Finanzkrise und Konjunktur
Ein Tsunami, der nicht enden will

Ein Jahr nach Ausbruch der Subprime-Krise zeigt sich immer deutlicher: Der ökonomische Fall-out der Krise hat die Weltwirtschaft großflächig kontaminiert - und droht Wachstum und Wohlstand nachhaltig zu belasten. Die Szenarien, die Makro-Ökonomen entwerfen, sind zum Teil beunruhigend.

Es kommt nicht oft vor, dass Alan Greenspan, Joseph Stiglitz, George Soros und der Internationale Währungsfonds (IWF) allesamt der gleichen Meinung sind. Mit Blick auf die Subprime-Krise ist genau das jedoch der Fall: Was wir derzeit erleben, das sei die schlimmste Finanzkrise seit der "Great Depression".

Fast genau ein Jahr ist es her, dass das Drama seinen ersten Höhepunkt erreichte. Derzeit schwappt - je nach Zählweise - die dritte oder vierte Welle der Krise über uns hinweg.

Was bedeutet das alles für die Realwirtschaft? Und wie konnte es überhaupt so weit kommen? Über diese Fragen zerbrechen sich seit Monaten international führende Makro-Ökonomen den Kopf.

Die gängigen Szenarien, die sie dabei entwerfen, machen nicht gerade Mut. Der ökonomische Fall-out der Krise hat die Weltwirtschaft eine ganze Weile großflächig kontaminiert - und droht Wachstum und Wohlstand nachhaltig zu belasten. Längst ist klar: Was anfangs nach einem Betriebsunfall in einem obskuren Segment des amerikanischen Hypothekenmarktes aussah, erschüttert das globale Finanzsystem in seinen Grundfesten - und das wiederum dürfte an der Realwirtschaft nicht spurlos vorbeigehen.

Gleich über zwei Kanäle schwappt die Krise auf die Unternehmen außerhalb des Bankensektors über: Zum einen haben es Industrie- und Dienstleistungsunternehmen seit August 2007 deutlich schwerer, an frisches Kapital zu kommen. Das erschwert Investitionen und kann im schlimmsten Fall ohnehin angeschlagene Firmen komplett zu Fall bringen. Zum anderen drückt die Subprime-Krise auf die Konsumnachfrage, weil die Stimmung der Verbraucher im Keller ist und Einkäufe nicht mehr so leicht wie früher auf Pump finanziert werden können.

Diese beiden Effekte waren bereits im ersten Jahr der Krise bei US-Unternehmen außerhalb des Bankensektors spürbar. Dies weisen die Ökonomen Hui Tong vom IWF und Shang-Jin Wei von der Columbia University in einer vor wenigen Tagen als IWF-Arbeitspapier veröffentlichten Studie nach.

Die Folgen der schlechteren Finanzierungsbedingungen treffen die Unternehmen dabei weit schwerer als die schwächere Konsumnachfrage, lautet das Fazit ihrer Studie.

Als Indikator für das Ausmaß des Schadens, den die Krise in einem Unternehmen angerichtet hat, ziehen die Forscher heran, wie stark die Aktienkurse eines Unternehmens seit August 2007 an der Börse gefallen sind. Dabei stellen sie fest: Unternehmen, die vor der Krise finanziell nicht optimal dastanden, erwischte die Krise weit heftiger als Firmen, die auf eine gute Konsumnachfrage angewiesen sind.

Der schlechtere Zugang zu frischem Kapital, so die Schlussfolgerung, ist der wichtigere Kanal, über den die Finanzkrise die Realwirtschaft beschädigt. Rund die Hälfte aller Kursverluste an der US-Börse seit Sommer 2007 sei auf die schlechteren Finanzierungsbedingungen zurückzuführen, schätzen die Forscher.

Tong und Wei bestätigen damit die Ergebnisse früherer Studien, die belegten: Turbulenzen im Finanz- und Bankensektor richten gerade in Industrieländern häufig besonders großen und auch dauerhaften wirtschaftlichen Schaden an. Zu diesem Schluss sind Valerie Cerra vom Internationalen Währungsfonds und Sweta Chaman Saxena von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in einer im März 2008 im "American Economic Review" erschienenen Studie gekommen.

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