründer der Texas Pacific Group, die „Rolling Stones“ für sein Geburtstagsfest – für geschätzte acht Millionen Dollar.

Schäfer zeigt auch die irrationalen Aspekte der Euphorie auf. Die Private-Equity-Manager würden für ihre Beteiligungen Verwaltungsgebühren und Gewinnbeteiligungen in einer Höhe kassieren, wie es kaum eine Hausbank je wagen würde, schreibt er. Auf der anderen Seite würden sie aber das Risiko auf die Anleger abschieben. Zudem würden die neuen Eigentümer den Unternehmen die Schuldenlast des Kaufs aufbürden. Doch auch bei der Schilderung der Schattenseiten verfällt Schäfer nicht in Heuschrecken-Polemik. So habe manche Übernahme marode Unternehmen gerettet und Arbeitsplätze gesichert, wenn nicht sogar neue geschaffen.

Am Ende stellt Schäfer die in Deutschland aktiven Private-Equity-Gesellschaften vor. Anhand einiger Beispiele beschreibt er, wie es den übernommenen Unternehmen ergangen ist. So schildert er den sagenhaften Aufstieg der mittelständischen Druckerei Schlott oder die Attacken gegen den Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert.

Nach der Finanzkrise um die Jahrtausendwende schwingt sich die Branche nun wieder zu neuer Höchstform auf und breitet sich über den ganzen Globus aus.

Dabei zeigt Schäfer deutlich die Risiken des hier weit verbreiteten Gigantismus auf. Er kommt zu dem Schluss, dass nur einige große Gesellschaften und einige Nischen-Player überleben werden. Der Rest werde von einer Konsolidierungswelle weggefegt.

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