Finanzkrise
Nobelpreisträger kritisieren die Fed

Mit Robert Mundell und Edmund Phelps haben zwei der bekanntesten Wirtschafts-Nobelpreisträger die US-Notenbank Fed kritisiert. Der Fed sei es offenbar nicht gelungen, das übermäßige Wachstum der Kreditmärkte einzufangen.
  • 2

BERLIN. Auf der 7.Konferenz des Center on Capitalism and Society in Berlin warf Nobelpreisträger Robert Mundell der Fed vor, sie habe 2008 den Dollar innerhalb kürzester Zeit um 30 Prozent gegenüber dem Euro aufwerten lassen und damit einen wesentlichen Beitrag zum Ausbruch der Krise geleistet. „Ein so rasanter Anstieg ist nie zuvor geschehen, es ist unverständlich, wieso die Fed das zugelassen hat.“ Das habe „Lehman Brothers vom Schiff gehauen“, fügte der Kanadier hinzu, der den Nobelpreis für seine Theorie des optimalen Währungsraums erhalten hat.

Mundell, der sichtlich auf Krawall gebürstet war, erregte sich über „Leute, die vom Ende des Kapitaismus schwafeln: That's just rubbish“. Kern der Stabilisierung des internationalen Finanzsystems müsse eine berechenbare Währungsrelation von Dollar und Euro sein. Mundell schlug vor, ein weites Kursband zu etablieren, dessen oberes und unteres Ende von Fed und EZB garantiert und notfalls durch Intervention verteidigt werden solle.

Als zweite Voraussetzung für ein funktionsfähiges Weltfinanzsystem nannte der Nobelpreisträger reformierte Sonderziehungsrechte als Anker. Sie sollten zu einem „Korb stabilisierter Währungen“ umgeformt werden und sich zu 36 Prozent aus US-Dollar, 34 Prozent aus Euro sowie je 10 Prozent aus Yen, britischem Pfund und chinesischem Yuan zusammensetzen.

Phelps kritisierte, das es der Fed offenbar nicht gelungen sei, das übermäßige Wachstum der Kreditmärkte einzufangen. In Zukunft genüge es deshalb nicht, allein auf die Notenbank zu vertrauen. Neben ihr als Instanz, die für die Zinspolitik zuständig sei, benötige man eine neue Institution, die sich direkter um das Kreditwachstum kümmere und dafür „ein reales Instrument habe müsse, nicht nur ein nominales wie die Fed“. Phelps verzichtete allerdings darauf, seinen Gedanken näher auszuführen.

Seine Äußerungen gewinnen vor dem Hintergrund Gewicht, dass in den USA die Kritik an der Fed lauter wird - nicht nur mit Blick auf die Vergangenheit, sondern auch im Hinblick auf die künftige Kompetenzverteilung zwischen ihr und anderen Regulierungs- und Aufsichtsbehörden. Viele Politiker würden die Kompetenzen der Fed gerne beschneiden.

Andere Teilnehmer wandten sich gegen manche Untertöne aus den USA, die Krise sei als eine Art normale Begleiterscheinung des Kapitalismus zu sehen. Dies zu behaupten sei „ein selbstgefälliger Rechtfertigungsversuch von Leuten, die vor dem Steuerknüppel eingeschlafen waren“, sagte Stephen Roach, Chairman von Morgan Stanley Asia mit schneidender Schärfe.

Die von Greenspan und Bernanke dominierte Fed habe sich eine „ideologisch vergiftete Theorie“ zurechtgelegt, wonach sie keine Blasen vermeiden müsse, sondern nach deren Platzen die Folgen beseitigen könne. Sarkastisch kommentierte er mit Blick auf die Banken, die die Imobilienblase mit Verbriefungen weiter antrieben: „Kluge Leute können dumme Dinge tun. Allerdings sollten sie dann auch einen hohen Preis dafür bezahlen, statt ihren Reichtum weiter steigern zu können.“

Hans-Werner Sinn warnte ebenfalls vor Gedankenspielereien, das Finanzsystem sei bereits wieder auf dem Weg der Gesundung: Verbriefungen von Hypotheken existierten praktisch nicht mehr. 95 Prozent der neuen US-Hypotheken stammten mittlerweile von den quasi-staatlichen Banken wie Fannie Mae und Freddie Mac. „Das sind nicht die Vereinigten Staaten von Amerika, das ist eher die Volksrepublik Amerika“, sagte Sinn. Wenn nicht durch glaubwürdige strengere Regulierung wieder Vertrauen einziehe, sehe er keinen Ausweg.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Finanzkrise: Nobelpreisträger kritisieren die Fed"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ich glaube die FED hat sehr gute Gründe für ihr Vorgehen. Sie ist ja nicht dem Allgemeinwohl verpflichtet sondern einzig uns allein ihren Mitgliedsbanken.

  • So ein Unsinn! Was war da zu lesen?

    "... ein festes Kursband zwischen Dollar und Euro und FED und EZb sollen dafür garantieren".

    Das bedeutet, dass die EZb (und damit wir alle) in einen maroden Dollar investieren müssen, wenn der aufgrund einer zu erwartenden Pleite der USA mal wieder nach unten abschmiert.

    Nächste Aussage:

    "Ein Korb STAbiLER Währungen mit 36 % Dollar und 34 % Euro ..."

    Das ist blanker Hohn, den Dollar mit STAbiLER Währung in Verbindung zu bringen. Da wären 36 % Yuan und 10 % Dollar noch realistischer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%